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DE/Rückversicherer wollen hart bleiben - Stabile Preise erwartet

Dieser Inhalt wurde am 25. Oktober 2010 - 15:17 publiziert

BADEN-BADEN (awp international) - Die Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück wollen sich dem Preisdruck im Schaden- und Unfallgeschäft nicht beugen. Beim Branchentreffen in der Kurstadt Baden-Baden bekräftigten am Montag beide Unternehmen, die Preise für Rückversicherungsschutz auf dem deutschen Markt zum Jahreswechsel stabil halten zu wollen.
Erst- und Rückversicherer stehen angesichts der niedrigen Zinsen unter Druck. Weil sie mit der Anlage der Beitragsgelder weniger Geld verdienen können, versuchen sie etwa in der Kfz-Versicherung höhere Beiträge durchzusetzen. Die Manager zeigten sich optimistisch. "Wir haben ein gutes Jahr 2011 vor uns", sagte Hannover-Rück-Vorstand Michael Pickel.
Jedes Jahr treffen sich Rückversicherer, Erstversicherer und Makler in Baden-Baden, um dort über die Erneuerung ihrer Verträge zum kommenden Jahreswechsel zu beraten. Die Erneuerungsrunde zum 1. Januar ist die wichtigste im Jahr. Rückversicherer übernehmen Risiken, die Erstversicherer wie Allianz oder AXA nicht im vollen Umfang in ihren Büchern behalten wollen. In den Verhandlungen geht es um den Inhalt der Verträge.
"Wir rechnen bei unserem Portfolio weiter mit stabilen Preisen und Bedingungen", sagte Munich-Re-Vorstand Ludger Arnoldussen. Wo die Preise den Risiken nicht angemessen seien, werde die Munich Re auf Geschäft verzichten. "Dies gilt umso mehr angesichts des aktuellen Niedrigzinsumfelds", sagte der Manager.
Unter Druck sind in Deutschland seit langem die Preise für Haftpflicht- und Kaskoversicherungen für Autos und andere Kraftfahrzeuge. Hannover-Rück-Manager Michael Pickel sieht den Abwärtstrend nun gestoppt. In der Kfz-Rückversicherung seien die Preise bereits im vergangenen Jahr teilweise um bis zu 20 Prozent gestiegen. Dies sind allerdings nicht die Prämien, die der einzelne Versicherungsnehmer bezahlt. In der Industrie-Sachversicherung sehen die Manager weiterhin zu geringe Gewinnchancen - das Preisniveau sei noch immer zu niedrig. "Der Vorteil in diesem Geschäft ist, dass es nur wenige Grossschäden gibt", sagte Pickel.
Hohe Grossschäden wie bei den Überschwemmungen entlang der Elbe treiben die Preise hingegen nach oben, schätzt der Manager. Auch wegen der Erfahrung mit dem Wintersturm "Xynthia" gehe er davon aus, dass die Erstversicherer angesichts zusätzlichen Rückversicherungsschutz einkaufen.
Die Munich Re verspricht sich wachsende Geschäftschancen auch bei der Versicherung Erneuerbarer Energien. So sollen sich die Prämieneinnahmen aus diesem Bereich auf dem deutschen Markt zwischen 2009 und 2020 von 186 Millionen auf 440 Millionen Euro mehr als verdoppeln, wie Vorstand Arnoldussen sagte. "Windkraft, Photovoltaik und Biomassen werden dabei eine zentrale Rolle spielen", prognostiziert die Munich Re.
Zudem hofft der weltgrösste Rückversicherer auf die Versicherung von Ölbohrungen. Nach der Katastrophe um die Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko hatte die Munich Re eine Lösung entwickelt, wie jede einzelne Ölbohrung mit 20 Milliarden Euro versichert werden könnte. Dazu müsste nach Ansicht von Experten allerdings eine dreistellige Zahl von Bohrlöchern versichert werden, um das Risiko zu streuen. Um das zu erreichen, hoffen die Munich Re und ihre Unterstützer auf die US-Regierung und die EU. Würden sie für Ölbohrungen eine solche Versicherung vorschreiben, würde ein neues grosses Geschäftsfeld für Erst- und Rückversicherer entstehen./stw/zb/wiz

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