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Die Bühne ist seine Welt, der Appenzeller sein Käse

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Der bayrische Jungschauspieler Sebastian Edtbauer gehört seit letztem Sommer zum Ensemble des Berner Stadttheaters. Die Schweiz kennt er mangels Freizeit noch kaum, sein Herz gehört dem Theater.

Dieser Inhalt wurde am 16. Mai 2008 - 07:55 publiziert

Es geht lustig zu und her bei den Proben im Dachstock des Berner Stadttheaters zum acht-stündigen Theatermarathon "Der Fremde ist nur in der Fremde fremd".

Geprobt wird die Posse "Für Fremdsprachige" von Raphael Urweider und Michaela Leslie-Rule. Sebastian Edtbauer spielt den Günther aus Tirol. Hier kann der Jungschauspieler aus Bayern zeigen, wie gut er Dialekte nachahmen kann.

Schweizerdeutsch ist für ihn, der seit August 2007 dem Ensemble des Berner Stadttheaters angehört, kein Problem: "Mittlerweile verstehe ich 90%." Und auch reden kann er Berndeutsch und gibt gleich eine Kostprobe. Aber in der Öffentlichkeit reden? "Nein, das ist peinlich und anmassend."

In Läden und Kneipen spricht der 27-Jährige bayrisch, weil das besser ankommt als Hochdeutsch. "Damit setze ich ein Signal, die sprachliche Barriere ist weg. Die Leute antworten dann meist auf Dialekt."

Nationalität unwichtig

Dem 13-köpfigen Theaterensemble gehören nebst Edtbauer sechs weitere deutsche Schauspieler an. "Im Vergleich zu anderen Bühnen hat es auffällig viele Schweizer hier. Im ganzen deutschsprachigen Raum sind die Ensembles an den Theatern sehr durchmischt. Es spielt keine Rolle, ob man aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt."

Dass im künstlerischen Bereich verschiedene Mentalitäten zusammenkommen, sei einerseits wichtig, "andererseits sprechen wir alle dieselbe Bühnensprache." In Theaterkreisen, wo er sich hauptsächlich bewege, sei die ganze Polemik um die Deutschen in der Schweiz kein Thema.

Nach Bern kam Edtbauer dank der früheren Zusammenarbeit mit dem Luzerner Erich Sidler, dem neuen Schauspiel-Direktor in Bern. Bereits während seiner Schauspielausbildung in München und später am Landtheater im oberösterreichischen Linz hat er mit ihm zusammengearbeitet.

"Als ich hörte, dass er in Bern Direktor wird, habe ich ihn angerufen und es klappte sogleich." Edtbauer gefällt es in Bern so gut, dass er den Vertrag bereits für die nächste Spielzeit verlängert hat.

"Bern begeht einen totalen Neuanfang. Vom Spielplan bin ich sehr überrascht, er ist nicht mit Liederabenden oder Boulevard-Komödien aufgepumpt und nicht auf Sicherheit bedacht, sondern geht Risiken ein. Eine tolle Vielfalt."

Der Schweizer Käse

Seit Sommer vergangenen Jahres erlebte der Deutsche in Bern bereits die siebte Premiere und hatte kaum Freizeit. "Vielleicht zehn freie Sonntage." Dank einer jungen WG-Mitbewohnerin aus dem Berner Oberland, "die mich anfänglich an die Hand genommen und Leuten vorgestellt hat, habe ich die Sprache gelernt. Viel rumgekommen bin ich aber noch nicht".

Auch für Hobbys hat er keine Zeit, ausser zum Lesen, das er oft und gerne tut. Für Sport sei er zu faul und habe es mit seinem "sehr körperlichen Beruf" auch nicht nötig. Obwohl er in den wenigen Monaten in Bern schon mehrere Kilos zugelegt hat: "Die Vielfalt an Käsesorten in der Schweiz ist enorm. Ich könnte den ganzen Tag nur Käse essen. Vor allem der Appenzeller hat es mir angetan."

