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Deutsche Börse steigert Gewinn und senkt Kosten - Abschreibungen drohen (AF)

Dieser Inhalt wurde am 27. Oktober 2010 - 21:55 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Die konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft hat sich positiv auf die Deutsche Börse ausgewirkt. Die Handelsumsätze zogen leicht an und führten in Verbindung mit einem straffen Kostenmanagement zu einem Anstieg der Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem der Gewinn des Frankfurter Marktbetreibers stieg überraschend deutlich. Daraufhin präzisierte der Konzern auch seine Kostenprognose für das Gesamtjahr und rechnet nun mit Gesamtkosten in Höhe von rund 1,150 Milliarden Euro ohne Kosten für Effizienzprogramme, wie der Konzern am Mittwochabend in Frankfurt mitteilte. Ende Juli, zur Vorlage der Zahlen des zweiten Quartals, hatte Finanzvorstand Gregor Pottmeyer lediglich von einem "Unterschreiten" der ursprünglichen Kostenprognose von 1,21 Milliarden Euro vor Restrukturierungsaufwendungen gesprochen.
WARNUNG VOR ABSCHREIBUNGEN
Zugleich wurde allerdings auch vor möglichen weiteren Abschreibungen im Zusammenhang mit dem im Dezember 2007 abgeschlossenen Kauf der US-Optionsbörse International Securities Exchange (ISE) gewarnt. Aufgrund weiterhin ausstehender regulatorischer Genehmigungen für bestimmte Funktionalitäten der ISE und damit einhergehender schwacher Handelsaktivität habe sich die Wahrscheinlichkeit für eine Wertminderung erhöht, informierte die Deutsche Börse. Diese könnte im vierten Quartal fällig werden. Angaben über die Höhe des möglichen zusätzlichen Abschreibungsbedarfs wurden nicht gemacht. Erstmals waren Abschreibungen auf die ISE im Schlussquartal 2009 in Höhe von 420 Millionen Euro angefallen.
Börsianer zeigten sich in einer ersten Reaktion leicht erfreut über das Zahlenwerk. Zuletzt notierten Deutsche-Börse-Aktien im ausserbörslichen Handel bei Lang & Schwarz mit 51,63 Euro um 0,64 Prozent über dem Schlussstand im Xetra-Handel. Der Future auf den Dax tendierte ebenfalls etwas freundlicher.
Analyst Christian Muschick vom Finanzhaus Silvia Quandt sprach von "insgesamt überraschend positiven Zahlen". Allerdings sei es nicht auszuschliessen, dass die Börse Kosten in das Jahr 2011 verschiebe, um den Zinsdeckungsgrad über dem 16-fachen des EBITDA zu halten. Im dritten Quartal lag er bei 16,7. Es gehört zu den Konzernzielen, stets einen Zinsdeckungsgrad von 16 sicherzustellen, um das sehr gutes "AA"-Kreditrating für die auch als Bank operierende Tochter Clearstream nicht zu gefährden. Das bedeutet, dass die Deutsche Börse einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erwirtschaften muss, der 16 mal höher ist als der Zinsaufwand, den die Börse für ihren Kreditabtrag aus dem Kauf der US-Börse ISE begleichen muss.
LEICHTES ANSTIEG DER HANDELSVOLUMINA
Mit Blick auf die Quartalszahlen verzeichnete die Deutsche Börse im Vergleich zum dritten Quartal 2009 einen leichten Anstieg der Handelsvolumina an der Terminbörse Eurex und dem Kassamarkt Xetra. Das Niveau des aufgrund der Staatsschuldenkrise sehr starken zweiten Quartals konnte allerdings bei weitem nicht erreicht werden.
Der Überschuss habe 161,3 Millionen Euro betragen, nach 158,3 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahresquartal, teilte der Marktbetreiber am Mittwochabend in Frankfurt mit. Bereinigt um Restrukturierungsaufwendungen ergab sich ein Anstieg des Überschusses um fünf Prozent auf 171,0 Millionen Euro. Die Kosten sanken trotz zusätzlicher Aufwendungen für Effizienzprogramme in Höhe von 12,9 Millionen Euro um fünf Prozent auf 287,0 Millionen Euro. Die Umsätze des Marktbetreibers legten um rund ein Prozent auf 504,3 Millionen Euro zu. Hinzu kamen 15,8 Millionen Euro aus dem Bankgeschäft der Wertpapier-Verwahrungstochter Clearstream.
EBIT MINIMAL ÜBER VORJAHR
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag mit 244,1 Millionen Euro minimal über dem Vorjahresniveau. Damals waren 243,7 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Das um die Kosten für die Effizienzprogramme bereinigte EBIT lag um sieben Prozent über dem Vorjahr. Das Aktienergebnis belief sich auf 0,87 Euro.
Damit übertraf die Deutsche Börse die durchschnittlichen Erwartungen der 16 von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten: Diese hatten mit Umsätzen von 499,9 Millionen Euro gerechnet und einem Zinsüberschuss von 15,7 Millionen Euro. Die Kosten hatten sie im Schnitt bei 310,0 Millionen Euro erwartet und das EBIT bei 224,8 Millionen Euro. Das EPS hatten sie im Schnitt auf 0,77 Euro geschätzt./ck/he

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