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Die Schweiz will Hooligan-Fichen

Vermummte Grasshopper-Fans in Bellizona zündeln mit Feuerwerk. Keystone

Das Bundesamt für Polizei (fedpol) will den Gewaltakten in Fussball-Stadien mit Massnahmen wie Hooligan-Datenbanken begegnen.

Dieser Inhalt wurde am 27. Oktober 2004 - 11:39 publiziert

Nach Absegnung der entsprechenden Gesetzes-Änderungen durch das Parlament nächstes Jahr soll sich die Sicherheits-Situation bis zum Beginn der Fussball-EM 2008 verbessern.

Gewaltakte in Schweizer Fussballstadien häufen sich. Das Bundesamt für Polizei (fedpol) will dem Problem mit einer Hooligan-Datenbank und einer Reihe weiterer Massnahmen begegnen.

Die Idee einer Hooligan-Datenbank stammt von der früheren Justizministerin Ruth Metzler. Sie hatte den Vorschlag im Rahmen des Bundesgesetzes über Massnahmen gegen Rassismus, Hooliganismus und Gewaltpropaganda gemacht.

Vorschläge zur Gesetzesänderung

Im Mai des vergangenen Jahres wurde die Vernehmlassung über das Bundesgesetz abgeschlossen. fedpol unterbreitet Metzlers Nachfolger Christoph Blocher nun eine Reihe von Ergänzungen, wie fedpol-Sprecher Guido Balmer sagte.

Die Ergänzungen wird Blocher zusammen mit den Ergebnissen der Vernehmlassung dem Gesamtbundesrat unterbreiten. Danach entscheide die Landesregierung über das weitere Vorgehen, sagte Balmer weiter.

Datenaustausch

Zentrales Element in der Bekämpfung gewalttätiger Fans soll die Hooligan-Datenbank sein. Dabei sei ein Austausch auf interkantonaler und internationaler Ebene vorgesehen, so Balmer.

Neben der geplanten Datenbank schlägt das Bundesamt für Polizei eine Reihe weiterer Massnahmen vor. Dazu gehört eine Meldepflicht für gewaltbereite Fans bei der örtlichen Polizei.

Verstossen potenzielle Hooligans gegen die Meldepflicht, soll ein Rayonverbot oder gar ein vorsorglicher Polizeigewahrsam ausgesprochen werden können.

Im Hinblick auf internationale Spiele mit Schweizer Beteiligung ist zudem ein Ausreiseverbot für gewalttätige Fans vorgesehen.

Vorsorgliche Polizeigewahrsam

Eine Hooligan-Datenbank, eine Meldepflicht oder vorsorgliche Polizeigewahrsam sind Reformen, wünscht sich auch Thomas Helbling, seit März dieses Jahres Präsident der Sicherheits- und Fankommission der Swiss Football League (SFL).

Helbling hat dabei sowohl die Fussball EM von 2008 als auch den Schweizer Fussball-Alltag im Auge.

"Heute können wir das Stadionverbot nicht durchsetzen, weil wir nicht über Fotos oder Namen gewalttätiger Zuschauer verfügen", sagt Helbling. Für Leute mit einem schweizweiten Stadionverbot sei es deshalb kein Problem, durch die Kontrollen zu schlüpfen.

Helbling, der sich anfangs Oktober mit der Parlamentariergruppe Sport traf, geht davon aus, dass die Politik das Problem zügig anpackt.

Das revidierte Bundesgesetz solle nächstes Jahr in die Räte kommen, sagt der SFL-Präsident.

Kausalhaftung in anderen Stadien

Helbling will jedoch auch vor der eigenen Türe kehren. Er macht sich deshalb für eine Wiedereinführung der Kausalhaftung im Schweizer Fussball stark.

Diese beim europäischen Fussballverband UEFA gängige Praxis hätte zur Folge, dass die Klubs auch dann zur Verantwortung gezogen würden, wenn Hooligans aus ihrem Umfeld bei anderen Vereinen randalieren.

Heute haften die Klubs nur dann, wenn es im eigenen Stadion zu Ausschreitungen kommt. Was zur Folge hat, dass sich Hooligans bewusst darauf beschränken, an den Auswärtsspielen ihrer Teams Krawalle vom Zaun zu reissen.

Am 12. November entscheidet die Präsidentenkonferenz der SFL über das Traktandum Kausalhaftung. Helbling glaubt, dass er genügend Unterstützung seitens der Vereine hat. "Wenn wir unser Produkt langfristig verkaufen wollen, müssen wir jetzt investieren", sagt er.

"Parallel dazu sollen auf die Rückrunde 2004/2005 hin begleitende Massnahmen in Kraft gesetzt werden. Dazu zählen etwa die Ausbildung von Fan- und Sicherheits-Verantwortlichen, der Aufbau von Fan-Projekten oder die Ausbildung der Stadionsprecher.

In der SFL seien die Sicherheit in den Stadien und der Hooliganismus in den letzten Jahren nicht die wichtigsten Traktanden gewesen, sagt Helbling. Gleichzeitig habe die Gewaltbereitschaft im Umfeld des Schweizer Fussballs in den letzten Jahren zugenommen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Schweizer Regierung hat 2002 eine Expertengruppe mit dem Erstellen eines Berichts und eines Massnahmen-Katalogs beauftragt.

Dies nachdem die gewalttätigen Ausschreitungen bei Fussballspielen zugenommen hatten.

Vorgesehen ist auch, dass die Fussballclubs ihre Verantwortung wieder wahrnehmen, wenn ihre Fans während Spielen in anderen Stadien randalieren(Kausalhaftung).

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