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Einstein: Umfassende Annäherung an ein Genie

Das Treppenhaus, ein unendlich scheinendes Spiegelkabinett mit Einstein-Videos. Keystone

Leben und Werk der Wissenschafts-Ikone Albert Einstein für ein breites Publikum fassbar machen: Das will die weltweit grösste Einstein-Ausstellung in Bern.

Dieser Inhalt wurde am 15. Juni 2005 - 12:00 publiziert

Für seine vor 100 Jahren in der Schweiz entwickelten, bahnbrechenden Theorien erhielt das Genie 1921 den Nobelpreis für Physik.

"Sich regen bringt Segen" – das Motto steht auf einem Tischtuch aus dem Elternhaus in Ulm. Wahrscheinlich hatte es Klein-Einstein gelesen. Jedenfalls wurde aus dem Knirps der erste Weltstar der Wissenschaft.

Die Berner Ausstellung versteht sich als Gesamtschau über Einsteins Leben und Werk und dokumentiert gleichzeitig das geopolitische Umfeld seiner jeweiligen Lebensabschnitte.

Ein Erlebnispark macht die Geschichte der klassischen Physik von der Steinzeit bis zur industriellen Revolution für Kinder spielerisch erfass- und erlebbar. Der Bogen spannt sich von der Erfindung des Rades über die Hebel-und Wasserkraft bis zur Elektrizität und zum ersten Flug mit einem Motorflugzeug im Jahr 1903.

Spektakulär und verständlich

1905 dann, in seinem so genannten "annus mirabilis" (Wunderjahr), hat Einstein in Bern mit seinen bahnbrechenden Arbeiten, unter anderem zur speziellen Relativitätstheorie, die Physik revolutioniert. Einstein war damals ein einfacher Beamter im eidgenössischen Patentamt.

"Die Verständlichkeit war uns ein grosses Anliegen", betont Ausstellungsleiter Peter Jezler. "Die Ausstellung soll ein Drei-Generationen-Programm sein. Man kann sie sich in zwei Stunden anschauen oder sich viel länger damit beschäftigen."

Bereits der Eingang ist spektakulär: Das Treppenhaus ist ein unendlich erscheinendes Spiegel-Kabinett mit riesigen Video-Bildschirmen. In den grosszügig konzipierten Räumen führen unzählige Dokumente, Briefe, Manifeste, Zeitungsartikel, Fotos oder Alltags-Gegenstände wie sein Pult im Patentamt oder eine Zahnbohrmaschine das Leben Einsteins vor.

Einstein und die Schweiz

Der zweifelhafte Umgang Einsteins mit seinen Frauen und Kindern ist ebenso dokumentiert wie seine jüdische Herkunft, sein Verhältnis zur Religion, zur Schweiz, zur restlichen Welt, zum Krieg, zu sozialen und wirtschaftlichen Fragen.

Die Schweiz und besonders die liberal-aufgeklärte Gastfamilie Winteler, bei der der junge Einstein wohnte, haben den politischen Menschen Einstein geprägt. Sein 1925 verlängerter Schweizer Pass und andere Dokumente legen dafür Zeugnis ab.

Ein Höhepunkt im doppelten Sinn des Wortes ist der Ausblick vom Turmzimmer des Museums. Hier oben erblickt der Besucher, die Besucherin die verschiedenen Wohn- und Wirkungsstätten Einsteins in den Jahren 1902 bis 1909 in Bern.

Parallel zeigt die Schau mit 120 Dokumentar-Videos das jeweilige geschichtliche Umfeld vom Ersten Weltkrieg über die Weimarer Republik, den Zweiten Weltkrieg mit Judenverfolgung und Hiroshima bis hin zur Gründung des Staates Israel.

Mit Lichtgeschwindigkeit ins Patentamt

Der zweite Teil der Ausstellung ist dem Werk Einsteins gewidmet. Aufwändige Computer-Animationen erklären Einsteins revolutionäre Theorien zu und deren Auswirkungen auf die Erforschung des Universums.

Auch hier war die Verständlichkeit der komplexen Materie das zentrale Anliegen. "Meine Tochter geht in die fünfte Primarschulklasse. Sie hat begriffen worum es geht", erklärt Peter Jezler.

Eindrucksvoll ist die virtuelle Fahrt auf dem Fahrrad durch die Stadt Bern. Mittels einer über einen Hometrainer gesteuerte Videoprojektion zeigt sie den Arbeitsweg Einsteins ins Patentamt. Die Anlage simuliert bei schnellem Tritt in die Pedale Lichtgeschwindigkeit und die dadurch erzeugten optischen Verzerrungen.

Die Anlage wurde in Zusammenarbeit mit der Universiät Tübingen und der ETH Zürich entwickelt und repräsentiert laut Jezler "die absolute Spitze der aktuellen Visualisierungstechnologie".

Bubenträume erfüllt

Die Berner Ausstellung ist mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern weltweit die grösste Einstein-Ausstellung. Mit einem Budget von 7,2 Mio. Franken ist sie auch eine der aufwändigsten kulturgeschichtlichen Ausstellungen, die je in der Schweiz produziert wurden.

Das Museum erwartet 150'000 Besucherinnen und Besucher. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass ein Viertel der Besucher aus dem Ausland kommen wird, die Hälfte aus der Stadt und dem Kanton Bern und ein Viertel aus der übrigen Schweiz", so Peter Jezler.

Die Vorbereitungsarbeiten bezeichnet er als "überaus komplex". Aber besonders im Park habe er sich "alle meine Bubenträume erfüllen können".

swissinfo, Andreas Keiser, Bern

In Kürze

Die Stadt Bern als Geburts-Stätte der Speziellen Relativitäts-Theorie ehrt den Physiker und Humanisten Albert Einstein (1879-1955) mit einer Ausstellung im Historischen Museum.

Sie ist ab dem 16. Juni offen und dauert knapp ein Jahr.

Mit einem Aufwand von 7,2 Mio. Franken entwickelt, will sie Einsteins Leben und seine wissenschaftlichen Erkenntnisse einem grossen Publikum so nahe wie möglich bringen.

Mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern handelt es sich um die weltweit grösste Einstein-Ausstellung.

Albert Einstein lebte von 1902 bis 1909 in Bern.

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