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Ein Blick in die Welt der Biolandwirtschaft

Biobauer Pius Allemann zeigt Schüler Nico, dass auch Kühe einen Puls haben. swissinfo.ch

Mit dem Lehrparcours "planète bio suisse" soll Jugendlichen die Biolandwirtschaft "schmackhaft" gemacht werden.

Dieser Inhalt wurde am 19. April 2005 - 10:40 publiziert

Anfang Woche fiel in Frick der Startschuss zur zweiten Staffel von "planète bio suisse", die bis Oktober dauert. Die Nachfrage ist gross.

Für jeweils zwei Wochen macht der Tross, bestehend aus fünf umgenutzten Campingwagen, Station auf neun Landwirtschaftsbetrieben mit Bioknospe in der Deutsch- und Westschweiz.

Einen Tag lang können Jugendliche von 14 bis 18 Jahren die spannende Welt der Biolandwirtschaft entdecken.

Interaktivität

Wie Ufos stehen fünf bunt angemalte Campingwagen um den Biobauernhof von Marianne und Pius Allemann etwas ausserhalb von Frick, auf dem Gelände des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL).

An diesem nasskalten Morgen hat sich die Sekundarschulklasse von Lehrer Beny Gössi aus Zug bereits gruppenweise auf den "Bio-Parcours" rund um den Bauernhof begeben. Jede Gruppe des Loreto-Schulhauses hat einen klaren Arbeitsauftrag gefasst, der im "Bionautenlogbuch" festgehalten ist.

Die Arbeitsstationen sind ausgerüstet mit modernen Hilfsmitteln wie PC, Digicam, Mikroskop und Internet. Auf interaktive Weise können die Schüler der Innenwelt der Biolandwirtschaft auf den Zahn fühlen.

Erstmals eine Sau berührt

Nico, Zenel und Aida, alle 15 Jahre alt, müssen zum Beispiel bis zum Abend ihrer Klasse auf möglichst originelle Weise rapportieren, was denn nun das Besondere an einer Bio-Sau ist. Biobauer Allemann hält nämlich 24 Mütterschweine für Zuchtzwecke.

Die drei Jugendlichen werden unter anderem beobachten, wie der Biobauer ganz normal mit den Tieren spricht. "Das sind schliesslich keine Gegenstände, sondern Lebewesen", wird er ihnen berichten.

Die meisten der Schüler und Schülerinnen haben in ihrem Leben noch nie eine Sau berührt. "Die Tiere sind gar nicht dreckig", staunt Aida.

"Vorstellungsgespräch"

Im Campingwagen "Schuften und Scheffeln" bereitet sich eine andere Gruppe auf ein fiktives Vorstellungsgespräch mit Allemann vor. Dazu müssen sie einiges über die Kreisläufe der Biolandwirtschaft in Erfahrung bringen, zum Beispiel über den bäuerlichen Arbeitsjahresplan.

"Bio verlangt mehr Einsatz und mehr Handarbeit", stellt Andy (14) fest. Das "Vorstellungsgespräch" entspricht durchaus der realen Situation der Jungen, stehen sie doch mitten in der Lehrstellensuche.

Eine weitere Aufgabe an dieser Station besteht darin, Tragtaschen mit cleveren Werbesprüchen für Bioprodukte herzustellen. Für Lehrer Beny Gössi ist der Erlebnistag in Frick besonders wertvoll, da er das Klassenthema Ernährung ideal ergänzt.

Junge als künftige Bio-Konsumenten

"Allgemein sind die heutigen Jugendlichen schlecht über Biolandwirtschaft informiert", bedauert Regina Fuhrer, Präsidentin von Bio Suisse, der Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen, und selber Biobäuerin. Bio gelte zum Teil als "uncool". So hat letztes Jahr in der ersten Staffel ein Schüler geäussert, "Bio" gehe ihn nichts an, "ich wohne ja in der Stadt".

Solche Vorurteile will "planète bio suisse" abbauen helfen. Dies geschehe allerdings nicht mit dem Mahnfinger, sondern auf kreative, ansprechende Weise, betont Regina Fuhrer. "planète bio suisse" solle für die Jungen ein bleibendes Erlebnis für Kopf, Augen, Hände und Gaumen sein.

Fernziel sei natürlich auch, die Jungen als angehende, überzeugte Konsumenten von Bioprodukten zu gewinnen, so Fuhrer weiter. Dies sei umso wichtiger, als der Biolandwirtschaft zurzeit ein "rauer Wind" entgegen blase. Im Markt seien die Preise ob der Billigwelle unter Druck geraten, und bei der Ökologisierung der Biolandwirtschaft drohten Abstriche.

Gerade mal acht Prozent des Haushaltgeldes fliessen heute noch in Lebensmittel. Pro Kopf und Jahr werden in der Schweiz 160 Franken für Bioprodukte ausgegeben. Elf Prozent der Bauernhöfe sind Biobetriebe.

Interesse dank Sahlenweidli?

Das Projekt "planète bio suisse" wird vom Naturaplanfonds von Coop Schweiz gesponsert und von sechs didaktisch geschulten Fachpersonen ständig betreut.

Wie erklärt man sich das gute Echo von Schweizer Lehrern auf die 2. Staffel? "Offenbar hat die Fernsehserie von SFDRS mit der Sahlenweidli-Bauernfamilie im Emmental bleibende Eindrücke in den Köpfen hinterlassen", meint augenzwinkernd Muriel Lehmann, Kommunikations-Verantwortliche für "planète bio suisse".

Das Bauernleben vor 100 Jahren hat die Neugier geweckt: Bereits vor Beginn der Tournee 2005 haben sich 85 Schweizer Schulklassen mit über 1800 Schülern für einen Erlebnistag auf einem der neun Standorte angemeldet. "Das ist ein Rekord", freut sich Muriel Lehmann.

Zum Mittagstisch natürlich Bio-Produkte

Überall auf dem Biohof Allemann wird geforscht, gearbeitet und gesät. Bei dem kalten Wetter macht das doppelt hungrig. Daher strömen alle gerne zum Mittagstisch im Tenn, um gemeinsam mit der Gastfamilie zu tafeln – alles mit Produkten vom Biohof selbstverständlich.

Das Menu: Blattsalat mit Radieschen, Rindsgeschnetzeltes mit Äpfeln, und Brunnenkresse, dazu Kartoffelbratschnitze und Gemüse. Gekocht hat die Gruppe "cook together" der Loreto-Schulklasse unter kundiger Leitung eines Profikochs in der mobilen Küche im Tenn. Nicht mit Holz allerdings, wie im Salenweidli, sondern mit Gas.

swissinfo, Stefan Hartmann, Frick

Fakten

"planète bio suisse macht bis 14. Oktober 2005 auf insgesamt neun Biobauernhöfen der Deutsch- und Westschweiz Station.

Bereits sind 85 Klassen mit über 1800 Schülern angemeldet. Das Projekt wird 2006 weitergeführt.

"planète bio suisse" war am 3. Mai 2004 in Basel zum ersten Mal zum Parcours gestartet. Rund 1500 Schülerinnen und Schüler hatten sich daran beteiligt.

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In Kürze

Der Erlebnistag gibt den Schülern Einblick in die Philosophie der Biolandwirtschft.

Anhand eines Parcours lernen sie auf praktische, sinnliche Weise die Arbeits- und Denkweise des Biobauern kennen. Konkret Hand anlegen, sei es beim Säen oder beim Kuhstriegeln, wird dabei gross geschrieben.

Viele der vorwiegend städtischen Schüler streicheln zum ersten Mal eine Sau oder eine Kuh.

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