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Bündner Berge werden teurer

Die Standseilbahn Punt Muragl-Muottas Muragl (GR) ist ab 1.5.2002 nur noch zum vollen Tarif benützbar. Keystone Archive

Die Bündner akzeptieren auf ihren Bergbahnen ab nächstem Frühling das Halbtax-Abo nicht mehr - und verursachen Kopfschütteln.

Dieser Inhalt wurde am 27. Dezember 2001 - 15:14 publiziert

Der Ausstieg aus dem Halbtax-Verbund sei auf den 1. Mai nächsten Jahres geplant, hiess es bei den Oberengadiner Bergbahnen in St. Moritz am vergangenen Montag, nachdem bekannt geworden war, dass sechs von neun Bergbahnen im Oberengadin Halbtax-Abo, General-Abonnement und Familienkarte demnächst nicht mehr akzeptieren werden. Bei zwölf Bahnunternehmen aus Nord- und Mittelbünden hat das Halbpreis-Abo bereits auf Anfang Jahr seine Gültigkeit verloren.

Geschrumpfte Einnahmen hätten diesen Schritt notwendig gemacht, argumentieren die Bündner. Sie erhielten künftig weniger Geld aus dem Halbtax-Verteiltopf. Der Grund: Mehrere städtische Verkehrsbetriebe sind dem Verbund beigetreten und melden nun ebenfalls finanzielle Ansprüche an. Ein neuer Verteilschlüssel musste geschaffen werden, der den Bergbahnen deutlich weniger Geld zuschanzt.

Bündner stehen allein

Die Bündner sind schweizweit die einzigen Bergbahnen-Betreiber, die sich aus dem Halbtax-Verbund verabschieden. Im Berner Oberland, in der Innerschweiz und im Wallis denkt man - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht daran, sich von der alten Halbtax-Philosophie zu verabschieden: Tiefe Preise locken mehr Kundschaft an und führen zu grösseren Einnahmen.

Hans-Jörg Matter, Geschäftsführer des Verbandes Bündner Bergbahnen, rechtfertigte den Austritt aus dem Verbund in der Zeitung "Blick" mit dem Argument, dass ausländische Touristen, die in der Regel kein Halbtax-Abo besitzen, gegenüber Schweizerinnen und Schweizern fortan nicht mehr benachteiligt wären.

Will heissen: Die Bündner werden künftig einen einheitlichen Fahrpreis verrechnen, der vermutlich leicht unter dem jetzigen Volltarif liegt. Die Hoffnung besteht darin, dass die zufrieden gestellten ausländischen Touristen unter dem Strich mehr Ertrag bringen, als dies die inländischen Halbtax-Besitzer je taten.

Milchmädchen-Rechnung?

Eine Milchmädchen-Rechnung sei das, erklärt Hans Kaspar Schiesser vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV) gegenüber swissinfo. Auch wenn es verständlich sei, dass viele Betreiber ihre wenig rosige finanzielle Situation zu verbessern suchten, biete das Bündner Experiment wohl kaum einen Ausweg.

"Im Wallis haben Bahnbetreiber das Ausstiegs-Modell bereits verschiedentlich durchgerechnet und sind zu negativen Ergebnissen gekommen. Die Hoffnung auf bessere Erträge ist eine Mutmassung, die viele Finanzexperten als falsch erachten", erklärt Schiesser. "Es könnte durchaus sein, dass diese Bahnen nach zwei Jahren reumütig wieder in den Gültigkeitsbereich des Halbtax-Abos zurückkehren."

Ein "falsches Signal"

Aber auch unabhängig von rein finanziellen Überlegungen hält der VöV den Bündner Entscheid für "eine schlechte Nachricht". Der Geltungsbereich des "weltweit einzigartigen" Abonnements dürfe nicht eingeschränkt werden, betont Schiesser. "Für alle, die für den öffentlichen Verkehr eintreten, ist das, was in Graubünden geschieht, eine Enttäuschung."

Die Bündner Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) hält den Entscheid aus ökologischer Sicht für problematisch. Durch den Ausstieg werde ein "falsches Signal" gesetzt. Feriengäste, die per Bahn anreisen, würden dadurch zu Touristen zweiter Klasse degradiert. Der mit dem Auto anreisende Gast werde bevorzugt.

Felix Münger

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