Vor der Zeit in Bern spielte Sebastian Edtbauer in der erfolgreichen deutschen Telenovela "Wege zum Glück" den Erik Landmann, einen jungen Mann, der immer mit dem Kopf durch die Wand ging. Dabei hat er auch gelernt, mit der Kamera umzugehen. Die Arbeit hat ihm Spass gemacht, auch wenn er das Gemeinschaftsgefühl und die Gestaltungsfreiheit vermisste, die man auf der Bühne habe.

"Bei der Telenovela hat man mit dem Endprodukt nichts mehr zu tun. Es gibt keine Vorstellung, auf die man hinarbeitet. Die Herausforderung war, in kurzer Zeit meine Rolle möglichst gut darzustellen."

Hoher Erkennungsgrad

Die Serie "Wege zum Glück" ist auch in der Schweiz ein Renner. So wurde Edtbauer zu Beginn seiner Bern-Zeit häufig auf der Strasse erkannt und angesprochen. Einerseits ein Genuss, aber auch irritierend: "Es gibt Leute, die verwechseln die Wirklichkeit mit der TV-Welt. Das merkt man auch an Fanbriefen. Stirbt jemand in einer Serie, wird gefragt, ob man die Wohnung haben könne."

Auch wenn das Jahr bei "Wege zum Glück" in Potsdam lehrreich war, ist Edtbauers Welt doch die Bühne. "Meine Vorbilder kommen alle vom Theater. Ich möchte einmal so gefragt sein, dass ich in Form von Stückverträgen in verschiedene Häuser geholt werde."

Dass der Weg noch weit ist, weiss der junge Schauspieler. Aber er hat noch Zeit, auch wenn er weiss, dass die Konkurrenz gross ist.

Wie wohl die meisten Schauspieler hat Sebastian Edtbauer ständig Angst, nicht mehr gefragt zu sein. "Diese Furcht ist künstlerischer Natur und hat nichts damit zu tun, dass es immer mehr Schauspieler und Schauspielschulen gibt."

Lampenfieber als Ansporn

Edtbauer lernt seine Texte immer in der Badewanne. "Während dem Spielen ist der Text dann im Körper und kommt an der richtigen Stelle raus." In den letzten Jahren hat er auch gelernt, mit Lampenfieber umzugehen, das er anfänglich sehr häufig hatte. "Das kriegt man mit der Zeit in den Griff und ist nichts Schlimmes. Lampenfieber kann man als Ansporn nutzen."

Und einmal, vielleicht in zehn Jahren, möchte er, wie viele seiner Kollegen, den Hamlet spielen. Oder Platanov von Tschechow. "Auch ein Herzstück von mir."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Sebastian Edtbauer

1981: geboren in Chiemgau, Bayern, Deutschland

2001: Abitur am Gymnasium Trostberg

2001-2005: Ausbildung an der staatlichen Schauspielschule Otto-Falckenberg, München

Spielte in verschiedenen Kurzfilmen und Hörspielen

2004-2006: Ensemblemitglied des Landestheaters Linz, Österreich

2006: Rolle in deutsch-brasilianischem Austauschprojekt (Othello) in Rio de Janeiro, Brasilien

2006-2007: spielte den Erik Landmann in der deutschen Telenovela "Wege zum Glück"

Seit August 2007: Mitglied des Ensembles am Stadttheater Bern.

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Ausländerstatistik 2007

Von den gut 7,5 Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern in der Schweiz sind 1,57 Mio. Ausländer. Das sind 20,7% der Bevölkerung.

Mehr als 200'000 oder 12,9% aller Ausländer stammen aus Deutschland.

Deutschland steht damit nach Italien (18,43%) an 2. Stelle, gefolgt von Serbien (11,6%) und Portugal (11,6%).

Rund 40'000 deutsche Staatsangehörige kamen 2007 in die Schweiz, etwa 10'000 haben sie verlassen.

2007 haben 1361 Deutsche das Schweizer Bürgerrecht erworben. 2006 waren es 1134.

Seit August 2007 können die Deutschen Doppelbürger bleiben. Seither haben die Gesuche um die Schweizer Staatsbürgerschaft markant zugenommen.

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