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Das abrupte Ende von Cisalpino

Ex-press

Cisalpino wird aufgelöst. Deren Muttergesellschaften SBB und Trenitalia nehmen den Verkehr zwischen der Schweiz und Italien wieder selbst in die Hand. Ob die Pünktlichkeit so besser wird, bleibt offen. Denn pannenanfälliges Rollmaterial bleibt im Einsatz.

Dieser Inhalt wurde am 25. September 2009 - 18:50 publiziert

Äusserst kurzfristig riefen SBB-Chef Andreas Meyer und sein Amtskollege von den italienischen Staatsbahnen Trenitalia, Mauro Moretti, heute zu einer Pressekonferenz ins edle Radisson-Hotel am Flughafen Zürich.

Sie verkündeten das Ende eines Abenteuers namens Cisalpino, das 1993 begonnen hatte. Damals wurde die Cisalpino als Aktiengesellschaft, die für den Bahnverkehr zwischen Italien und der Schweiz verantwortlich ist, durch die beiden Staatsbahnen gegründet.

Doch etliche Pannen und chronische Verspätungen der Cisalpino-Züge zerstörten den Ruf der AG. Kunden protestierten wegen der schlechten Qualität. Das Bundesamt für Verkehr hatte gar einen Konzessionsentzug ins Auge gefasst.

Die SBB musste sogar Zusatzzüge am Gotthard einsetzen, um eine gewisse Fahrplanstabilität zu garantieren.

Die Marke 'Cisalpino' verschwindet

Mit dem Fahrplanwechsel am kommenden 13.Dezember wird die Marke 'Cisalpino' verschwinden. Die beiden Bahnen werden die Züge zwischen den Nachbarländern wieder in eigener Regie führen.

"Damit kehren wir zurück zum bewährten Routemanagement", sagt die SBB. Das bedeutet: Die operative Verantwortung für die Züge wechselt an der Landesgrenze zur Partnerbahn.

Das neue Angebotskonzept sieht vor, am Lötschberg drei Zugspaare, am Simplon vier und auf der Gotthardachse sieben Zugspaare zu führen. Die Einigung zwischen SBB und Trenitalia regelt zudem die Aufteilung der bestehenden Cisalpino-Flotte.

Pannenanfällige Neigezüge bleiben im Einsatz

Von den neun alten ETR-470-Neigezug-Kompositionen übernimmt Trenitalia fünf und die SBB vier Kompositionen. Die erst teilweise ausgelieferte Flotte der 14 neuen ETR-610-Kompositionen wird je hälftig zugeteilt.

Bei der Wartung sind die Bahngesellschaften jeweils für ihre Züge zuständig.

Dies bedeutet indes, dass die pannenanfälligen ETR-470-Neigezüge zumindest am Gotthard weiter im Einsatz sein werden. Ungelöst sind zudem die Ursachen, welche die Verspätungen der Cisalpino-Züge in Italien ausgelöst haben.

Überlasteter Knoten Mailand bleibt ebenfalls

Dazu gehört die chronische Überlastung des Knotens Mailand sowie das Vorfahrtsrecht von Regionalzügen vor internationalen Zügen in Italien. Dieses Kernproblem der Italien-Schweiz-Verbindung müssen die italienischen Bahnen lösen.

Pro Bahn, die Interessensgemeinschaft der Bahnbenutzer, begrüsst prinzipiell den Entscheid. "Wir wollen einfach, dass die Fahrplansicherheit am Gotthard wieder gegeben ist", sagt Pro-Bahn-Präsident Edwin Dutler.

Sein Stellvertreter Kurt Schreiber erklärt: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV zeigte sich erfreut. Es sei richtig, auf ein klassisches Kooperationsmodell zu wechseln.

Mitarbeitende und Management von Cisalpino zeigten sich gestern enttäuscht vom Entscheid ihrer Muttergesellschaften. Die Auflösung der Gesellschaft wird für die rund 40 Mitarbeiter aber keine Entlassungen zur Folge haben. SBB und Trenitalia haben sich zu einer Übernahme des Personals verpflichtet.

Liberalisierung der Schiene eröffnet Chancen

In Zukunft könnte die SBB allenfalls erwägen, Züge in Eigenregie bis nach Italien zu fahren. Denn ab 2010 wird der europäische Personenverkehr beziehungsweise der Zugang zum Schienennetz liberalisiert, so wie es schon im Güterverkehr passiert ist.

Zumindest in Bezug auf das Rollmaterial dürfte sowohl den SBB als auch Trenitalia mit dem neuen ETR-610 eine gute Komposition zur Verfügung stehen. Zumindest im Vorbetrieb verkehrt der neue Neigezug, der noch den Schriftzug Cisalpino trägt, zwischen Mailand und Genf nahezuh pannenfrei und wird von den Fahrgästen gut akzeptiert.

Gerhard Lob, Lugano, swissinfo.ch

Cisalpino 1993-2009

Die Cisalpino AG wird am 23. November 1993 durch Trenitalia SpA und SBB gegründet. Die beiden Staatsbahnen halten einen Anteil von je 50 Prozent an der Tochtergesellschaft.

Seit Dezember 2005 ist die Cisalpino AG für sämtliche internationalen und alpenquerenden Tagesverbindungen zwischen der Schweiz und Italien verantwortlich.

Die Hauptstrecken sind Genf-Brig-Mailand, Basel-Bern-Lötschberg-Mailand und Zürich-Gotthard-Mailand und umgekehrt.

Der Sitz ist in Bern. Pro Jahr werden rund 12 Mio. Passagiere transportiert.

Im Februar 2009 verlangt das Bundesamt für Verkehr (BAV) wegen der Häufung der Pannen einen Bericht. Der angedrohte Konzessionsentzug erfolgt nicht. Den Verbesserungen wird Rechnung getragen.

Das Rollmaterial besteht aus den alten Neigezügen ETR-470 sowie aus der neuen Generation ETR-610, von denen seit kurzem zwei Kompositionen zwischen Mailand und Genf im Vorbetrieb verkehren.

Zudem hat Cisalpino konventionelles Rollmaterial in Betrieb. Dessen Qualität ist häufig unzureichend.

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