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Die jüngsten Kulturblüten von Gottlieb Duttweiler

Das Nederlands Dans Theater am Tanzfestival Steps, das aus dem Kulturprozent finanziert wird. Keystone

Für die Kulturförderung spielt neben dem Staat auch die Unterstützung durch private Sponsoren eine grosse Rolle. Dazu gehört das Migros-"Kulturprozent", dessen 50-Jahre-Jubiläum heuer gefeiert wird.

Dieser Inhalt wurde am 19. April 2007 - 08:55 publiziert

Mit einem bestimmten Prozentsatz des jährlichen Umsatzes unterstützt Migros Projekte in der Kultur, Bildung, Gesellschaft, Freizeit und Wirtschaft.

Als noch kein Mensch von Kultur-Sponsoring sprach, realisierte Migros-Begründer Gottlieb Duttweiler vor 50 Jahren das "Kulturprozent". Damit sollte einer breiten Bevölkerung der Zugang zu kulturellen und sozialen Leistungen erleichtert werden.

Ein Pionier war Duttweiler bereits 1925 bei der Gründung der Migros als Verkaufsorganisation ohne Zwischenhandel. Daher kommt der Name: Mi-Gros heisst auf Französisch Halb-Grossist. So konnten die Preise der Konkurrenz um bis zu 40% unterboten werden.

In Verkaufswagen brachte Migros einst Kaffee, Reis, Zucker, Teigwaren, Kokosfett und Seife in die Dörfer. Später wurde das Sortiment erweitert, und heute gibt es 590 Filialen, darunter 5 im Ausland.

Filmförderung und Klubschule

Der Idee der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet, machten Gottlieb Duttweiler und seine Frau Adele ihre Kunden 1941 zu Genossenschaftern und Eigentümern der Migros. Bereits damals wuchs die Idee, einen festen Anteil des Umsatzes für kulturelle und soziale Zwecke einzusetzen.

Mit der Förderung des Schweizer Films begann die Migros 1943. Ein Jahr später wurden die ersten Sprachschulen eröffnet und 1948 die Migros Klubschule gegründet. In die Bildung fliesst denn auch ein Löwenanteil des "Kulturprozents", nämlich mehr als die Hälfte.

"Rund ein Viertel des Betrages wird jährlich für kulturelle Aktivitäten und Projekte ausgegeben, 10 Prozent für Freizeit und der Rest für Soziales und Wirtschaft", sagt die Leiterin Projekte und Controlling beim "Kulturprozent", Josephine Siegrist, gegenüber swissinfo. 2006 seien dies 116 Mio. Franken gewesen.

Ergänzung zur staatlichen Kulturförderung

Mit dem "Kulturprozent" werden sowohl eigene Projekte realisiert, wie etwa das Tanzfestival Steps, als auch Netzwerke mit starken Partnern, beispielsweise der Pro Helvetia, gebildet. Drittens werden durch Finanzierungsbeiträge Projekte in den Sparten Film, Literatur, Musik und Neue Medien gefördert.

Damit spielt das "Kulturprozent" eine zunehmend wichtigere Rolle neben der staatlichen Kulturförderung. Die beiden ergänzten sich, sagt Siegrist: "Während der Staat die Aufgabe hat, Strukturen zu bilden, können wir Nischen fördern."

"Wir müssen nicht immer ausgewogen sein, sondern können auch Innovationen fördern, die nicht sofort eine Wirkung haben müssen", ergänzt Siegrist.

Jubiläumswettbewerb für Jugendliche

Ein wichtiger Punkt sei ferner, jungen Leuten eine Plattform zu bieten, in die Welt der Kultur einzusteigen.

Dies geschehe einmal durch die Kulturbüros, die in verschiedenen Schweizer Städten für Projekte Ausrüstung, Netzwerke, Strukturen und Knowhow zur Verfügung stellten. Explizit an junge Erwachsene richtet sich auch der Jubiläumswettbewerb MyCulture.

Unter dem Motto "MyCulture.ch sucht dich und deine Kreativität" wurden im vergangenen Oktober 14- bis 20-Jährige aufgerufen, in den Kategorien Dance, Sound, Words, Art&Design, Movie&New Media Projekte zu entwickeln.

Eine Jury wählte anschliessend die Gewinner aus, die in den Frühlingsferien 2007 ins MyCulture-Camp reisen. Dort sollen die Projekte mit Unterstützung von Profis aus verschiedenen Kultursparten perfektioniert und für die Präsentationen und Aufführungen im ganzen Land vorbereitet werden.

Von Aarau über Chur und Genf bis Zürich erhalten die talentiertesten unter den jungen Kunstschaffenden in den Sommermonaten Plattformen für ihre Produktionen. Und dies sind nur die jüngsten Blüten der Jahrzehnte wirkenden Unternehmensphilosophie von Gottlieb Duttweiler.

swissinfo, Susanne Schanda

Fakten

Zahlen 2006:
Umsatz Migros-Gruppe: 20,6 Mrd. Franken
Umsatz der Genossenschaften: 14,6 Mrd. Franken
Kulturprozent: 115,7 Mio. Franken
Aufteilung in Bildung (55%), Kultur (24%), Freizeit und Sport (10%), Soziales (4%), Wirtschaftspolitik (2%), Verwaltungskosten (5%).

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In Kürze

Das Migros-Kulturprozent wird vom Migros-Genossenschaftsbund (MGB) und den einzelnen Genossenschaften getragen:

Aus den Genossenschaften fliesst ein halbes Prozent von deren Umsatz in das Kulturprozent.

Der Beitrag des MGB beträgt jährlich mindestens ein Drittel Prozent des Detailhandelsumsatzes aller Genossenschaften.

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MIGROS-GESCHICHTE

1925 gründet Gottlieb Duttweiler die Migros AG als Verkaufsorganisation ohne Zwischenhandel.1941 wird sie in eine Genossenschaft umgewandelt.

1943 beginnt die Migros mit der Förderung des Schweizer Films.

1944 werden die ersten Sprachschulen eröffnet und 1948 die Klubschule Migros gegründet.

1957 verpflichtet sich die Migros-Gemeinschaft zur Entrichtung eines Kulturprozentes.

Gründung des Gottlieb-Duttweiler-Instituts 1963.

1988 erstes Tanzfestival Steps.

1996 Museum für Gegenwartskunst in Zürich.

1998 Schaffung der Kulturbüros.

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