Die prachtvollen Bauten der Schweizer Uhrenhersteller
Das neue Museums-Atelier in Audemars-Piguet im Vallée de Joux wurde von dem dänischen Architekten Bjarke Ingels entworfen, der als Wunderkind der Weltarchitektur gilt. Audemars Piguet/Iwan Baan
Es bedurfte viel Überzeugungsarbeit bei den lokalen Behörden, um dieses Gebäude mit einem runden Dach zu errichten, das nicht den architektonischen Regeln der Region entsprach. Audemars Piguet/Iwaan Baan
Das Innere des Hauptpavillons, das insgesamt 2500 Quadratmeter umfasst, wurde wie eine Schlange gestaltet und ähnelt einer Uhrfeder. Audemars Piguet/Ambroise Tezenas
Das begrünte Dach des Museums verschmilzt mit den Weiden des Vallée de Joux im Hintergrund. Audemars Piguet/Ambroise Tézenas
Das Atelier-Meuseum bei Nacht, mit seinen grossen verglasten Wandöffnungen. Audemars Piguet/Ambroise Tézenas
Die neuen Gebäude von Vacheron Constantin in Plan-les-Ouates, einem Vorort von Genf, wurden vom Schweizer Architekten Bernard Tschumi entworfen. Vacheron Constantin
Die 2011 von Bernard Tschumi entworfene Erweiterung des Hauptgebäudes hat die Form einer um einen zentralen Lichtverteilungspunkt geschlungenen Gabel. Vacheron Constantin
Das Bedürfnis nach Licht steht im Mittelpunkt des Konzepts. Vacheron Constantin
Das Hauptgebäude besteht aus einer Metallhülle aus einer Stahlmembran an der Aussenseite und einer Holzverkleidung an der Innenseite. Vacheron Constantin
Bei der Errichtung des Erweiterungsbaus in Plan-les-Ouates installierte Vacheron Constantin ein Solarkraftwerk, dessen Produktion weiterverkauft wird. Vacheron Constantin
Der neue Hauptsitz von Swatch wurde auf einem stillgelegten Industriegelände im Herzen der Stadt Biel errichtet. Swatch
Das helle Hauptgebäude mit einer geschwungenen Silhouette, die an eine Schlange erinnert, ist 240 Meter lang und 35 Meter breit. Swatch
Das Gebäude wurde im Herbst 2019 eingeweiht und von dem berühmten japanischen Architekten Shigeru Ban entworfen, der 2014 mit dem Pritzker-Preis, einer Art Nobelpreis für Architektur, ausgezeichnet wurde. Swatch
Fünf Jahre Arbeit und ein Budget von fast 125 Millionen Franken waren nötig, um dieses spektakuläre Gebäude zu errichten, das über eines der grössten Holzgerippe der Welt verfügt. Swatch/Johannes Marburg
Für den Bau der Swatch-"Schlange" wurden fast 1997 m3 Schweizer Fichte benötigt. Swatch/Johannes Marburg
Rolex hat mehr als eine Milliarde Franken in seine Industrie- und Verwaltungskomplexe in Genf investiert. Rolex.com
Die vom Architekturbüro brodbeck roulet entworfenen Gebäude wurden mit grüner Verglasung verkleidet, der emblematischen Farbe der Marke. Rolex.com
Die Fabrik von Greubel-Forsey in den Neuenburger Bergen verbindet das ganz Neue mit der lokalen Geschichte. greubelforsey.com
Das neue Gebäude, das Atelier, wurde vom Architekten Pierre Studer entworfen. greubelforsey.com
Es ist verbunden mit einem herrlichen denkmalgeschützten Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert, der von Gilles Tissot restauriert wurde. greubelforsey.com
Holz, Metall, Beton und Glas bilden die Produktionswerkstätten der prestigeträchtigen Marke. greubelforsey.com
Greubel Forsey ist den Liebhabern feiner Uhrmachermechanik bestens bekannt. Seine Modelle werden für mehrere hunderttausend Franken verkauft. greubelforsey.com
Mit dem Boom der Schweizer Uhrenindustrie Anfang der 2010er-Jahre haben viele Marken aus Imagegründen in brandneue Fabriken oder Museen investiert. Die von bekannten Architekten entworfenen Gebäude feiern eine Industrie, die eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte durchmacht.
Dieser Inhalt wurde am 23. Juli 2020 publiziert Minuten
Journalist und stellvertretender Leiter der Redaktion für die drei Landessprachen von swissinfo.ch (Deutsch, Französisch, Italienisch). Zuvor bei Teletext und rts.ch.
Thomas Kern wurde 1965 in der Schweiz geboren. Er wurde in Zürich zum Fotografen ausgebildet und begann 1989 als Fotojournalist zu arbeiten. 1990 Mitbegründer der Schweizer Fotografenagentur Lookat Photos. Thomas Kern hat zweimal einen World Press Award gewonnen und wurde in der Schweiz mit mehreren nationalen Stipendien ausgezeichnet. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und sind in verschiedenen Sammlungen vertreten.
Sind das spektakuläre Bauten, die Teil des architektonischen Erbes der Schweiz werden, oder handelt es sich um einen vermessenen Grössenwahn? Indem viele Uhrenmarken in den letzten Jahren die berühmtesten Architekten der Welt engagierten, machten sie Schluss mit der Zurückhaltung und dem Konservatismus, die bisher den Schweizer Uhrenmikrokosmos gekennzeichnet haben.
Zwischen Genf und Biel, durch das Vallée de Joux, entstehen architektonische Projekte, die mit Hunderten von Millionen Franken von Uhrenmarken finanziert wurden. Für die regionalen Touristenbüros ist das ein Geschenk des Himmels, sie werben in ihren Broschüren zunehmend für Fabrikbesuche.
Für viele Marken der Spitzenklasse besteht das Ziel darin, die Kunden in die Fabriken zu bringen und ihnen eine spektakuläre Welt zu zeigen, die das handwerkliche Können und die Geschichte der Marke preisen. Ins Zentrum gestellt werden die delikatesten uhrmacherischen Operationen, wie Satinieren, kreisförmige Körnung oder die Montage von Uhrwerken. Die automatisierten Produktionslinien werden vor den Besuchern jedoch gut verborgen, um die sorgfältig inszenierte Magie der Uhrmacherei nicht zu zerstören.
Mit solchen Bauten, die das architektonische Erbe einer Stadt oder Region nachhaltig prägen, versuchen die Uhrenhäuser ihre Existenz zu verewigen und ihre Zeitlosigkeit zu begründen. Zentrale Werte für die "Swiss Made"-Luxusuhrmacherei, die von der Coronavirus-Krise hart getroffen wurde. Und das zu einer Zeit, in der niemand mehr eine Uhr braucht, um die Zeit anzuzeigen.
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