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BEST OF---LESEN---Schlossleben für Rücksack-Touristen

Schloss Rotberg am Nordfuss des Blauen. swissinfo.ch

Obschon die Schweiz zu den teuersten Ländern der Welt gehört, muss man nicht unbedingt reich sein, um beim Reisen wie ein König zu leben. Es gibt nämlich ein Netzwerk von Tiefpreis-Herbergen und Hotels für Rucksack-Touristen.

Dieser Inhalt wurde am 15. November 2006 - 15:35 publiziert

Und viele dieser Unterkünfte sind in wunderschönen alten Gebäuden zu finden, unter anderem in Burgen aus dem Mittelalter.

Der derzeitige "Herrscher" von Schloss Rotberg, Thomas Krämer, rührt in einer Tomatensauce und hat gleichzeitig ein Auge auf einem Topf Pesto.

"Ich bin der König des Schlosses, der König der Küche und der Toiletten", sagt er lächelnd. "Zusammen mit meiner Frau bin ich für alles zuständig, auch für die Buchhaltung."

Corina und Thomas Krämer haben die Leitung der Jugendherberge in der Burg aus dem 13. Jahrhundert vor rund sechs Jahren übernommen. Mit all den damit verbundenen Verantwortlichkeiten.

Die Burg verfügt über mehr als 80 Betten. Oft ist sie voll ausgebucht. Armeen von Schulkindern, aber auch Individualreisende und Möchtegern-Ritter finden den Weg auf die Burg an den Jura-Hängen.

Exklusivität

Exklusive Unterkunft zu tiefen Preisen: Diese Kombination hat sich für den Verband der Schweizer Jugendherbergen und die Vereinigung der Schweizer Rücksacktouristen-Hotels als gewinnbringend erwiesen.

Das Preissegment beginnt bei 20 Franken pro Übernachtung, Halbpension ist oft für weniger als 40 Franken zu haben.

Dafür erhält man zum Beispiel ein Bett in einem mittelalterlichen Schloss, einem Zollgebäude aus dem 17. Jahrhundert, einer Jugendstil-Villa oder in einem 500 Jahre alten Herrschafts-Haus.

Die Umgebung dieser Unterkünfte ist oft ebenso einzigartig: Die Herbergen stehen mitten in alten Städten, am Ufer eines Sees, thronen über imposanten Wasserfällen. Oder sie ragen, wie Schloss Rotberg, aus einem Wald an einem Berghang hervor.

Das Geschlecht derer von Rotberg

Die Burg aus dem frühen 13. Jahrhundert liegt an einem Jurahang, rund 15 Kilometer südwestlich von Basel.

Sie war der Stammsitz der Ritter von Rotberg, die von dort aus über ihren Feudalbesitz herrschten, bis sie nach etwa 100 Jahren in die Stadt Basel zogen.

In den darauf folgenden Jahrhunderten zerfiel die Burg zu einer Ruine. Diese wurde dann in den frühen 1930er-Jahren wieder aufgebaut. Seit 1935 wird die Burg nun als Jugendherberge genutzt.

"Leider wurden keine der ursprünglichen Baupläne gefunden", sagt Krämers Frau Corina im Zusammenhang mit der Rekonstruktion. Dafür sei die Fantasie zum Zug gekommen.

Arbeitslose Jugendliche

Mit Hilfe arbeitsloser Jugendlicher wurde aus der Ruine eine Herberge mit mittelalterlichem Flair. Dazu gehören unter anderem die schweren Tore mit schmiedeisernen Beschlägen und die imposanten Holzbalken im Ritter-Saal, aber auch die Turmzimmer und ein Wehrgang. Für modernen Komfort kam ein zentrales Heizungssystem dazu.

