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Der Lauf der Zeit

Die Vertreibung aus dem Paradies Johann Heinrich Füssli (1802). Landesmuseum Zürich

"//: paradise lost - 10'000 Jahre bis zum Mikrochip" heisst die Sonderausstellung im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich. Zu erleben ist die Chronik der Menschheit im Zeitraffer und was das Paradies war, ist oder sein könnte.

Dieser Inhalt wurde am 05. Oktober 2001 - 21:48 publiziert

Gestern, heute, morgen: Die Zeit rast, Ereignisse überstürzen sich, Geschichte wird gemacht.

Wer sich dem Eingang des Landesmuseums in Zürich nähert, erblickt von weitem einen grasgrünen Kubus. Seitlich angebracht ein grosser digitaler Zähler. Er zählt die Weltbevölkerung. 6'171'218'513 lautete der kurzlebige Stand am Donnerstag, dem 4. Oktober. Heute ist die Zahl bereits Vergangenheit und die Gegenwart wird sekündlich überrollt. Der visualisierte Bevölkerungs-Lauf der Zeit.

Schmerzhafte Vertreibung

"Paradise lost", der Mythos von der Vertreibung aus dem Paradies, steht als symbolisches Ausstellungs-Motto für den Wandel der Menschheit und die damit verbundenen Hoffnungen und Ängste. So bildet denn Johann Heinrich Füsslis Bild die "Vertreibung aus dem Paradies" den eigentlichen Auftakt zum Rundgang durch die Geschichte. Und schmerzhaft scheint, nimmt man Adam und Evas Ausdruck ernst, der Auszug gewesen zu sein.

Wann ging es dann wirklich verloren, das Paradies? Ging es überhaupt verloren, liegen nicht in der Zukunft paradiesische Zustände? Die Geschichte der Zivilisation birgt viele Fragen und lässt unterschiedlichste Antworten gelten.

"Paradise lost" bei Adam und Eva oder vor rund 10'000 Jahren, als die ersten Menschen ein Stück Land einzäunten, den Boden bebauten und dem Nomadentum Adieu sagten. Oder brachte die Industrielle Revolution des 18. Jahrhunderts mit all ihren Fabriken und dem ungeheuren Appetit auf Energien den eigentlichen Beschleunigungs-Kick? Oder erst die digitale Revolution mit ihren unaufhörlichen Datenströmen?

Sinnliche Themenräume

Weiter auf ihrem Gang in die Vergangenheit gelangen die Besuchenden durch einen langen roten Zeit-Tunnel. Vorbei an einer Knochenharpune bis zur Sonnenuhr werden binnen kürzester Zeit 300 Generationen abgeschritten. War das nun Morgenröte oder schmerzhafte Geburtswehen? Jedenfalls gelangt man nun ins Agroland.

Agroland, Factoryland, Dataland, so heissen die drei inszenierten Themenräume, welche in groben Zügen die Schwellen-Epochen der Menschheit aufzeigen. Alle Räume überzeugen mit einem sinnlich-erlebbaren Konzept. Ausgestattet mit allerlei Gegenständen, von denen einige gebraucht werden dürfen, ergänzt mit audiovisuellen Bilderzyklen, akustischen Objekten.

So gibts im Dataland den ersten Apple-Computer (1979) im trendig beige-braunen Look zu bestaunen. Factoryland überrascht mit allerlei Musikapparaten auf einem Förderband, und der Kabinenroller "Velorex", ein winziges Automobil aus der Tschechoslowakei (1948), dürfte sich zu einen "Ausstellungs-Star" mausern. Im Agroland spielen Holz und Brot die Hauptrollen.

Unterdessen ist der Bevölkerungszähler nicht stehen geblieben. Wie immer das verlorene Paradies interpretiert wird, im Leben eines heute 70-jährigen Menschen verdreifachte sich die Erdbevölkerung. So schnell wie nie jemals zuvor. Die Sonderausstellung im Landesmuseum präsentiert einen schnellen Teil der Menschheitsgeschichte und lässt den Besuchenden durchaus Zeit zum Atmen.

Brigitta Javurek

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