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Der Städtetourismus in der Schweiz leidet weiterhin

Die Genfer Luxushotels leiden noch immer unter dem pandemiebedingten Einbruch des Geschäftstourismus. Die Gäste aus dem Golf hingegen kehren an die Ufer des Genfersees zurück. Keystone / Martial Trezzini

Nur wenige Branchen sind von der Pandemie so stark betroffen wie der Städtetourismus. Und Genf ist da keine Ausnahme. Trotz zahlreicher Herausforderungen gibt Sophie Dubuis, Präsidentin von Genf Tourismus, nicht auf.

Dieser Inhalt wurde am 10. November 2021 publiziert Minuten
Philippe Monnier

swissinfo.ch: Frau Dubuis, 2020 war ein schwarzes Jahr für den Tourismus. Wie sind die Aussichten für den Städtetourismus in Genf das laufende Jahr und darüber hinaus?

Sophie Dubuis: 2020 haben wir in der Tat einen Rückgang der Hotelübernachtungen um 68% zu verzeichnen, trotz eines hervorragenden ersten Quartals vor der Pandemie. Das Jahr 2021 wird wahrscheinlich etwas besser ausfallen, vor allem dank eines guten Sommers. Der Putin-Biden-Gipfel hat uns natürlich auch geholfen.

Und vor allem haben wir eine grosse Kampagne ins Leben gerufen ("Geneva Resort"), die Genf als grossartige Freizeitdestination präsentiert. Dank dieser Initiative verzeichneten wir etwas mehr Übernachtungen als im Vorjahr und eine bessere Entwicklung als unsere Freunde in Zürich.

Sophie Dubuis verfügt über einen BA in Tourismusmanagement der Schweizerischen Hochschule für Tourismus und einen Executive MBA der Universität Genf. Seit Januar 2019 ist sie Präsidentin des Stiftungsrats von Genf Tourismus. Adrian Moser / Tamedia AG

Für die nächsten Jahre tappen wir im Dunkeln, da wir vollständig von den Pandemie-Einschränkungen in der Schweiz und im Ausland abhängig sind. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass in Zukunft einige Grossveranstaltungen teilweise online stattfinden werden. Konkret heisst das, dass wir sehr kurzfristig auf die Situation werden reagieren müssen...

Darüber hinaus wurde der Internationale Automobilsalon Genf, der für Februar 2022 geplant war, zum dritten Mal in Folge verschoben.

Das ist natürlich ein Schlag. Dies ist jedoch nicht auf eine mangelnde Attraktivität des Standorts Genf zurückzuführen, sondern auf ein spezifisches Angebotsproblem in der Automobilindustrie sowie auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Pandemie.

Welche Rolle spielen die internationalen Medien und die sozialen Netzwerke bei der Förderung des Tourismus in Genf?

Die Rolle der internationalen Medien ist von entscheidender Bedeutung, und wir bemühen uns nach Kräften, entweder direkt oder über Schweiz TourismusExterner Link mit diesen Medien in Kontakt zu treten.

Darüber hinaus sind soziale Netzwerke, namentlich Instagram und Wechat, noch wichtiger geworden als die traditionellen Medien. Selbst ein positiver Beitrag auf Instagram von einem Touristen mit 1500 Followern hat einen echten Werbewert.

Und ich überlasse es Ihnen, sich die weitreichenden Auswirkungen vorzustellen, wenn CNN-Starjournalist Wolf Blitzer während des Putin-Biden-Gipfels auf Twitter seine Begeisterung über die Stadt Genf ausdrückt.

Wie koordinieren Sie sich mit Schweiz Tourismus?

Die Zusammenarbeit ist sehr gut, und sie ist eine Notwendigkeit. Schweiz Tourismus bietet den Destinationen einen Leistungskatalog gegen eine Kostenbeteiligung an. Als Destination können wir uns zum Beispiel an Veranstaltungen beteiligen oder Schweiz Tourismus bei einer gezielten Kampagne in Grossbritannien begleiten. Natürlich geben wir auch den Inhalt vor, also das, was wir fördern wollen.

