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Bushs militärische Optionen sind begrenzt

Nach den grauenvollen Terroranschlägen in New York und Washington zweifelt kaum jemand daran, dass die USA einen Vergeltungsschlag gegen die in Afghanistan vermuteten Täter führen werden. US-Präsident George W. Bush wolle möglichst bald handeln, verlautete am Donnerstag aus Kreisen des Weissen Hauses. Die militärischen Optionen der USA sind allerdings sehr begrenzt.

Dieser Inhalt wurde am 13. September 2001 - 12:23 publiziert

Bush hat die Anschläge auf das World Trade Center und das Verteidigungsministerium als Kriegshandlungen bezeichnet - und damit eine entsprechende militärische Antwort angekündigt.

"Nach dem blutigsten Tag in der amerikanischen Geschichte seit dem Bürgerkrieg können diese amerikanischen Toten nicht ungesühnt bleiben", sagt der Verteidigungsexperte Dan Benjamin vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien. "Das würde Amerika nicht ertragen."

Bei einer Umfrage des Fernsehsenders ABC mit der Zeitung "Washington Post" sagten neun von zehn Befragten, sie seien zuversichtlich, dass die Verantwortlichen gefunden und bestraft werden würden. Und zwei Drittel einer Umfrage des Senders CBS waren der Ansicht, dass die USA auch dann Vergeltung üben sollten, wenn dabei unschuldige Menschen getötet werden.

"Niemand sollte die Schwierigkeit unterschätzen, ein bestimmtes Individuum wie Osama Bin Laden aufzuspüren", sagt der ehemalige Direktor des Geheimdienstes CIA, Robert Gates. "Das ist eine hochkomplizierte Herausforderung für die Geheimdienste." Der CIA-Chef während der Regierungszeit von Bushs Vater erinnert an die Schwierigkeit, bei der US-Invasion in Panama im Dezember 1989 den damaligen Diktator Manuel Noriega zu finden. Und im Golfkrieg von 1991 habe der irakische Staatschef Saddam Hussein "nicht auf seiner Veranda auf uns gewartet".

Erinnerung an sowjetische Invasion in Afghanistan

Nach den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania versuchte Bushs Vorgänger Bill Clinton 1998 vergeblich, den mutmasslichen Urheber Bin Laden zu fassen. Er ordnete gezielte Angriffe auf den Stützpunkt Bin Ladens in Afghanistan und auf eine angebliche Chemiewaffenfabrik in Sudan an.

Aber Bin Laden blieb unverletzt, und beim Angriff auf die Fabrik in Sudan überwogen schliesslich die Zweifel, ob es sich wirklich um ein gerechtfertigtes Ziel gehandelt hatte.

"Marschflugkörper sind keine Gewehre", sagt Sandy Berger, der Nationale Sicherheitsberater während der Regierung von Bill Clinton. Und Afghanistan sei 1'600 Kilometer von internationalen Gewässern entfernt, von denen Cruise Missiles abgeschossen werden könnten.

"Es gibt keine einfache militärische Antwort", sagt auch der Direktor des Internationalen Forschungszentrums Woodrow Wilson, Lee Hamilton. Möglicherweise müsse Bush den Einsatz von Bodentruppen in Betracht ziehen, um wirksam etwas gegen Bin Laden zu unternehmen. "Die gewöhnliche Haltung, Kriege möglichst ohne Opfer zu führen, wird hier in Frage gestellt."

Aber jeder Gedanke an den Einsatz von Bodentruppen führt sofort die gescheiterte Afghanistan-Invasion der Sowjetunion ins Gedächtnis. Vom Einmarsch im Jahr 1979 bis zum Abzug zehn Jahre später verloren 40'000 bis 50'000 sowjetische Soldaten ihr Leben.

swissinfo und Tom Raum (AP)

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