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ECONOMICS/US: Fed signalisiert Nullzins bis Mitte 2013 (2. AF)

Dieser Inhalt wurde am 09. August 2011 - 21:57 publiziert

WASHINGTON (awp international) - Die amerikanische Notenbank Fed wird ihre Nullzinspolitik voraussichtlich noch mindestens zwei weitere Jahre fortsetzen. Sowohl die zuletzt schwache Konjunktur als auch die moderate Inflationsentwicklung sprächen für "aussergewöhnlich niedrige Zinsen" bis zumindest Mitte 2013, heisst es in der Erklärung der Fed zu ihrem jüngsten Zinsentscheid vom Dienstagabend. Die Nullzinsphase in den USA würde damit auf mindestens viereinhalb Jahre wachsen. Derzeit liegt der Leitzins in einer rekordniedrigen Spanne zwischen null und 0,25 Prozent, also faktisch bei null. Die Fed hatte die sogenannte "Fed Funds Rate" in der Finanzkrise Ende 2008 auf diese Spanne verringert.
Das rekordniedrige Zinsniveau bestätigte die Fed auf ihrer jüngsten Sitzung. Diese Entscheidung scheint im geldpolitischen Ausschuss (FOMC) einhellig getroffen worden zu sein. Auf starken Widerstand stiess jedoch die Konkretisierung der Nullzinsphase. Von den zehn FOMC-Mitgliedern sprachen sich drei Mitglieder gegen eine Änderung der entsprechenden Passage im Statement aus.
Die Fed hatte bislang lediglich von einem "ausgedehnten Zeitraum" gesprochen, in dem sie ihre Nullzinspolitik fortsetzen will. Die FOMC-Mitglieder Richard Fisher, Narayana Kocherlakota und Charles Plosser wollten diese Passage unverändert lassen. Experten hatten bis zuletzt mit einer ersten Zinserhöhung in den USA frühestens Mitte 2012 gerechnet. Ein derart später Zeitpunkt wie nun von der Fed genannt war aber unter Experten nicht zu vernehmen.
Darüber hinaus wurde im FOMC über verschiedene Massnahmen diskutiert, um das unerwartet schwache US-Wachstum zu stützen. Man sei bereit, entsprechende Massnahmen zu ergreifen, sollte dies notwendig werden, heisst es dazu im Statement. Experten nannten zuletzt als mögliche Schritte weitere Anleihenkäufe (Quantitative Easing 3) oder eine Senkung des Einlagensatzes für Banken. Zudem wurde die Möglichkeit genannt, die Laufzeitstruktur von Wertpapieren zu verändern, die bereits im Besitz der Notenbank sind.
Bankvolkswirte äusserten sich einerseits kritisch zum Kurs der Fed, zum anderen sahen sie deutliche Hinweise auf weitere konjunkturstützende Massnahmen. Die Deutsche Bank verweist in einem Kommentar auf die grosse Notenbank-Tagung im amerikanischen Jackson Hole Ende August. Hier biete sich für Fed-Chef Ben Bernanke die Möglichkeit, neue Massnahmen wie zusätzliche Anleihenkäufe zu signalisieren. Im vergangenen Jahr hatte Bernanke seine Rede auf dieser Tagung genutzt, um das zweite Anleihen-Kaufprogramm (QE2) zu signalisieren.
Kritische Töne kamen von der Commerzbank. "Die heutige Entscheidung ist ausserordentlich aggressiv", schreibt USA-Experte Bernd Weidensteiner mit Blick auf Fortsetzung der Nullzinspolitik bis mindestens 2013. Die mit der sehr expansiven Geldpolitik verbundenen Risiken würden notgedrungen akzeptiert. "Akute Wachstumsrisiken haben klare Priorität vor etwaigen langfristigen Inflationsproblemen."
In ihrer Erklärung zeichnet die Fed ein trübes Bild der US-Konjunktur. Das Wachstum in diesem Jahr sei bislang deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Vor allem die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich spürbar eingetrübt. Aber auch die Konsumausgaben und der Arbeitsmarkt hätten enttäuscht. Insgesamt hätten sich die Abwärtsrisiken für die heimische Konjunktur erhöht. Die Inflation habe sich zuletzt etwas abgeflacht, vor allem dank gesunkener Energiepreise. Wesentliche Inflationsrisiken sieht die Notenbank nicht, wenngleich die Inflationsentwicklung genau beobachtet werden soll.
An den Finanzmärkten zeigten sich starke und teils sehr nervöse Reaktionen: Der bis zum Zinsentscheid freundliche US-Aktienmarkt drehte nach der Fed-Mitteilung deutlich ins Minus, nur um wenig später wieder ins Plus zu drehen. Vergleichsweise sichere Anlagen wie amerikanische Staatsanleihen erhielten kräftigen Zulauf. Die Renditen der zwei- und zehnjährigen US-Anleihe sanken auf ein Rekordtief. An den Devisenmärkten profitierten vor allem Währungen, die als "sichere Häfen" gelten, insbesondere der Schweizer Franken und der japanische Yen./bgf/he

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