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Endlich nicht mehr Parkplatz

In einem Jahr soll der Bundesplatz im neuen Design wieder strahlen - und Autos haben dann dort nichts mehr zu suchen. swissinfo.ch

Der Berner Bundesplatz, der Platz vor dem Regierungsgebäude, wird nach jahrelangem Planen und Diskutieren umgestaltet.

Dieser Inhalt wurde am 03. August 2003 - 21:43 publiziert

Ab August 2004 wird der Platz dann für den traditionellen Markt wieder offen sein. Nicht aber für Autofahrer, die einen Parkplatz suchen.

Am Montag erfolgte der Spatenstich zur Umgestaltung. Der Platz soll zu einem richtigen, von parkierten Autos befreiten Platz werden. Eingeweiht wird er am 1. August 2004. Danach soll auch der "Märit", wie die Berner ihren Markt nennen, dort wieder Einzug halten.

Eigentlich hatte die Bundesverwaltung für den Bundesplatz schon vor rund 80 Jahren ein Parkverbot erlassen.

Das wollten die Berner Stadträte so nicht auf sich sitzen lassen. Im Februar 1930 – so berichtete die "Berner Zeitung" in einer Sonderbeilage in der Samstagsausgabe – hätten sich ein gewisser Herr Dr. von Fellenberg und 14 Mitunterzeichner in einer Interpellation beim Gemeinderat erkundigt, was der Rat zu tun gedenke.

Das schon für die damalige Zeit "unbegreifliche Verbot des Parkierens von Automobilen" soll rückgängig gemacht werden, forderten die Männer (Frauen gab es damals in der Politik noch nicht).

Der Gemeinderat versuchte darauf, sich mit der Schweizer Regierung zu verständigen. Wer heute den Bundesplatz sieht, weiss, dass man sich damals im Sinne von Herrn von Fellenberg gefunden hatte.

Heute sagt der Berner Gemeinderat zum Bundesplatz, er sei ein lausiger Parkplatz mit einem schönen Märit an zwei Tagen. Der Markt wird bleiben, der Parkplatz aufgehoben. Gespannt darf man sein, ob auch 2004 dagegen Einspruch erhoben wird.

Demonstrationplatz mit Kulisse

Der Bundesplatz der Bundestadt Bern ist und war auch Ort von unzähligen Kundgebungen, von Beach-Volley-Turnieren, Geranienmärkten und Rockkonzerten.

Die letzte grosse Demonstration datiert vom März 2003; sie hatte sich gegen den drohenden Krieg in Irak gerichtet. Rund 40'000 Menschen gaben dabei ihrem Widerstand gegen den Waffengang Ausdruck.

Das Fassungsvermögen des Bundesplatzes ist jedoch nicht so gross. Es endet bei etwa 15'000 bis 20'000 Demonstrierenden.

Jetzt, wo der Platz für ein Jahr gesperrt ist, stellt sich die Frage: Wo soll denn eine nationale Demo stattfinden? Irgendwo draussen vor den Toren Berns ist eine Kundgebung nur die Hälfte wert. Der Bundesplatz allein sorgt für eine einmalige Kulisse.

Da die Demonstrationen – das dürfte wohl weltweit einzigartig sein – unmittelbar vor dem Regierungsgebäude stattfinden, befand sich das Symbol der politischen Macht bei Ausschreitungen auch immer irgendwie in der Gefahrenzone.

Nicht selten wurde es auch Ziel von Angriffen. Heute wird bei Demos, einige Meter vor dem Eingang, jeweils ein hoher Eisenzaun errichtet.

Bauerndemo

Am Bundesplatz steht aber nicht nur das Bundeshaus. Der Platz wird auch von diversen Banken gesäumt. Darunter das markante Gebäude der Schweizer Nationalbank. Da viele Demonstrationen eher "links" gerichtet waren, gaben die Bankgebäude ein zusätzliches Feindbild ab.

Zudem soll die Nationalbank unter dem Bundesplatz jede Menge Gold lagern. Das ist ein Gerücht. Eines allerdings, das sich hartnäckig hält.

Dieses Gerücht konnte auch der heutige Finanzminister Kaspar Villiger nicht ausräumen. Auf die Frage, wo die Schweiz denn ihr Gold lagere, sagte er einmal: "Ehrlich, ich weiss es nicht!"

Zurück zu den Demonstrationen auf dem Bundesplatz. Die bislang wüsteste Manifestation kam nicht von links, sondern von den Bauern. Diese hatten am 17. November 1961 gegen die Preispolitik des Bundesrates demonstriert.

Irgendwann während der Kundgebung flogen Steine, Eier und faules Gemüse gegen das Bundeshaus. Die Polizei setzte Tränengas ein und es entwickelte sich eine üble Strassenschlacht. "Es sah aus, als herrsche Bürgerkrieg", weiss ein Augenzeuge von damals zu berichten.

Damit hatten die Bauern für eine hitzige Strassenschlacht gesorgt, Jahre bevor die sogenannten 68er zum Gang durch die Institutionen aufriefen und diesen auf der Strasse begannen.

Staatsempfänge

Was Staatsemfpänge angeht, wird der Bundesplatz nicht überbeansprucht: Die Schweiz empfängt offiziell nur einen Staatsgast pro Jahr. So kommt es nicht oft vor, dass auf dem Bundesplatz Staatsoberhäupter die Ehrengarde abschreiten.

In der Regel empfängt die Schweizer Regierung den Gast vor dem Bundeshaus. Kurz vor Eintreffen begibt sich die Landesregierung jeweils nach draussen.

Einmal, 1999, hatte sie dort lange ausharren müssen. Der damalige Gast, Chinas Staats- und Parteichef Jiang Zemin, kam und kam nicht. Als er dann schliesslich doch noch eingetroffen war, beschuldigte er die Schweizer Regierung, nicht genügend für seine Sicherheit getan zu haben.

Auch der traditionelle Neujahrempfang – er lockte zwar früher mehr Schaulustige an als heutzutage – findet auf dem Bundesplatz statt. Im Januar empfängt der Schweizer Bundespräsident, die Bundespräsidentin, jeweils das diplomatische Corps aller in der Schweiz mit Botschaftern akkreditierten Länder.

Die Botschafter fahren dann in Autos, Kutschen oder Taxis vor dem Bundeshaus vor. Manch einer kam auch schon zu Fuss.

Seit Montag wird gebaut

Und wie wird er denn nun aussehen, der neue Bundesplatz? Ein grosses, von einem Chromstahlband eingefasstes Rechteck aus Naturstein-Platten wird es geben.

Vom Haupteingang des Bundeshauses wird ein helles Band abgehen, das in der Nacht leuchten soll. Weiter gibt es ein Wasserspiel mit 26 Fontänen (Zahl der Kantone).

Die Kosten für die Umgestaltung des Bundesplatzes belaufen sich auf rund 8 Mio. Franken. Am Montag war Baubeginn - in einem Jahr soll der neue Platz dann wieder für eine vielfältige Nutzung bereit sein, nur Autos sollen dann dort nicht mehr parkiert werden dürfen.

swissinfo, Urs Maurer

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