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Die Flut zieht sich zurück, die Probleme bleiben

Eine Einheimische betrachtet fassungslos die Zerstörung, die ein Murgang in Brienz angerichtet hat. Keystone

In der Schweiz ist das Hochwasser weiter gesunken. Am Samstag kehrten erste Evakuierte in ihre Häuser zurück und diverse Strassen wurden wieder geöffnet.

Dieser Inhalt wurde am 27. August 2005 - 16:59 publiziert

Einige Regionen in den Alpen sind jedoch immer noch von der Aussenwelt abgeschnitten. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren.

Im Kanton Uri wurde am Samstagmorgen die Autobahn A2 am Gotthard zwischen Flüelen und Erstfeld für den Personenverkehr und Versorgungsfahrten wieder geöffnet. Für den Transit-Schwerverkehr dagegen blieb die Strecke bis auf weiteres gesperrt.

Immer noch viele Sperren

Auch zahlreiche andere Verkehrswege blieben am Samstag nach wie vor gesperrt oder waren nicht passierbar wie beispielsweise im Entlebuch. Wegen des Hochwassers und der Erdrutsche verkehrten auch am Samstag nicht alle SBB-Züge
fahrplanmässig.

Bereits am Freitag um 17 Uhr war die Axenstrasse zwischen Brunnen, Kanton Schwyz, und Sisikon, Kanton Uri, für das Wochenende bis Montagmorgen 8 Uhr geöffnet worden.

Seit Samstagmorgen ist auch das Melchtal im Kanton Obwalden durch einen Shuttlebus wieder erreichbar. Nach Engelberg, das immer noch von der Aussenwelt abgeschnitten ist, gibt es am Wochenende eine Luftbrücke durch Helikopter der Armee. Daneben wird intensiv an der Erstellung von Notstrassen nach Engelberg und ins Melchtal gearbeitet.

Evakuierte kehren zurück

Im Stadtberner Mattequartier wurden am Samstag die letzen Häuser auf ihre Stabilität überprüft, worauf die letzen Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren konnten. Viele von ihnen dürften allerdings vorerst weiter auswärts wohnen, denn die meisten Häuser sind noch ohne Strom und Gas. Auch das Abwassersystem funktioniert noch nicht.

In Brienz wurden am Samstagabend die Räumungsarbeiten bis am Montag unterbrochen. Die Rettungskräfte hätten einen Ruhetag dringend nötig, teilten die zuständigen Behörden mit. In den Berner Oberländer Schadensregionen Reichenbach und Brienz waren am Freitag fast 1000 Evakuationen aufgehoben worden. Auch in Oey im Diemtigtal begann die Rückkehr der Bewohner.

Rund 60 bis 80 Menschen müssen in Brienz jedoch noch mindestens bis zum Sonntag in der Zivilschutzanlage übernachten. Aus Angst vor Plünderungen wird das Schadensgebiet rund um die Uhr vom Militär bewacht.

Auch noch nicht heimkehren können 70 Personen in der Urner Gemeinde Schattdorf. Zwischen 30 und 40 Häuser bleiben trotz Rückgang des Hochwassers evakuiert.

Im Kanton Luzern beruhigte sich die Lage trotz Niederschlägen in der Nacht auf Samstag weiter. Es befanden sich zunächst noch 27 Personen in Notunterkünften.

Versorgungsprobleme

An einigen Orten bleiben die Bewohner auch weiterhin ohne Strom und Trinkwasser - so in einigen Gebieten des Urner Reusstals und in Sarnen, wo weite Teile der Ortschaft immer noch unter Wasser stehen. Entwarnung gab es in Giswil sowie in den Kantonen Obwalden und Luzern, wo das Trinkwasser wieder bedenkenlos konsumiert werden kann.

Nach der weiteren Entspannung auch in den Kantonen Graubünden, St. Gallen und Zürich laufen die Aufräumungsarbeiten in allen Hochwassergebieten mit Hunderten von Helfern auf Hochtouren.

Lästige Schaulustige

Der Katastrophen-Tourismus stellte die Einsatzkräfte erneut vor Probleme. Der Bundesrat bat Helikopterunternehmen, aus Rücksicht auf die Bevölkerung kommerzielle Flüge über den Schadensgebieten einzustellen.

Über Brienz erliess das Bundesamt für Zivilluftfahrt ein Flugverbot. Luzern befürchtet wegen des angekündigten schönen Wetters am Wochenende einen Ansturm von Gaffern.

Immense Schäden

Die kantonalen Gebäudeversicherungen schätzten den Hochwasser-Schaden auf über 1 Mrd. Franken. Dies seien reine Sachschäden, ohne die Folgeschäden, hiess es. Die Privatversicherer ihrerseits gehen von Schäden in dreistelliger Millionenhöhe aus.

Dazu kommen mindestens 10 Mio. Franken Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen. Welche Einbussen die Tourismusregionen erlitten haben, liess sich am Samstag nicht genau beziffern.

Spenden fliessen

Die Benefiz-Ausstrahlung der Sendung "Quer" von Schweizer Fernsehen DRS zu Gunsten der Hochwasser-Geschädigten hat am Freitagabend rund 1,2 Mio. Franken eingebracht. 4000 Menschen riefen bis Mitternacht die Spendezentrale an.

Auch Bundespräsident Samuel Schmid überreichte in der Sendung einen Scheck über 25'000 Franken. Das Geld sei durch den Verzicht auf den Ausflug der Botschafterkonferenz ins Seeland eingespart worden, sagte er. Hinzu seien spontane Spenden der Diplomaten gekommen. Die US-Botschaft spendete zusätzlich rund 65'000 Franken.

Diese zugesagten Gelder gehen an die Glückskette - das humanitäre Sammelsystem der Schweizer Medien. Sie hat damit mittlerweile gegen 2,6 Mio. Franken für die Hochwassergeschädigten gesammelt. Am kommenden Mittwoch will die Glückskette einen nationalen Sammeltag organisieren.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit den Opfern des Unwettern steigt. So sammelte die Schweizerische Glückskette bis am Samstagmorgen rund 2 Mio. Franken für die Unwetteropfer.

Die Glückskette führt am 31. August einen nationalen Sammeltag für die Hochwasser-Opfer durch. Von sechs Uhr morgens bis Mitternacht können telefonisch Spenden angemeldet werden.

Das Sammelkonto der Glückskette trägt die Nummer 10-15000-6, Vermerk: "Unwetter Schweiz".

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