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Die ETH in einem ständigen Reformprozess

Olaf Kübler - noch bis Ende Jahr Präsident der ETH Zürich. Keystone Archive

Olaf Kübler, der Präsident der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, gibt sein Amt Ende Jahr ab.

Dieser Inhalt wurde am 28. Juni 2005 - 17:06 publiziert

Im swissinfo-Gespräch hält Kübler fest, es bleibe noch viel Arbeit, um die prestigeträchtigste Schweizer Hochschule zu dynamisieren.

Während der achtjährigen Präsidentschaft von Olaf Kübler sahen sich die Hochschulen mit stagnierenden Finanzen und höheren Ansprüchen an Studenten und Fakultäten konfrontiert.

Die Verflechtungen zwischen Forschung und Wissenschaft wurden enger, und die Professoren waren aufgefordert, vom Elfenbeinturm herunterzusteigen.

swissinfo: Sie sind nun acht Jahre an der Spitze der ETH. Sind sie zufrieden?

Olaf Kübler: Ich realisierte letztes Jahr, wie gern ich meinen Job ausübe, als ich mich entscheiden musste, nach zwei Perioden zurückzutreten. Ich denke, dass das einer der besten Jobs in der Schweiz ist. Man lernt extrem tüchtige, interessante Leute und deren Interessen kennen. Das betrachte ich als grosses Privileg.

swissinfo: War es Ihr Ziel, eher Leute aus dem Ausland oder lokale Talente anzustellen?

O.K.: Wir haben beides gemacht. In der Schweiz leben nur sieben Millionen Menschen, und unser Institut ist grösser als das MIT (Massachusetts Institute of Technology). Da ist es ganz klar, dass wir auch Leute aus dem Ausland anstellen müssen.

swissinfo: Sie wollen die besten Studentinnen und Studenten anziehen. Ist das schwierig, wenn die Wissenschaften für viele junge Leute nicht a priori attraktiv sind?

O.K.: In den vergangenen 12 Jahren blieben die Einschreibungen mit 1200 neuen Studierenden pro Jahr stabil.

Was von Jahr zu Jahr ändert, ist die Verteilung der Studenten auf die Fachgebiete. In der Informatik hatten wir einmal 350 neue Studentinnen und Studenten jährlich. Als die Internet-Blase platzte, ging die Zahl auf 140 zurück.

Die Gesamtzahl der Einschreibungen nahm aber nicht ab. Viele wechselten einfach von Informatik auf andere Studien-Bereiche und sind beispielweise Elektroingenieur geworden. Das Muster wiederholt sich immer wieder.

swissinfo: Im Parlament haben Anträge für höhere Forschungskredite kaum eine Chance. Ist die Tatsache, dass die Politiker sogar die Budgets einiger Universitäten gekürzt haben ein Problem für Sie?

O.K.: Für uns ist das im Moment ein eher kleines Problem. Hier in Zürich beschlossen wir, uns nicht zu beklagen. Wir versuchen stattdessen, externe Geldquellen zu erschliessen. Deshalb haben wir eine Stiftung für ein Fundraising nach amerikanischem Vorbild gegründet.

Das wissenschaftliche Programm unserer Konkurrenten zeigt, dass wir mit den besten Universitäten der Welt nur mithalten können, wenn wir Fundraising betreiben.

Unsere Finanzierung ist im Moment zu über 90% von einer gesunden Wirtschaft abhängig. Weil sich für die nächsten zehn Jahre kein grosses Wirtschaftswachstum abzeichnet, können wir meiner Ansicht nach nur mit Fundraising wettbewerbsfähig bleiben.

swissinfo: Demnächst verlassen Sie das Institut. Was bräuchte es ihrer Ansicht nach am Dringendsten?

O.K.: Ich glaube, dass wir die Beratung neuer Studierender verbessern könnten. An Stelle eines strengen Selektions-Prozesses würde ich für unsere Bewerberinnen und Bewerber ein Einschätzungs-Verfahren einführen. Meiner Ansicht nach sollte das schweizerische System beibehalten werden, wonach alle Leute in der Schweiz mit einem höheren Schulabschluss eine Universität besuchen dürfen.

Ich glaube aber, dass ein Einschätzungsverfahren den Studierenden auch ein klareres Bild ihrer Fähigkeiten vermitteln würde. Damit könnten sie ihre eigenen Bedürfnisse besser mit denen des Instituts abgleichen. Es sollte Studierenden zugleich abschätzen helfen, ob sie unseren Anforderungen gerecht werden könnten.

Auf diese Weise könnte sich das Leben von Studienanfängerinnen und –anfängern dramatisch verändern. Heute sind die ersten Jahre für viele ein harter Kampf. Wenn sie wüssten, was auf sie zukommt, wären sie selbständiger und die Lehre wäre anders. Ich glaube, es könnte das ganze System verändern.

swissinfo-interview: Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser und Nicole Aeby)

Fakten

Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich wurde 1855 gegründet.
An der ETH sind über 12'000 Studierende immatrikuliert.
Die ETH beschäftigt rund 8000 Personen.
Das Budget der Hochschule belief sich 2004 auf insgesamt 990 Mio. Franken.
Die Bauinvestitionen betrugen 129 Mio. Franken.
Die Gelder von Dritten belaufen sich auf 160 Mio. Franken.
Seit 1998 stammen weniger als die Hälfte der Professoren aus der Schweiz, 42% sind aus Deutschland und den USA.

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In Kürze

Olaf Kübler studierte in Karlsruhe theoretische Physik, erhielt an der ETH Zürich sein Diplom und promovierte an der Universität Heidelberg.

Von 1972 – 78 war er am Institut für Zellbiologie der ETH Zürich tätig. Er war verantwortlich für die digitale Verarbeitung von hochauflösenden elektronenmikroskopischen Aufnahmen.

1979 – 1996 war er Professor für Bildwissenschaften an der Abteilung für Elektrotechnik der ETH

1997 – wurde Olaf Kübler zum Präsidenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ernannt.

Am 1. Dezember 2005 tritt Ernst Hafen seine Nachfolge als ETH-Präsident an.

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