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Der Papst und der Präsident

Bundsespräsident Pascal Couchepin verabschiedet sich von Papst Johannes Paul II., der ihn zu einer Privataudienz empfangen hatte. Keystone

Mit einer kurzen Audienz bei Papst Johannes Paul II. hat Bundespräsident Pascal Couchepin am Montag seinen Besuch in Rom begonnen.

Dieser Inhalt wurde am 07. Juli 2003 - 16:48 publiziert

Anschliessend folgte ein Gespräch mit Kardinal Angelo Sodano über die internationale Lage und die Rolle der Kirche, bevor er der Schweizergarde einen Besuch abstattete.

Zur Gesundheit des Papstes bemerkte Couchepin bedauernd, Johannes Paul II. habe sichtlich leidend gewirkt. Es handelte sich um den letzten offiziellen Empfang des Papstes vor seiner Abreise in die Sommerresidenz in Castelgandolfo.

Beobachter im Vatikan befanden dagegen, der Papst habe für seine Verhältnisse eher munter gewirkt. Er habe sich während des Besuchs der Schweizer Delegation nicht weniger als dreimal erhoben.

Zu seinen Gästen gehörten auch die Gattin des Bundespräsidenten, Brigitte Couchepin, und Hansrudolf Hoffmann, Schweizer Sonderbotschafter beim Heiligen Stuhl mit Sitz in Prag.

Anerkennung und Bewunderung

Der Bundespräsident zollte dem Papst Anerkennung und Bewunderung: "Johannes Paul II. ist eine jener Persönlichkeiten, die das zwanzigste Jahrhundert geprägt haben. Er hatte immer den Mut, sich gegen totalitäre Regimes zu wenden. Zudem spielte er eine fundamentale Rolle beim Fall von Regimes, wie denen des Ex-Ostblocks."

Couchepin versicherte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, die Schweiz sei willens, sich an den Bemühungen des Heiligen Stuhls zugunsten des Friedens zu beteiligen.

Der Papst selbst lobte die Schweiz für ihre Zusammenarbeit zwischen Kulturen, Religionen und verschiedenen Ethnien. Dies halte auch in der Gegenwart den Mythos von Wilhelm Tell aufrecht.

Das kurze Gespräch drehte sich laut Couchpin sonst in erster Linie um die Schweiz. Umso länger sprach er anschliessend mit dem Staatssekretär der Römischen Kurie, Kardinal Sodano.

Internationale Lage

Vor allem die internationale Politik, etwa der Irak-Krieg und die Rolle des Vatikans, der Status von Jerusalem im schwierig zu lösenden Palästina-Konflikt, aber auch der Aufbau des neuen Europas seien dabei diskutiert worden.

Pascal Couchepin erklärte gegenüber swissinfo: "Sodano ist pragmatisch wie ein Schweizer. Europa muss erklären, ob es ein Super-Staat werden will oder nur eine Organisation bleiben will, die Dinge zusammenbringt."

Diplomatische Beziehung soll normalisiert werden

Couchepin äusserte sich auch zum speziellen diplomatischen Status der Schweiz im Vatikan. Auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes hatte der Bundesrat 1873 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen, nachdem der damalige Papst ohne Meldung an die Regierung einen Apostolischen Vikar in Genf ernannt hatte.

Zwar wurden die diplomatischen Beziehungen 1920 wieder aufgenommen. Doch noch heute gehört die Schweiz wie etwa Russland zu den wenigen Staaten ohne ständige Vertretung beim Heiligen Stuhl.

Die Schweiz habe alles Interesse an einer starken diplomatischen Vertretung, räumte Couchepin ein. Wenn ein diplomatischer Kanal verstärkt werden könne, müsse dies getan werden, solange dies vereinbar sei mit dem religiösen Frieden in der Schweiz. Die Frage müsse regelmässig geprüft werden.

"Der Heilige Stuhl ist eine universale Institution über den Barrieren der Religionen", sagte Couchepin nach dem Treffen.

Anschliessend stattete der Bundespräsident der Schweizer Garde unter Kommandant Elmar Mäder einen Besuch ab.

Mäder sagte: "Wir sind in der Ehrenformation angetreten, um ein Staatsoberhaupt zu empfangen. Heute haben wir Stellung vor 'unserem' Präsidenten bezogen. Wir sind doppelt geehrt."

Treffen mit Berlusconi

Am Dienstag stehen politische Gespräche mit der Spitze der italienischen Regierung auf dem Programm. So wird Couchepin nach Treffen mit Innenminister Giuseppe Pisanu und dem stellvertretenden Regierungschef Gianfranco Fini von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu einem Arbeitsessen empfangen. Dabei werden angesichts des derzeitigen EU-Vorsitzes vor allem die bilateralen Verhandlungen thematisiert.

swissinfo mit Agenturen

In Kürze

Bundespräsident Pascal Couchepin ist am Montagmittag kurz von Papst Johannes II. empfangen worden.

Der letzte Besuch eines Bundesratsmitglieds beim Papst liegt drei Jahre zurück. Im Jahr 2000 war Bundespräsident Adolf Ogi im Vatikan.

Johannes Paul II. wird im Juni 2004 in der Schweiz erwartet, 20 Jahre nach seinem ersten Besuch in der Schweiz.

Gemäss Volkszählung von Jahr 2000 bekennen sich 41,8 Prozent der Schweizer zum katholischen Glauben.

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