Navigation

Deutschland im Final der Fussball-EM

Fussball ist, wenn am Schluss die Deutschen jubeln, zumindest in Basel. Keystone

Deutschland war Favorit, doch die Türken dominierten das Halbfinale von Basel. Am Schluss jubelten dennoch die Deutschen, dank dem 3:2-Siegestreffer Philipp Lahms in der letzten Spielminute.

Dieser Inhalt wurde am 25. Juni 2008 - 22:38 publiziert

Danke Türkei! Obwohl die Spieler vom Bosporus im EM-Halbfinale gescheitert sind, machten sie mit ihrem schnörkellosen Angriffsfussball in Basel ein mitreissendes Spiel gegen die Favoriten aus Deutschland möglich.

Das hatten Fussball-Experten nicht erwartet: Zwei Goals der Deutschen, die völlig aus dem Nichts heraus fielen. Schon eher die zwei Treffer in den letzten fünf Spielminuten.

Doch diesmal waren es nicht mehr die Türken, welche das Glück in letzter Sekunde noch auf ihre Seite zu zwingen vermochten. Es war Deutschland, das zur alten Stärke der späten Entscheidung zurück fand.

Wo war Deutschland?

Zu Spielbeginn entwickelten erstaunlicherweise die stark ersatzgeschwächten Türken viel mehr Druck. Vor allem die deutsche Verteidigung auf der rechten Seite erwies sich als nicht sattelfest. Aber auch das Mittelfeld mit Antreiber Michael Ballack fand überhaupt nicht ins Spiel.

In der 13. Minute kam die Türkei innerhalb weniger Augenblicke zu einer Doppelchance. Doch Hüter Lehmann rettete erst mit einer reflexartigen Handabwehr, dann strich der Nachschuss an seinem Tor vorbei. Doch statt dies als Weckruf zu nehmen, agierten die Spieler von Trainer Joachim Löw weiter völlig verunsichert.

Verdiente Führung der Türken

In der 22. Minute war die Überraschung perfekt: Nach einem Lattenschuss brachte der allein gelassene Ugur Boral die Türkei völlig verdient 0:1 in Führung. Dabei machte Lehmann keine glückliche Figur, weil der Ball zwischen seinen Beinen hindurch über die Linie kullerte.

Fast noch überraschender als die spielerische Übermacht der Türken fiel nur vier Minuten später der Ausgleich: Bastian Schweinsteiger leitete eine Hereingabe von Lukas Podolski gefühlvoll mit dem Aussenrist über den türkischen Goalie Rüstü ins Netz.

Eine Chance, ein Tor

Dabei demonstrierten die Deutschen, was eine gute Mannschaft ausmacht: die Effizienz. Denn der schnell ausgelöste und nur über wenige Stationen führende Angriff mit dem erfolgreichen Abschluss war die einzige Torchance Deutschlands in der ganzen ersten Halbzeit.

Nach der Pause schien es, als würden die Deutschen besser ins Spiel finden. Vom überzeugenden Viertelfinal-Auftritt gegen die Portugiesen waren sie aber meilenweit entfernt.

Umstrittener Busacca

Doch statt nachzustossen, überliessen die Deutschen dem Gegner erneut das Spieldiktat. Der Schweizer Schiedsrichter Massimo Busacca zog in dieser Phase den Unmut der deutschen Fans auf sich, als er nach einem klaren Foul an Philipp Lahm im türkischen Strafraum nicht auf den Elfmeterpunkt zeigte.

Knapp vor der 70. Minute waren es die Spieler von Trainer Fatih Terim, die mit dem Schweizer Unparteiischen haderten. Vielleicht als Akt ausgleichender Gerechtigkeit verweigerte er den Türken einen gerechtfertigten Penalty.

In der 79. Minute folgte die Wiederholung des Deutschland-Coups aus der ersten Halbzeit: Völlig aus dem Nichts heraus erzielte Stürmer Miroslav Klose per Kopf die 2:1-Führung. Dabei konnte sich der Torschützenkönig der WM 2006 beim türkischen Hüter Rüstü bedanken, der weit aus dem Tor eilte, aber sträflich neben den Ball griff.

Entscheidung in letzter Minute

Doch statt den Vorsprung über die Runden zu bringen, liessen sie die Türken erneut gewähren. Vier Minuten vor Schluss war es Sentürk, der mit seinem Tor zum 2:2-Ausgleich die Final-Träume der Türkei neu beflügelte.

Doch die Freude währte nicht lange. In der letzten Minute der regulären Spielzeit schoss der bis dahin enttäuschende Lahm den 3:2-Siegestreffer und damit Deutschland in den EM-Final vom Sonntag in Wien. Dort heisst der Gegner entweder Russland oder Spanien. Diese beiden Mannschaften bestreiten am Donnerstag in Wien das zweite Halbfinale.

swissinfo, Renat Künzi

Das Matchtelegramm

Deutschland – Türkei 3:2.

Tore: Boral 0:1 (22.); Schweinsteiger 1:1 (26.); Klose 2:1 (79.); Sentürk 2:2 (86.); Lahm 3:2 (90.).

St. Jakobstadion Basel: 40'000 Zuschauer (ausverkauft).

Schiedsrichter: Massimo Busacca, Schweiz.

Deutschland: Lehmann; Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm; Rolfes (46. Frings), Hitzlsperger; Schweinsteiger, Ballack, Podolski; Klose (92. Jansen).

Türkei: Rüstü; Sabri, Mehmet Topal, Gökhan Zan, Hakan Balta; Mehmet Aurelio; Kazim Kazim (92. Tümer), Hamit Altintop, Ayhan (81. Mevlüt), Ugur (84. Gökdeniz); Semih.

End of insertion

Fussball gegen Rassismus

Der Halbfinal in Basel war der Höhepunkt der Kampagne "Vereint gegen Rassismus".

Sie wird von der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus an der Fussball-EM durchgeführt.

Die Kapitäne Deutschlands und der Türkei verlasen vor dem Spiel eine Erklärung.

Zudem machten die Fans im Basler Stadion vor dem Anpfiff eine La-Ola-Welle. Dazu trugen viele farbige Plasticschürzen mit der Aufschrift "No to Racism".

Die Kampagne besteht in Bandenwerbung, einer Aufschrift auf den Armbinden der Kapitäne sowie Fernsehspots, in denen für Vielfalt und gegen Rassismus aufgerufen wird.

Beim zweiten Halbfinal von Donnerstag in Wien findet die gleiche Zeremonie statt.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?