Serie: Frauen am Ruder

Frauen sind in den oberen Etagen der Wirtschaft immer noch stark untervertreten. So sind beispielsweise nur 13% der 20 Unternehmen im Leitindex SMI der Schweizer Börse mit Frauen in Führungspositionen besetzt. In dieser Hinsicht schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich schlecht ab.

swissinfo.ch lässt im Rahmen einer Serie in diesem Jahr Geschäftsführerinnen von weltweit tätigen Schweizer Unternehmen zu Wort kommen. Als Vertreterinnen der Schweizer Wirtschaft sprechen sie über die dringlichsten Herausforderungen, von der Coronavirus-Krise bis zum Platz der Schweiz und ihrer Unternehmen in der Weltwirtschaft. Hier eine Auswahl unserer Artikel:

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Ihr gesamtes Personal arbeitet in Genf. Bedeutet dies, dass Schweiz Tourismus ein Monopol auf die Präsenz im Ausland hat?

Schweiz Tourismus hat keine Monopolstellung, aber unsere Strategie ist klar und pragmatisch: Für Schweiz Tourismus ist es effizienter, die Auslandpräsenz allein zu erbringen.

Ist eine stärkere regionale Förderung wünschenswert?

Das ist nicht nur wünschenswert, sondern auch fester Bestandteil unseres Dienstleistungsvertrags mit dem Kanton Genf. Wir haben auch erste regionale Kooperationen gestartet, speziell mit den Kantonen Wallis und Waadt sowie mit dem benachbarten Frankreich.

Ihre Website ist in sechs SprachenExterner Link, aber nicht in Mandarin und Arabisch, obwohl diese Sprachen für den Genfer Tourismus so wichtig sind...

Die Chinesen und Chinesinnen nutzen hauptsächlich andere Plattformen, nämlich Wechat und Weibo. Und die Gäste aus den arabischen Ländern sind mit der englischen Sprache völlig vertraut.

Wie messen Sie den Erfolg von Genf Tourismus? Woher wissen Sie vor allem, ob die Gäste aufgrund Ihrer Aktionen kommen?

Dies ist ein sehr wichtiges Thema, aber es ist schwierig, genaue Antworten zu geben. So ist die Zahl der Übernachtungen in hohem Masse von externen Faktoren wie der Coronavirus-Krise abhängig.

Wenn wir jedoch in einem bestimmten Land gezielte Massnahmen ergreifen und die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus diesem Land steigt, können wir daraus schliessen, dass dies auf unsere Bemühungen zurückzuführen ist. Schliesslich messen wir natürlich auch unsere Medienpräsenz und die Zufriedenheit unserer Partner.

Genf Tourismus

Die Fondation de Tourisme et de Congrès de GenèveExterner Link (abgekürzt Genève Tourisme, auf Deutsch Genf Tourismus) ist eine privatrechtliche Stiftung, die als gemeinnützig anerkannt ist.

Die Rolle der Stiftung, die vor mehr als 120 Jahren von Vertretern des Wirtschafts- und Tourismussektors gegründet wurde, ist im Genfer Tourismusgesetz definiert, das 2019 angepasst wurde.

Sie hat die Aufgabe, Genf als Reiseziel für Freizeit- und Geschäftstourismus zu fördern und zu verkaufen, sowie Gäste zu empfangen, zu informieren und zu unterstützen.

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Wie kommen Sie finanziell zurecht?

In normalen Jahren finanzieren wir uns zu 70% aus den von den Besuchenden gezahlten "Kurtaxen" (3,65 Franken pro Nacht); die restlichen 30% stammen aus den "Tourismusförderungs-Abgaben", die von den Unternehmen in der vom Kanton Genf definierten "Tourismuszone" bezahlt werden.

Die Kurtaxe ist natürlich eingebrochen. Um die Unternehmen zu unterstützen, hat der Kanton Genf zudem beschlossen, die Tourismusförderungs-Abgaben zu halbieren. Innerhalb weniger Tage sank unser Jahresumsatz von 19 auf... 9 Millionen Franken.

Im Jahr 2020 mussten wir das Genfer Parlament – mit Erfolg – um zusätzliche 4,5 Millionen Franken angehen. Leider waren wir auch gezwungen, unser Personal von 60 auf etwa 45 Mitarbeitende zu reduzieren.

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

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