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Crossair-Absturz: Diskussion um Sicherheit der Piste 28

An der Absturzstelle schreiten die Untersuchungs-Arbeiten voran, erste grosse Wrackteile wurden abtransportiert. Keystone

Der Absturz einer Crossair-Maschine gibt weiterhin Rätsel auf. Sicher ist bisher nur, dass die Maschine im Landeanflug zu tief flog.

Dieser Inhalt wurde am 28. November 2001 - 07:47 publiziert

Die Flughöhe der Unglücks-Maschine war auf dem Radar der Flugverkehrs-Leitung sichtbar. Die Einhaltung der Flughöhe liegt aber nicht in der Verantwortung der Flugsicherung, wie Patrick Herr vom Flugsicherungs-Dienst skyguide am Dienstag erklärte.

Für die Überwachung der Flughöhe sei der Pilot verantwortlich. Der Fluglotse, der zum Unglücks-Zeitpunkt Dienst hatte, werde derzeit betreut.

Kontakt Leuenberger-Bodewig

Zur andauernden Diskussion um die Sicherheit der Piste 28, wo die Unglücks-Maschine hätte landen sollen, erklärte skyguide-Vertreter Patrick Herr, zwar könne der Sicherheits-Zustand der Piste erhöht werden, doch wäre es falsch, die Piste als gefährlich zu bezeichnen. Auch das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und die Flughafen-Betreiberin wollen nicht von einer gefährlichen Piste sprechen.

Der Verband Deutscher Flugleiter kritisierte hingegen die im Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland festgelegte Anflug-Regelung. Der im Vertrag festgelegt Passus zu dem Anflugverfahren in Zürich-Kloten entspreche nicht den Erfordernissen eines sicheren Flugbetriebs nd müsse angepasst werden.

Der deutsche Verkehrsminister Kurt Bodewig hatte Bundespräsident Moritz Leuenberger am (gestrigen) Montag telefonisch versichert, bei schlechtem Wetter sei der Nordanflug uneingeschränkt möglich. Weitere Kontakte zwischen den beiden Ländern stehen an.

Die SVP-Fraktion der eidgenössischen Räte warf derweil bereits am Dienstag die Frage auf, ob der Crossair-Absturz nicht hätte verhindert werden können, wenn Bedenken in Bezug auf den Anflug auf Piste 28 berücksichtigt worden wären.

Auswertung der Flugdaten-Schreiber

In Paris kam derweil die Auswertung der Flugdaten-Schreiber (Black Boxes) voran. Die Daten seien gut verwertbar, sagte Jean Overney, Chef des Büros für Flugunfall-Untersuchungen (BFU). Allerdings sei noch offen, wann die ersten Resultate bekannt gegeben werden können. Auch sei noch immer unklar, welcher der beiden Piloten die Maschine geflogen hatte.

Für die Analyse der Flugdaten werden die 80 bis 1500 im Flugschreiber gespeicherten Flug-Parameter synchronisiert mit den Gesprächen im Cockpit, die im Stimmenrecorder festgehalten sind. Diese Daten müssen wiederum abgestimmt werden mit den Dialogen zwischen den Piloten und dem Flughafen-Kontrollturm.

Aufgrund dieser Arbeiten ist es dann eventuell möglich, die Ereignisse vor dem Absturz zu rekonstruieren.

Kein Kommentar zu Spekulationen

BFU-Direktor Jean Overney wollte Spekulationen in den Medien, wonach Piloten anderer landender Maschinen den Tower kurz vor dem Absturz auf schlechte Sichtverhältnisse bei Piste 28 aufmerksam gemacht hätten, nicht kommentieren.

Und die Crossair dementierte Gerüchte entschieden, wonach dem Jumbolino der Treibstoff ausgegangen sei.

Die Flugdaten-Schreiber waren nach Paris geschickt worden, weil das französische Untersuchungsbüro über ein Speziallabor zum Entziffern der Bänder verfügt - laut Overney eine besonders heikle Arbeit. Die Spezialisten in Paris arbeiten eng zusammen mit der British Aerospace, wo der Jumbolino Typ RJ100 hergestellt wurde.

Swissair-Piloten verteidigen Anflugverfahren auf Piste 28  

Die Vereinigung der Swissair-Piloten Aeropers hat sich von der Kritik am Anflugverfahren auf die Piste 28 auf dem Flughafen Zürich-Kloten distanziert. Die seit dem Absturz der Crossair heftig diskutierte Anflugregelung sei ein Standardverfahren, das zum Beispiel auch auf dem Kennedy-Flughafen in New York angewandt werde.

Die Arbeitsbelastung für die Piloten sei bei dem so genannten VOR-Anflug-Verfahren nur unwesentlich höher als bei einem Anflug mit dem Instrumentenlande-System ILS. Die Swissair-Piloten relativierten die Diskussionen auch mit dem Hinweis, dass ein Durchstartmanöver ein normales und jederzeit sicheres Manöver sei und bei jedem Anflug immer in die Planung miteinbezogen werden müsse.

Grosse Wrackteile geborgen

Am Absturzort gingen die Arbeiten planmässig voran, wie Einsatzleiter Bruno Keller vor Ort sagte. Am Dienstagnachmittag wurde mit dem Abtransport grosser Trümmerteile aus dem Waldstück bei Bassersdorf begonnen.

Das noch weitgehend intakte Heck muss vor dem Abtransport zerlegt werden. Die Arbeiten am Unfallort sollen spätestens Ende Woche abgeschlossen sein. Immer noch wurden weitere persönliche Utensilien der Absturzopfer gefunden.

Die Wrackteile werden in einem Armeelager in der Flughafenregion gelagert. Noch ist nicht klar, ob eine Rekonstruktion des ganzen Flugzeugs oder von Teilen davon für die Ermittlungen nötig werde, sagte BFU-Direktor Overney.

Noch zwei Überlebende in kritischem Zustand

Fünf von neun Überlebenden waren laut Crossair-Sprecher Andreas Schwander am Dienstag weiter im Spital, zwei davon in kritischem Zustand.

Die Trauerfeier für die 24 Absturzopfer findet kommenden Donnerstag in Basel statt und wird live nach Kloten sowie Lugano-Agno und Genf-Cointrin übertragen. Als Vertreter der Regierung wird der Vizepräsident des Bundesrates, Kaspar Villiger, an der Trauerfeier teilnehmen.

swissinfo und Agenturen

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