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Ein Stückchen Jungfrau oder Matterhorn

Ein Stein-Stückchen Matterhorn wird in eine Postkarte einplastifiziert. Keystone

Vom Berg in die Ansichtskarte: Zwei Walliser verkaufen spezielle Postkarten, in denen Steinchen von Touristenbergen einplastifiziert sind.

Dieser Inhalt wurde am 07. September 2005 - 08:56 publiziert

Das Postporto ist dasselbe wie bei üblichen Ansichtskarten. Behinderte produzieren die Karten in einem Therapie-Atelier.

Wer eine normale Ansichtskarte mit einer Berg-Vedute aus den Ferien erhält, wird heute kaum noch in Begeisterungsstürme ausbrechen. Erhält er jedoch eine Karte, in der ein Steinchen oder Fels-Stückchen vom Matterhorn, vom Eiger oder gar der Jungfrau einplastifiziert ist, ist das schon ganz was anderes.

Möglich machen dies zwei Walliser. Diese speziellen Ansichtskarten stammen von Jean-Bernard Quarroz und Pierre-André Zufferey von der Firma "Rock in the Box". Vor mehr als zehn Jahren schon war Quarroz auf die Idee gekommen, Stückchen des Matterhorns, "Rock", in eine kleine "Box" zu stecken und sie an Touristen zu verkaufen.

Geistesblitz dank Ehefrau

Zusammen mit Zufferey stellte er verschiedene Behälter-Prototypen aus Leder, Aluminium und Plastik her. Der Geistesblitz kam jedoch, als Zuffereys Frau aus Italien eine Ansichtskarte schickte, in welche eine Muschel eingefügt war.

Die beiden Freunde konstruierten eine Art Ansichtskarte, in die ein Plastikbehälter mit einem Durchmesser von drei und einer Dicke von einem Zentimeter eingelassen ist und meldeten sie zur Patentierung an. Die Zermatter Kioske nahmen das Produkt an. Und die beiden Erfinder erhielten die Erlaubnis, am Matterhorn Steine zu sammeln.

Nach dem Matterhorn Grindelwald, Chillon und Greyerz

Die Post verlangt für die Zustellung der Karten mit der kleinen Box nicht mehr als für eine normale Ansichtskarte. Mittlerweile hat der Erfolg die Grenzen des Walliser Ferienortes überschritten.

Grindelwald (Eiger-, Mönch- und Jungfrau-Steinchen), das Schloss Chillon (Mauer-Steinchen) und das Städtchen Greyerz (Pflaster-Steinchen) im Kanton Freiburg sind ebenfalls Kunden geworden.

Obwohl die Karten drei- bis viermal so teuer sind wie herkömmliche Ansichtskarten, stellte sich der Verkaufserfolg schnell ein: Mehrere tausend Exemplare waren in diesem Jahr schon verkauft, als die Saison erst gerade begonnen hatte.

Behinderte Menschen: Integration und Therapie

Behinderte sind an der Produktion dieser Karten beteiligt. Von den Verkaufserfolgen sollen vor allem sie profitieren. Quarroz, der als Betreuer bei der Walliser Stiftung für geistig behinderte Personen arbeitet, lässt die Karten in den Ateliers der Stiftung zusammenfügen.

Es sei eine Bereicherung für diese Menschen, bei einem kommerziellen Projekt mitzumachen, erklärt Quarroz. So würden zum Beispiel jene behinderten Personen, die die fertig produzierten Ansichtskarten vom Atelier zum Postschalter bringen, um sie an die Verkäufer zu verschicken, von den sich dadurch ergebenden sozialen Kontakten profitieren. "Man kennt und begrüsst sie. Das ist wichtig für ihre Integration", sagt Quarroz.

Die Behinderten würden in jeder Hinsicht profitieren: Einerseits bringe das Projekt Geld und damit für die beschäftigten Personen eine Entlöhnung, was für sie einen grossen therapeutischen Wert darstelle. Damit werde ihre Arbeit anerkannt, und die Leute sagten: "Ah! Ihr seid das, die das machen."

Die Behinderten setzen die Ansichtskarten aus den Einzelteilen zusammen. Gedruckt werden die Karten zuvor in Siders (Wallis). Die Steinchen werden in einem Walliser Gefängnis in die richtige Grösse gebracht und die Plastikboxen in Deutschland hergestellt.

Behinderten-Beteiligung als Bedingung

An dieser Mitarbeit der Behinderten hält Quarroz fest. So werden die Ansichtskarten für Grindelwald mit einem Stückchen Eiger oder Jungfrau vom Regionalen Behindertenzentrum Interlaken zusammengestellt.

Die anderen Karten werden derzeit noch in Sitten fertig gestellt. Jene mit Pflastersteinstückchen aus Greyerz sollen jedoch an eine ähnliche Institution in der Region weitergegeben werden.

swissinfo und Pierre Berclaz, sda

In Kürze

Zwei Walliser, Jean-Bernard Quarroz und Pierre-André Zufferey, begannen mit der Produktion von Spezial-Ansichtskarten mit Fels-Teilchen vom Matterhorn.

Es folgten einige Berner Oberländer Berge, Schloss Chillon und Greyerz.

Überall wird ein Behinderten-Atelier in den Produktionsablauf miteinbezogen.

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Fakten

Ansichtskarten mit eingefügten Fels-, Mauer- oder Pflaster-Steinchen sind zwar teurer als übliche Karten, lassen sich aber sehr gut verkaufen.
Touristenorte wie Zermatt, Grindelwald oder Greyerz geben sie in Auftrag. In den Kiosken dort werden sie auch verkauft.
Die Post verlangt kein zusätzliches Porto für solche Ansichtskarten.
Die Einplastifizierung der Steinchen erfolgt in Behinderten-Ateliers.
Dadurch werden Behinderte besser integriert. Durch ihre Arbeit gegen Geld erhalten sie Wertschätzung.
Dieses "Geschäftsmodell" kann auf weitere Touristenorte übertragen werden.

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