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Berner Forscher bohren tief in Klimageschichte

Bohrkopf und Eisbohrkern der Dome Concordia Station im Osten der Antarktis. Universität Bern

Laut Forschern der Uni Bern hat die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre den höchsten Stand der letzten 650'000 Jahre erreicht.

Dieser Inhalt wurde am 25. November 2005 - 12:29 publiziert

Das hat die Analyse eines Eisbohrkerns aus der Antarktis ergeben. Die neue Studie belegt den menschlichen Einfluss auf die Entstehung von Treibhausgasen.

Die Forscher analysierten winzige Luftblasen, die seit Jahrtausenden im Eis der Antarktis feststecken. Ihrem Bericht zufolge, der am Freitag im US-Wissenschaftsmagazin "Science" erschienen ist, war der Anteil an Kohlendioxid in der Luft in den vergangenen 650'000 Jahren nie so hoch wie heute.

Vor zwei Jahrhunderten gab es 280 Teile Kohlendioxid (CO2) auf eine Million Volumen. Heute sind es schon 380 Teile. In den vergangenen Jahrzehnten stieg die Temperatur um ein Grad.

Massiv schnellere CO2-Zunahme

In den letzten 50 Jahren sei der Anstieg des CO2 etwa 250 Mal schneller erfolgt als bei jeder Zunahme, die das Forscherteam in den Eiskernen beobachten konnte, sagte Teamleiter Thomas Stocker von der Universität Bern.

Skeptiker der Theorie über einen vom Menschen verursachten Klimawandel vermuten, veränderte Treibhausgaswerte seien auf einen natürlichen Zyklus zurückzuführen. Die neue Studie des European Project for Ice Coringin Antarctica (EPICA) liefert jedoch Beweise für die gegenteilige Annahme.

Weit über dem höchsten Wert

In den winzigen Blasen im Eis der Antarktis, die bei Schneefällen entstanden, ist die Luft Jahrtausende unverändert konserviert worden. So wurde es erstmals möglich, genaue Werte aus der Zeit vor 650'000 Jahren zu erhalten.

Der heutige Kohlendioxid-Gehalt liegt demnach um 27 Prozent über dem höchsten Wert, der in all den Jahrtausenden jemals vorkam, wie Thomas Stocker erklärte.

"Wir haben die natürlichen Schwankungen verlassen", resümiert Stocker. Der Anstieg des Kohlendioxidgehalts der letzten Jahrzehnte sei hundert Mal schneller als alle auf natürliche Zyklen zurückzuführende Schwankungen. Ähnliche Ergebnisse registrierten die Forscher für andere Gase wie Methan.

Deutliches Muster

Die Analyse des ewigen Eises zeige ein deutliches Muster auf: In warmen Perioden war der Gasanteil hoch, in kalten Perioden gering.

"Unter natürlichen Umständen sind niemals so hohe Konzentrationen wie heute entstanden", sagt der Geologe Edward Brook von der Universität Oregon. "Und die Studie zeigt den Zusammenhang zwischen Treibhausgas und Temperatur. Sie sollte uns dazu bringen, uns über eine künftige Erderwärmung Sorgen zu machen."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Das European Project for Coring in Antarctica (EPICA) ist ein multinationales europäisches Projekt für Tiefbohrungen in der Antarktis.

Beteiligte Länder: Schweiz, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen und Schweden.

Hauptziel von EPICA: Erforschung der Werte von Klima und Atmosphäre durch Bohrungen in der Antarktis und der Vergleich mit der Treibhausgas-Forschung.

Leiter des EPICA-Forschungsteam: Der Schweizer Thomas Stocker von der Universität Bern.

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