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Börsenbaisse lässt Hilfswerke kalt

Wohltätige Organisationen sehen ihre Projekte nicht gefährdet Keystone Archive

Die wohltätigen Organisationen der Schweiz wollen trotz der jüngsten Baisse der Weltbörsen weiter in Wertpapiere und Aktien investieren.

Dieser Inhalt wurde am 03. August 2002 - 19:13 publiziert

Nicht nur Pensionskassen haben unter den Turbulenzen der Weltbörsen gelitten. Auch eine Reihe von Schweizer Hilfswerken, die an der Börse ihr Geld vermehren wollten, haben Einbussen erlitten.

Mit Spenden an die Börse

Wer Geld spendet - zum Beispiel bei einer Kampagne zur Nahrungsmittelhilfe an Hungernde im südlichen Afrika oder für den Wiederaufbau von Schulen in den palästinensischen Gebieten - weiss oft nicht, dass ein Teil dieses Geldes an der Börse angelegt wird.

Die Glückskette Schweiz, eine Stiftung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, investiert 12 Prozent ihres Vermögens - rund 17 Millionen Schweizer Franken - in Wertpapiere und Aktien.

Der erzielte Gewinn wird zur Deckung der Unkosten eingesetzt, denn so kann nach Angaben der Glückskette jeder gespendete Rappen in die Projekte gesteckt werden.

Als der Aktienmarkt auf dem tiefsten Punkt war, fiel der Wert des von der Glückskette investierten Betrags um 24%. Zur Zeit sind es noch minus 18%.

Minimales Risiko

Trotzdem will die Organisation diese Strategie nicht aufgeben, denn das Risiko ist sehr klein. "Kurzfristig könnte dies zwar Probleme machen, aber bei uns ist das nicht der Fall, denn wir sind nicht in einer Situation, in der wir schnell alle Aktien verkaufen müssten", sagt der Geschäftsführer der Glückskette, Félix Bollmann.

"Wir spekulieren nicht, und wir spielen nicht. Wir investieren einen Teil unserer Reserve langfristig. Mit diesem System verdienten wir in den letzten Jahren recht viel, und wir sehen nicht ein, warum wir die Strategie ändern sollen", sagt er gegenüber swissinfo.

Durch die Fluktuationen des Aktienmarktes seien keine Projekte gefährdet, fügt er an. Laut Bollmann konnten gar allein durch die Gewinne an der Börse jedes Jahr Projekte für 2000 arme Familien in der Schweiz finanziert werden. Und dies zusätzlich zu den anderen humanitären Programmen.

Keine Gefährdung der Projekte

Andere Organisationen wie das katholische Hilfswerk Caritas und sein protestantisches Pendant, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS), investieren ebenfalls einen Teil ihrer Gelder an der Börse.

Armin Zehnder vom HEKS erklärte gegenüber swissinfo, dass es "nicht mehr als 30 Prozent" des Vermögens seien, und fügte bei, durch die Börsenbaisse seien keine Projekte gefährdet.

Vom Gesamtvermögen von rund 48 Millionen Schweizer Franken investiert die Caritas Schweiz rund 6 Millionen in Aktien und 12 Millionen in Kapitalanlagen. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin Cash schätzt, dass die Organisation im Jahr 2001 rund 3,4 Millionen Franken verloren habe. Laut Caritas waren es 1,2 Millionen.

Keine Spekulation

Das katholische Hilfswerk weist Vorwürfe zurück, wonach es mit den Spenden spekuliere oder Geld horte, statt es für Projekte auszugeben. Wie für andere Hilfswerke, welche an der Börse investieren, gehören Börsenanlagen auch für Caritas zur langfristigen Strategie.

Solche Anlagen sind aber ein Risiko, das andere wohltätige Organisationen nicht eingehen wollen. Terre des Hommes hat es sich zur Politik gemacht, kein Geld an der Börse zu investieren.

"Wir wollen, dass die Spenden so schnell wie möglich zu den Menschen gelangen, welche sie brauchen", sagt Alain Betrand, der Finanzdirektor der in Lausanne ansässigen Stiftung.

Und erklärt: "Unser Ziel ist es nicht, möglichst viel Gewinn zu machen, sondern unsere Finanzen zu erhalten."

Roy Probert
Aus dem Englischen übertragen von Charlotte Egger

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