Bührer soll Präsident von economiesuisse werden
Der Vorstandsausschuss des Dachverbands der Schweizer Wirtschaft hat den freisinnigen Schaffhauser Nationalrat Gerold Bührer einstimmig zum neuen Präsidenten vorgeschlagen.
Die Wahl des 58-jährigen Wirtschaftsvertreters und Politikers als Nachfolger von Ueli Forster ist auf den 20. November angesetzt.
Die Wahlempfehlung wurde vom 13-köpfigen Vorstandsausschuss des Dachverbands der Schweizer Wirtschaft einstimmig gefasst.
Der jetzige Präsident Ueli Forster wollte eigentlich Ende August zurücktreten. Er musste sein Mandat aber verlängern, nachdem der designierte Nachfolger Andreas Schmid zehn Tage vor Amtsantritt seinen Verzicht bekannt gegeben hatte.
Der Kuoni-Chef Schmid war beim Reiseveranstalter nach strategischen Meinungsverschiedenheit zurückgetreten und hatte auch auf das Amt des economiesuisse-Präsidenten verzichtet.
Bührer soll sein Amt unmittelbar nach der Wahl antreten, und zwar wie bisher auf ehrenamtlicher Basis. Sein Nationalratsmandat wird der Schaffhauser laut der Mitteilung abgeben.
Richtungsstreit
Bührer wurde in den vergangenen Tagen als Wunschkandidat gehandelt, weil er Erfahrungen aus der Industrie und dem Finanzplatz mitbringt und exzellente Kontakte auf politischer Ebene hat.
Man traut dem Schaffhauser auch zu, die in den letzten Monaten aufgebrochenen Gräben innerhalb des Wirtschaftsdachverbands wieder einebnen zu können. Insbesondere soll Bührer economiesuisse in ruhigere Gewässer führen, nachdem ein Richtungsstreit entbrannt ist.
Weisse Fahne?
Dass dies gelingen könnte, zeigt die Reaktion von Swissmem-Präsident Johann Niklaus Schneider-Ammann. "Er hat unsere Wertschätzung", sagte der Präsident des Dachverbands der Maschinen- und Metallindustrie. Er hoffe, dass noch dieses Jahr eine Lösung gefunden werde, so dass Swissmem die economiesuisse gar nicht verlassen müsse.
Vertreter des Werkplatzes Schweiz fühlen sich gegenüber globalen Finanz- und Pharmaunternehmen benachteiligt. Einige Mitglieder, darunter Swissmem, hatten sogar vorsorglich die Mitgliedschaft gekündigt. Bührer versicherte ihnen, er stehe für den Finanzplatz und Werkplatz Schweiz ein.
Durch Höhen und Tiefen
Mit Gerold Bührer soll ein sturmerprobter "Mann der Wirtschaft" das Ruder bei economiesuisse übernehmen. Allerdings standen ihm seine Beziehungen auch schon mal im Weg: Im April 2001 als Nachfolger des Urners Franz Steinegger als Präsident der Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz (FDP) angetreten, um die Partei wieder aus einem Tief herauszuführen, geriet er zusehends unter Druck.
Seine Tätigkeit im Verwaltungsrat bei der angeschlagenen Rentenanstalt sorgte für negative Schlagzeilen und Kritik aus den eigenen Reihen. Vor den Entscheid zwischen Politik und Wirtschaft gestellt, entschied er sich für das Mandat bei der Rentenanstalt.
FDP-Präsidium als Belastung
Im November 2002 trat Bührer als FDP-Präsident zurück - weil das Doppelmandat zur Belastung geworden sei. Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen wollte er wohl auch seine Partei von einer Hypothek befreien.
Denn die Rentenanstalt war unter anderem wegen des umstrittenen Anlage-Vehikels Long Term Strategy (LTS) für ihre Manager unter Beschuss geraten.
Gegenwärtig sitzt der Ökonom wieder als Nationalrat im Schweizer Parlament. Dort tritt Bührer vor allem als Finanz- und Wirtschaftspolitiker in Erscheinung.
swissinfo und Agenturen
Unruhige Zeiten
Economiesuisse macht gegenwärtig turbulente Zeiten durch: Verschiedene Mitglieder traten aus oder drohten mit dem Austritt:
Die Aluminium-Branche sowie die Bauunternehmer kehrten dem Dachverband den Rücken.
Swissmem, die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, drohte diesen Schritt an.
Gerold Bührer
1948 in Hofen (Schaffhausen) geboren.
Er macht als Ökonom in der Bankenbranche Karriere und wird Mitglied in mehreren Verwaltungsräten.
1991 Wahl in den Nationalrat für die Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz (FDP). Er wird Präsident der Finanzkommission.
2001 übernimmt er das Präsidium der FDP.
Nach wenig glücklicher Zeit gibt Bührer die Parteispitze nach rund einem Jahr wieder ab.

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