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Digitale Wirtschaft als grosse Herausforderung

Nicht alles im Netz ist so klar geregelt wie der E-Commerce. swissinfo.ch

Informationen im Internet sind das Thema einer Konferenz über digitale Ökonomie in Rom. swissinfo sprach mit dem Rechtsexperten Urs Gasser.

Dieser Inhalt wurde am 30. Januar 2006 - 12:14 publiziert

Rund 350 Delegierte beraten darüber, wie Regierungen auf die rasche Veränderungen von Herstellung, Übermittlung und Gebrauch von Content reagieren sollen.

Das Phänomen ist schwer fassbar, betrifft aber dennoch viele Menschen: Die Rede ist von der Digitalisierung und deren Folgen auf das Leben der Menschen.

Die Herstellung, Verbreitung und Verarbeitung von Informationen via Internet hat eine starke Beschleunigung des Daten- und Informationsflusses gebracht. Schritt halten müssen nicht nur die Internet-Benutzerinnen und –Benutzer am Arbeitsplatz und zu Hause, sondern auch die Regierungen. Denn gerade Politik und Wirtschaft sind stark von der Digitalisierung durchdrungen. Als Beispiele seien E-Government, Statistik, E-Commerce, Börsenhandel, Dezentralisierung und Globalisierung genannt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat deshalb in Rom eine Konferenz einberufen, die am Montag eröffnet wurde. Mitorganisator ist das italienische Technologie-Ministerium. Ziel der Tagung: Auf höchster Ebene ein besseres Verständnis über den raschen Wandel der Internet-Technologie und deren Folgen, namentlich für die Wirtschaft, zu schaffen.

Konkret werden die Teilnehmer an zwei Tagen prüfen, ob und in welcher Form sich digitale Inhalte auf verschiedene Geschäftsmodelle auswirken. Weiter geht es um die Nutzung und Förderung der Breitband-Technologie.

Für die Schweiz in Rom mit dabei ist Urs Gasser von der Forschungsstelle für Informationsrecht an der Universität St. Gallen. Er leitet an der Tagung eine Arbeitsgruppe, in der Experten neue Gewohnheiten der Internet-Nutzer analysieren.

swissinfo: Was kann die Konferenz zur Zukunft der digitalen Ökonomie beitragen?

Urs Gasser: Die Diskussion in der Politik hat sich von der Infrastruktur und Technologie zu den Inhalten verlagert. Anders gesagt: Jetzt, wo die Kanäle da sind, geht es um die Frage, was dort transportiert wird.

Genau hier setzt die OECD ein: Wir machen eine Momentaufnahme des digitalen Inhalts und schauen, welche Veränderungen er hervorgerufen hat. Wir wollen auch wissen, wie Inhalte hergestellt und verbreitet werden, und wie wir darauf zugreifen oder solche Inhalte wieder verwerten.

Wir blicken aber auch in die Zukunft. Die Tagung markiert für mich den Beginn eines langen Diskurses. Darin geht es um Technologie, neue Geschäftsmodelle sowie neue regulatorische und gesetzliche Grundlagen, um auf die Herausforderung der raschen Entwicklung reagieren zu können.

swissinfo: Können Sie etwas sagen über die Arbeitsgruppe, die Sie leiten?

U.G.: Die Nutzergewohnheiten und die gesellschaftlichen Einstellungen, die darin zum Ausdruck kommen, zeigen eine weitere Veränderung an. Nicht so sehr auf der Verteiler-, sondern eher auf der Herstellungs-Ebene. Wir wollen wissen, wie Internet-Nutzer mit Informationen, Wissen und Unterhaltung umgehen.

Wir sehen da einen Übergang zu einer aktiveren Informations-Umgebung, in der die Nutzer nicht mehr nur passive Empfänger sind. Wir sind zunehmend interaktiv und beteiligen uns an der Produktion. Ein Beispiel ist die so genannte Open Source Software, Computer-Programme, an deren Weiterentwicklung sich alle beteiligen können. Oder die digitale Enzyklopädie Wikipedia, an der ebenfalls alle mitarbeiten können. Das ist eine neue Art, wie Wissen oder Unterhaltung hergestellt wird.

swissinfo: Wird es im Bereich Internet-Recht künftig mehr Konflikte geben?

U.G.: Ja, leider. Ich gehe davon aus, dass wir uns demnächst stark mit der kreativen Wiederverwendung von urheberrechtlich geschütztem Material befassen müssen. Hier gibt es einen Graben zwischen Gesetz und verfügbarer Technologie.

Wir haben zwar Gesetze, welche Urheberrechte garantieren. Autoren haben so exklusive Rechte, um die Nutzung ihrer Werke zu kontrollieren. Gleichzeitig gibt es aber Programme, mit denen sich Musikstücke zu eigenen, neuen Songs mischen lassen.

Die Unterhaltungs-Elektronik steckt grosse Summen in Entwicklung und Vermarktung dieser "coolen" Technologie, und die Jungen stürzen sich darauf. Hier ein Gleichgewicht zwischen Technologie und Recht zu schaffen, könnte die nächste Stufe sein.

(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

In Kürze

In Rom findet am 30. und 31. Januar eine Konferenz über digitale Wirtschaft statt.

Im Zentrum stehen die Auswirkungen von digitalen Internet-Inhalten auf die Nutzung und Verteilung der Informationen.

Im Jahre 2004 hatten 63% der Schweizer und Schweizerinnen im Alter von mehr als 15 Jahren das Internet genutzt. (54% davon zu Hause, 40% am Arbeitsplatz und 6% anderswo.)

Internet zu Hause nutzen 2004 in der Deutschschweiz 56% der über 15-Jährigen, in der Romandie waren es 46% und im Tessin 34%.

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