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Der letzte Grossauftritt von Köbi Kuhn

Köbi Kuhns grösster Traum wäre das Finale in Wien. Reuters

Die Euro 08 ist für Köbi Kuhn die letzte grosse fussballerische Herausforderung nach sieben Jahren Coach der Schweizer Nationalmannschaft. Er beantwortet die Fragen von swissinfo und Teletext realistisch und humorvoll.

Dieser Inhalt wurde am 24. Mai 2008 - 10:03 publiziert

swissinfo/Teletext: In welcher mentalen Verfassung befinden Sie sich jetzt, einige Wochen vor dem Eröffnungsspiel der Euro 2008?

Köbi Kuhn: Der Druck ist da, doch das hat nichts mit der Tatsache zu tun, dass dieses Turnier mein letztes als Nationaltrainer sein wird. Es ist absolut normal, dass vor solch einem Grossereignis eine gewisse Spannung aufkommt. Wir wurden ziemlich kritisiert in den letzten Wochen, doch dies ist bloss eine Randerscheinung und stört mich nicht gross - wenigstens so lange die Attacken nicht persönlich werden.

Vor der Weltmeisterschaft im eigenen Lande steckte Deutschland, aber auch Frankreich, in grossen Schwierigkeiten, bei Turnierbeginn waren jedoch beide Mannschaften voll da! Diese Beispiele sollten uns Mut machen. Zum jetzigen Zeitpunkt nimmt mich die Euro voll und ganz in Anspruch.

swissinfo/Teletext: Hat die Tatsache, dass die Euro in der Schweiz stattfindet, einen Einfluss auf die Ausgangslage?

K.K.: Die Schweizer Nati ist jung, doch die meisten Spieler haben sich in den wichtigsten europäischen Meisterschaften weiter entwickelt, sie werden dem Turnierdruck standhalten. Ich habe es schon mehrmals gesagt und wiederhole es gerne: Wir sind in der Lage, bis ans Ende unserer Träume zu gehen, es kann aber auch schon Schluss sein nach der Vorrunde, trotz guter Leistungen.

Aber eins ist sicher: Vom 19. Mai an, im Trainingslager von Lugano, werden sich alle Spieler voll und ganz auf die Euro konzentrieren. Bis zum ersten Spiel gegen die Tschechen können wir endlich drei Wochen in Folge trainieren. Dies wird sicher zu einer Leistungssteigerung führen, was in den letzten Monaten nicht der Fall war.

swissinfo/Teletext: Sie haben eben betont, dass die meisten ihrer Spieler in ausländischen Meisterschaften wichtige Erfahrungen sammeln. Sie als Spieler blieben dem FC Zürich stets treu und haben nie ausserhalb der Schweizer Grenzen gespielt. Bereuen Sie dies?

K.K.: Die Zeit war eine andere. Ich hatte einige Gelegenheiten gehabt, in Deutschland zu spielen, sie jedoch aus verschiedenen Gründen nicht wahrgenommen.

Eins muss man wissen: Damals kamen deutsche Spieler in die Schweiz, und ich habe eigentlich meinen Entscheid nie bereut. Ich konnte in der Schweiz eine tolle Karriere machen. Zudem waren die grossen Fussballnationen der 1960er-Jahre, England und Italien, "geschlossene Gesellschaften".

swissinfo/Teletext: Kommen wir auf die Euro zurück und sprechen über die drei Gegner der Schweiz in der Gruppe A: Tschechien, Türkei, Portugal.

K.K.: Tschechien ist in erster Linie eine athletische und einfallsreiche Mannschaft mit Charakter. Dieses Eröffnungsspiel wird sehr wichtig sein. Es könnte uns für die folgenden Spiele beflügeln. Eine Niederlage im ersten Spiel jedoch würde unsere Aufgabe ziemlich komplizieren. Aber wie heisst es so schön, der nächste Match ist immer der wichtigste.

Die Türkei kennen wir gut und wir wissen sehr wohl, dass sie gefährlich ist. Klar, die Begegnung weckt einige unschöne Erinnerungen an das Spiel vor zwei Jahren, doch sobald wir auf dem Platz sind, werden sie vergessen sein.

Ich hoffe einfach, dass Portugals Cristiano Ronaldo seine vielen Tore weiterhin für Manchester United schiesst und dann mit der portugiesischen Nationalmannschaft etwas zurückhaltender ist.

swissinfo/Teletext: Stellen wir uns den 6. Juni vor: Am Vorabend des Eröffnungsspiels verlassen Tranquillo Barnetta und Alex Frei nachts das Hotel, um sich ein paar Bierchen zu genehmigen - wie Sie das damals als Spieler auch gemacht haben, vor vierzig Jahren. Wie würden Sie reagieren?

K.K.: Wenn ich von diesem Ausgang erfahren würde, hätte ich wahrscheinlich ein ausgezeichnetes Druckmittel, um die beiden während 90 Minuten bis zum Umfallen über den Platz zu jagen.

swissinfo/Teletext: Köbi Kuhn, wo werden Sie am 29. Juni sein?

K.K: Ich werde mir das Finale am Fernsehen anschauen...oder auf der Bank des Ernst-Happel-Stadions in Wien. Das wäre mein grösster Traum.

Interview swissinfo/Telext: Mathias Froidevaux und Miguel Bao

Köbi Kuhn

Jakob Kuhn wurde am 12. Oktober 1943 in Zürich geboren, wo er seine ganze fussballerische Karriere durchlief, die er mit 17 Jahren begann (FC Wiedikon 1954 bis 1959 und FC Zürich von 1960 bis 1977).

Mit dem FC Zürich wurde Köbi Kuhn sechsmal Schweizermeister und fünfmal Cupsieger. Er bestritt zudem zwei Europacup-Halbfinals gegen Real Madrid und Liverpool.

Er spielte 63-mal in der Nationalmannschaft und war an der Weltmeisterschaft 1966 in England dabei.

Ab 1996 war Kuhn zuerst sportlicher Leiter und dann Trainer ad interim des FC Zürich (1983-1984) und der Juniorenmannschaften (U18 und U21), bis er im Juni 2001 die Nachfolge von Enzo Trossero als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft antritt.

Er ist der erste Trainer, der gleich bei drei Meisterschaften dabei ist (Euro 2004, Weltmeisterschaft 2006 und Euro 2008), und dazu noch in Folge.

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