Navigation

Chaotische Lage in Bagdad

Die Plünderungen in Bagdad erschweren die humanitäre Hilfe weiter. Keystone

Nach dem Zusammenbruch des Regimes drohen Irak nun die Auflösung der öffentlichen Ordnung und ein Machtvakuum. Die Lage für die Bevölkerung ist teilweise dramatisch, in Bagdad wurden gar Spitäler geplündert.

Dieser Inhalt wurde am 10. April 2003 - 19:08 publiziert

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hält in Bagdad die Stellung.

Am meisten leiden die Menschen in Bagdad und in anderen Städten unter dem Wassermangel. Weite Teile Bagdads sind nach den Kämpfen der letzten drei Wochen von der Wasserversorgung abgeschnitten. Auch die Stromversorgung liegt danieder.

Aufruf an die Truppen

Die Lage für die bereits darbende Bevölkerung wird nun zusätzlich erschwert durch den Zusammenbruch von Recht und Ordnung. Das IKRK rief die US-Truppen in der irakischen Hauptstadt dazu auf, die zivilen Einrichtungen zu schützen. Dazu gehörten Spitäler sowie Anlagen zum Wasserpumpen und Aufbereiten.

"Die Situation ist chaotisch, die Sicherheitslage sehr prekär. Es hat sehr viele Bewaffnete auf den Strassen, die Plünderungen halten an", sagt IKRK-Sprecher Florian Westphal aus Genf gegenüber swissinfo.

"Viele Menschen trauen sich kaum, ihre Häuser zu verlassen."

Spitäler geplündert

Sogar Spitäler seien angegriffen worden. "Das Al-Kindi-Spital wurde von Bewaffneten völlig geplündert. Sie nahmen alles Tragbare mit, Betten sowie medizinische und technische Ausrüstungen."

In den Spitälern in Bagdad fehlt es bereits jetzt an Medikamenten. Aufgrund der angespannten Lage konnten die IKRK-Teams nicht wie erhofft die Spitalbesuche wieder aufnehmen.

Im grossen Spital-Komplex Medical City blieb deshalb die Wasserversorgung unterbrochen. Auch andere Teile der Stadt, die von der Wasserversorgung abgeschnitten sind, konnten nicht beliefert werden.

Als einzige internationale Organisation war das IKRK seit Ausbruch des Kriegs noch mit ausländischem Personal in Irak tätig gewesen. Am Mittwoch war die Arbeit aus Sicherheitsgründen suspendiert worden.

Am Dienstagabend war eine IKRK-Wagenkolonne unter Beschuss gekommen. Ein kanadischer IKRK-Delegierter wurde dabei so schwer verletzt, dass er starb. Bei dem Feuergefecht waren zudem 12 weitere Personen getötet worden.

Unsichere Lage auch im Rest des Landes

Trotz der wachsenden Spannung bleibe das IKRK aber in Bagdad. "Wir tun alles, um die Sicherheit unseres Personals zu gewährleisten. Wir haben schon den tragischen Tod eines Delegierten zu verkraften. Wir tun alles, was wir können, damit sich so etwas nicht wiederholt", unterstreicht Westphal.

Die unsichere Lage stellt die humanitären Organisationen im ganzen Land vor Probleme. Auch in Basra und den meisten Städten im Süden Iraks blieb die Wasserversorgung unterbrochen.

Immerhin gelang es IKRK und UNICEF, in Basra mit Lastwagen Trinkwasser zu verteilen. Zudem unterstützten das IKRK Reparaturarbeiten zur Instandstellung der Wasser-Aufbereitungsanlage Bradayia und der grössten Wasserpump-Anlage in Basra.

DEZA kehrt noch nicht zurück

Nach dem Zusammenbruch des Regimes verfolgt man die Entwicklung der Lage auch bei der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) aufmerksam. Die DEZA hatte ihr Schweizer Personal vor Kriegsbeginn aus Irak nach Amman (Jordanien) abgezogen.

Eine Rückkehr stehe noch nicht zur Diskussion, sagt DEZA-Sprecher Johannes Ahrens. "Grosse Sorge macht uns - wie der UNO und anderen humanitären Organisationen - die Sicherheitslage. Der Tod des IKRK-Delegierten hat uns nicht nur betroffen gemacht; er zeigte auch, wie unsicher die Lage nach wie vor ist. Besorgniserregend ist die Auflösung der zivilen Strukturen, die nun eingesetzt hat."

Die DEZA habe dem UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) unterdessen drei weitere Leute zur Verfügung gestellt. Sie unterstützen das UNHCR bei der Erstellung von Flüchtlingslagern in Iran. Eine weitere Person arbeitet für das IKRK in Amman.

Auch wenn die US-Truppen Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht hätten, bedeute dies noch nicht, dass die Hauptstadt nun sicher sei. Darauf deuteten auch Aussagen von Militärs hin, dass es nicht ihre Aufgabe sei, dieser Auflösung entgegenzutreten. Unterstrichen werde diese Aussage dadurch, dass die Militärs bis jetzt nicht gegen Plünderungen eingeschritten seien.

Die DEZA hat bisher in diesem Jahr insgesamt 7,5 Mio. Franken für die Irak-Hilfe eingesetzt. Die letzte Tranche von einer Million ging an das IKRK.

Problem: Humanitäre Hilfe und Militär

Auch die privaten Schweizer Hilfswerke, die in der Region zumeist mit andern Organisationen zusammenarbeiten, sind bereit, ihre Projekte zu verstärken. In erster Linie geht es darum, Hilfsgüter nach Irak liefern zu können. Keine einfache Aufgabe angesichts der unklaren Lage auf dem Terrain.

Eigentlich sind die fremden Militärs in den von ihnen kontrollierten Regionen verantwortlich dafür, die Menschen dort zu versorgen. Doch diese Art der Hilfe stösst bei humanitären Organisationen auf Skepsis.

Es bestehe die Gefahr einer "selektiven Wahrnehmung der Opfer", erklärt zum Beispiel Rolf Stocker vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH). "Wir aber fordern einen bedingungslosen Zugang zur darbenden Zivilbevölkerung."

Auch Karl Schuler vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) verweist darauf, dass militärische humanitäre Hilfe oftmals nicht wirklich unabhängig sei. In den Städten herrsche zur Zeit eine anarchische Lage.

swissinfo, Rita Emch

In Kürze

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) umschreibt die Lage in der irakischen Hauptstadt als chaotisch.

Bewaffnete Banden zogen plündernd durch die Stadt. Sogar Spitäler wurden geplündert.

Die Stimmung sei sehr gespannt, viele Menschen hätten Angst, ihre Häuser zu verlassen.

Das IKRK rief die US-Truppen in Bagdad dazu auf, die zivilen Einrichtungen zu schützen. Dazu gehörten Spitäler sowie Anlagen zum Wasserpumpen und Aufbereiten.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?