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Eishockey-WM ein Erfolg - trotz Frühling und Kritik

Keystone

Am Sonntag geht die Eishockey-Weltmeisterschaft in Bern zu Ende. OK-Präsident Gian Gilli zieht bereits vor dem Finalspiel eine positive Bilanz des grössten Schweizer Sportanlasses des Jahres.

Dieser Inhalt wurde am 09. Mai 2009 - 19:01 publiziert

Gian Gilli weiss seit zwei Jahren nicht mehr, was Ferien sind. Der Präsident des Organisationskomitees lebte in dieser Zeit nur dafür, dass die WM 2009 in Bern und Kloten als die bestorganisierten Titelkämpfe in die Hockey-Geschichte eingehen werden.

Der Bündner und sein Team sind auf gutem Weg, diesen Ritterschlag zu erhalten. Teams und Betreuer waren sich einig im Lob über die Schweiz als Gastgeber.

Besonders wohl tat das einhellige Rühmen der Kanadier, die nicht immer als sehr pflegeleicht gelten. Nachdem sie sich bereits in Kloten pudelwohl gefühlt hatten, kamen sie sich nach dem Umzug nach Spiez am Thunersee wie Könige vor.

"Eine so schöne Atmosphäre hatten wir noch an keiner WM", sagte Bob Nicholson, Chef der 135-köpfigen Delegation des Weltmeisters von 2007. Zur Erinnerung: Letztes Jahr fand sie in Kanada statt...

Hockeyfest - hartes Business

Aber nicht nur Komplimente wie dieses geben Gilli allen Grund, mit der Arbeit seines Teams zufrieden zu sein. "Wir sahen Spiele auf sehr hohem Niveau, und die Fans sorgten für eine grossartige Stimmung, insbesondere natürlich an den Schweizer Spielen." Eine tolle Ambiance habe auch in den Fan-Zonen vor den beiden WM-Arenen geherrscht.

Doch Balsam auf die Organisatoren-Seele allein macht Gilli nicht glücklich, denn schliesslich ist die WM auch ein grosses Geschäft. Aber auch hier sieht es nicht schlecht aus. "Wir haben die Marke von 300'000 Tickets, mit denen wir in die Gewinnzone kommen, bereits erreicht." Genaue Zahlen wird Gilli erst in rund zwei Wochen vorlegen können.

Doppelte Niederlage

Das Aus der Schweiz sei auch für die Organisatoren eine Niederlage gewesen, bedauert der OK-Präsident, denn das Turnier habe dadurch noch vor den Viertelfinals an Stimmung und Dynamik verloren.

Neben dem Absinken des Stimmungsbarometers kämpfte die WM in der Schweiz auch gegen Frühsommer-Temperaturen sowie die Fern-Konkurrenz der gleichzeitig stattfindenden Playoffs in der NHL.

Gilli räumt ein, dass man auch über die WM-Austragung im Jahresrhythmus sehr wohl diskutieren könne. Der 56 Partien umfassende Grossanlass würde exklusiver, fände die WM nur alle zwei Jahre statt. "Aber Weltmeisterschaften sind für den Internationalen Eishockey-Verband eine wichtige Einnahmequelle."

Damit finanziert die IIHF gemäss Satzung Programme zur Entwicklung des Eishockeys auch in Ländern, die nicht unbedingt zu traditionellen Wintersportnationen zählen.

Verbandssprecher Szymon Szemberg erwähnt die Meisterschaft der Division 3, die jüngst in Neuseeland stattfand. "Wer nahm davon Notiz, dass Mannschaften aus Irland, Armenien und der Mongolei teilgenommen haben?", fragt Szemberg rhetorisch.

Das frühe Ausscheiden "ihrer" Heimmannschaft war aber nicht der einzige Ärger für die Organisatoren. Keine Freude hatte Gilli auch an den Händlern, die – wie an jedem Grossanlass – Tickets zu überhöhten Schwarzmarktpreisen anboten.

Stammen die Karten aus dem regulären Verkauf, beisst das die Organisatoren weniger. Wütend wird Gilli aber, wenn Schwarzhändler Tickets verkaufen, welche die Organisatoren gratis Sponsoren überliessen.

Tragende Säule Ticketverkauf

Konfrontiert mit Klagen insbesondere von lettischen Fans über überrissene Eintrittspreise, zeigt der OK-Chef gewisses Verständnis. Er betont aber, dass das WM-Budget zu 90% aus dem Ticketing gedeckt wird.

Gilli verweist zudem auch auf den hohen Frankenkurs sowie den im Preis eingeschlossenen Gratistransport am Spieltag mit öffentlichen Verkehrsmitteln, der für die ganze Schweiz gelte.

Erst in 15 bis 20 Jahren wieder

Mit der Schlusssirene nach dem Final ist an der Weltmeisterschaft für Gian Gilli das Gröbste überstanden. Aufschnaufen und abschalten kann er aber erst, wenn die Schlüssel der Arenen abgegeben sind und die Buchhaltung stimmt.

Danach wird es laut dem OK-Präsidenten wieder 15 bis 20 Jahre dauern, bis die Schweiz erneut Schauplatz von Eishockey-Weltmeisterschaften wird. Dies hauptsächlich wegen der Konkurrenz aufstrebender Eishockey-Länder aus dem Osten.

Gilli wird dann zumal kaum mehr ein zweites Mal WM-Cheforganisator. Verfüge die Schweiz dann neben Bern über eine zweite Gross-Arena, müsse sein Nachfolger aber nicht mehr jeden Budget-Franken umdrehen. WM-Zeiten sind schöne Zeiten. Die Zeiten danach aber auch.

Samuel Jaberg, Renat Künzi, Justin Häne, swissinfo.ch

Wirtschaftliche Auswirkungen

Für Zürich ist die Eishockey-WM der grösste Anlass des Jahres, sagt Frank Bumann von Zürich-Tourismus. Das obwohl die WM rund zehnmal kleiner ist als die letztjährige Fussball-Europameisterschaft.

Unmittelbar vor Ende der WM waren noch keine genauen Angaben über die Zahl der Gäste und Übernachtungen erhältlich.

Laut Bumann werden die ökonomischen Effekte der Eishockey-WM auch nicht in einer Studie untersucht, wie dies bei der Euro 2008 der Fall gewesen war.

Die WM-Organisatoren um Präsident Gian Gilli gingen für die beiden Austragungsstädte Bern und Zürich/Kloten von rund 100'000 Übernachtungen aus.

Zahlen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der WM liefert auch Bern Tourismus keine. Über die zusätzlichen Gäste in der Bundesstadt sei man aber sehr erfreut, hiess es.

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WM: Zahlen und Fakten

Die Organisatoren unter Präsident Gian Gilli erwarten rund 300'000 Fans.

Die PostFinance-Arena in Bern fasst an der WM 11'500 Zuschauer, die Arena Zurich-Kloten 6700.

In den beiden WM-Stadien sind gesamthaft 1100 freiwillige Helfer im Einsatz.

Das Gesamtbudget der Organisatoren beläuft sich auf 31 Mio. Franken.

Für den Grossanlass haben sich rund 800 Journalisten akkreditiert.

Die 56 Spiele werden von 190 TV-Stationen in über 100 Länder übertragen.

800 Millionen Zuschauer verfolgen die WM am Fernsehen.

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