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CH/Volkszählung: Nur noch wenige müssen Fragen beantworten (AF)

Dieser Inhalt wurde am 21. Dezember 2010 - 13:29 publiziert

(Meldung umfassend erweitert)
Bern (awp/sda) - Eine Volkszählung gibt es neu nicht mehr alle zehn Jahre, sondern jährlich. Befragt wird jedoch nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung: Die meisten Informationen entnehmen die Volkszähler bestehenden Registern.
Die neue Volkszählung sei günstiger, schneller und thematisch breiter abgestützt, sagte Jürg Marti, der Direktor des Bundesamtes für Statistik (BFS), am Dienstag vor den Medien in Bern. Damit könne der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel besser analysiert werden.
Der erste Stichtag für die neue Volkszählung ist der 31. Dezember 2010. Zur Erhebung von Bevölkerungszahl und -zusammensetzung nutzt das BFS die kantonalen und kommunalen Einwohnerregister, die Personenregister des Bundes sowie das eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister.
Die Registererhebung liefert Informationen zu Alter, Geschlecht, Zivilstand oder Nationalität. Zur Ergänzung werden 200'000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Personen schriftlich befragt. Diese Strukturerhebung liefert Informationen zu Familie, Wohnen, Arbeit, Mobilität, Bildung, Sprache und Religion.
Die Fragebögen werden ab dem 3. Januar verschickt. Wer einen solchen Fragebogen erhält, muss ihn auszufüllen. Marti rechnet damit, dass die meisten dies auch tun: Die Erfahrungen früherer Jahre zeigten, dass die "Verweigerer-Quote" sich im Promille-Bereich bewege.
Zu Register- und Strukturerhebung hinzu kommen Telefon-Befragungen bei 10'000 bis 40'000 Personen. Im Turnus wird dabei jährlich eines von fünf Themen unter die Lupe genommen. Im Jahr 2010 ist es das Thema Mobilität und Verkehr, 2011 wird es Aus- und Weiterbildung sein. Es folgen die Themen Gesundheit, Familien und Generationen sowie Sprache, Religion und Kultur.
Jährlich führt das Bundesamt für Statistik zudem eine Erhebung zu einem aktuellen Thema bei 3000 Personen durch. Damit könnten aktuelle Fragen rasch beantwortet werden, sagte Marti. Die erste solche Erhebung fand im Mai 2010 zu Internet und E-Commerce statt.
Mit der neuen Art der Volkszählung wird jede Person im Durchschnitt einmal in 12 bis 13 Jahren befragt. Bisher mussten jeweils alle zehn Jahre sämtliche Personen einen Fragebogen ausfüllen. Mit dem Verzicht auf die Vollerhebung können laut Marti 100 Mio CHF eingespart werden. Für alle Erhebungen bis 2015 fallen Kosten von rund 69 Mio CHF an.
Ein weiterer Vorteil ist der geringere Aufwand für die Bevölkerung und die Gemeinden. Zudem liegen die Ergebnisse rascher vor. Die Basisstatistik wird für Ende August 2011 erwartet, die Ergebnisse zur Mobilität sollen Anfang 2012 vorliegen.
Der Bedarf nach Statistiken habe zugenommen, sagte Marti. Die Daten bildeten eine wichtige Grundlage für viele Entscheide. So würden etwa die Nationalratssitze auf Basis der Ergebnisse den Kantonen zugeteilt. Auch für den Finanzausgleich zwischen den Kantonen oder für die Verkehrsplanung würden die Daten genutzt. Ausserdem dienten sie internationalen Vergleichen.
Mit der neuen Volkszählung erhalte die Schweiz ein modernes statistisches System, betonte der BFS-Direktor. Die Grundlagen dafür geschaffen hat das Parlament. Damit das neue System funktionieren kann, mussten die Kantone in den letzten Jahren ihre Register harmonisieren.
rt

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