Der Wiederaufbau als Jugendherberge habe dazu geführt, dass man einerseits praktisch gedacht habe. Zugleich habe man eine romantisch-mittelalterliche Atmosphäre geschaffen, sagt Corina Krämer, als sie einen kleinen Zuglift bedient, mit dem Güter und Gepäck zwischen der Burg und der tief unten liegenden Strasse transportiert werden.

In der Juraregion, in der die Rotberg steht, gibt es eine Reihe weiterer alter Burgen. So sieht man von Rotberg aus auf die fabelhafte Ruine von Schloss Landskron im benachbarten französischen Elsass.

Kloster Mariastein

Ebenfalls in der Nähe liegt das Benediktiner-Kloster Mariastein, das hoch über einer Schlucht sitzt. Dieses wurde im frühen 12. Jahrhundert gegründet.

Der Ursprung des Wallfahrtsortes Mariastein geht auf das 14. Jahrhundert zurück, als sich der Legende nach ein Wunder ereignete. Davon zeugt die Gnadenkapelle in der Felsengrotte mit einer Statue der Maria mit dem Jesuskind.

Als die Bedeutung der Abtei über die Jahre wuchs, übernahmen die Mönche die Güter der von Rotbergs. Weil sie dem Bauernbetrieb mehr Bedeutung beimassen als der Burg, richteten sie die dazu gehörenden Häuser wieder her, mit Steinen und anderem Baumaterial, das sie aus der Burg brachen.

Heute sind Mariastein und Rotberg wieder zwei von einander unabhängige Einrichtungen. Rund 150'000 Pilger besuchen pro Jahr Kloster Mariastein, während die Burg Rotberg zum Anziehungspunkt wurde für Möchtegern-Ritter und andere Mittelalter-Fans.

"Wir lebten früher in einer kleinen Wohnung und hätten nicht im Traum je daran gedacht, eines Tages in einem Schloss zu wohnen", sagt Thomas Krämer. Doch jetzt könne er sich nicht mehr vorstellen, anderswo zu leben.

"In der ersten Zeit", räumt Corina Krämer ein, "hatte ich manchmal etwas Angst". Der Gedanke, allein zu sein in der Schlosswohnung mit Blick auf den mächtigen Turm, das sei etwas einschüchternd gewesen. "Aber heute ist dies mein Zuhause."

swissinfo, Dale Bechtel, Schloss Rotberg
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)

In Kürze

In der Schweiz gibt es etliche alte Gebäude wie Burgen, Schlösser oder Herrschafts-Häuser, die als Jugend-Herbergen oder Hotels für Rucksack-Touristen genutzt werden. Eine Auswahl.

Burg Rotberg: Vom damaligen Rittergeschlecht derer von Rotberg um das Jahr 1200 erbaut. Wird seit rund 70 Jahren als Herberge genutzt und hat heute mehr als 80 Betten.

Schaffhausen: Die Jugendherberge, das Schlösschen Belair, ist ein ehemaliger Herren-Sitz. Das Haus, das Hermann Hesse in seinem Roman Rosshalde verewigte, thront über dem Rheinfall.

Solothurn: Das frühere Zoll- und Kaufhaus aus dem 17. Jahrhundert am Rande der Altstadt am Aareufer wurde vor rund 10 Jahren umgebaut zur Jugendherberge, mit einer modernen Struktur aus Glas und Stahl.

Leysin, Herberge "Hiking Sheep": Die Villa über dem Rhonetal wurde im 19. Jahrhundert erbaut, als Leysin ein wichtiger Kurort war. Heute verfügt sie über 36 Betten und liegt nahe an den Skilift-Anlagen.

Vevey, Riviera Lodge: Ein Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert an den Ufern des Genfersees. 1997 wurde das Gebäude einer Total-Renovation unterzogen und bietet heute Unterkunft für bis zu 60 Personen.

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Fakten

In der Schweiz gibt es gegen 60 Jugendherbergen.
In der Vereinigung Swiss Backpackers haben sich mehr als 20 Hotels zusammengeschlossen.

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