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ECONOMICS/Ifo-Chef Sinn sieht keine Euro-Systemkrise - Kritik am Rettungsschirm

Dieser Inhalt wurde am 20. Mai 2010 - 10:59 publiziert

MÜNCHEN (awp international) - Das Ifo-Institut sieht trotz der Zuspitzung der Verschuldung in der Eurozone keine Systemkrise des Euro. Gemessen an der Kaufkraft sei die Gemeinschaftswährung trotz eines rasanten Kursverfalls in den vergangenen Handelstagen "immer noch überbewertet", sagte der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, laut einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Er sieht den "fairen Kurs" des Euro bei etwa 1,14 US-Dollar und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund 1,24 Dollar.
"Auch die Inflationsrate gibt keinen Anhaltspunkt für die Gefährdung der Währung", sagte Sinn weiter. Die aktuelle Teuerung in Deutschland liege mit etwa 1,5 Prozent deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate, die in Zeiten der DM-Mark die Geldbeutel der Verbraucher belastet hatte. "Gefährdet war in der Krise nicht der Euro, sondern die Fähigkeit der europäischen Schuldensünder, sich weiterhin so günstig zu finanzieren wie Deutschland", so Sinn.
Nach Einschätzung des Ifo-Chefs beschert die aktuelle Schuldenkrise vor allem den Bankhäusern, insbesondere in Frankreich, massive Probleme. Mit der jüngsten Verschärfung der Schuldenproblematik drohe der Marktwert der Staatsanleihen in den Banken-Portfolios weiter zu fallen. Deshalb hätten insbesondere die Franzosen Deutschland zu einem Rettungsschirm für finanziell angeschlagene Mitgliedstaaten der Eurozone gedrängt, sagte Sinn.
"Wird der Rettungsschirm Gesetz, übernimmt Deutschland de facto die Gewährleistung für die Schulden der anderen Eurostaaten", kritisierte der Ifo-Chef. Die Devisenmärkte hätten bereits erkannt, dass durch den Rettungsschirm das Risiko für den Euro insgesamt eher gestiegen sei. Zuvor habe sich der Verkaufsdruck der Märkte noch eher auf die Wertpapiere der Schuldenländer konzentriert. Vor allem für Deutschland stelle der Rettungsschirm "ein unkalkulierbares Abenteuer" dar und "eine sichere Wachstumsbremse"./jkr/bgf

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