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Bergregionen von der Umwelt abgeschnitten

Am Bahnhof Interlaken Ost geht gar nichts mehr. swissinfo.ch

Nach Überschwemmungen und Erdrutschen sind mehrere Orte im Berner Oberland von der Umwelt abgeschnitten. So auch Interlaken.

Dieser Inhalt wurde am 24. August 2005 - 11:47 publiziert

Rettungsmannschaften versuchen, den Bahnhof Interlaken West – die letzte Bahnverbindung des Touristen-Ortes mit der übrigen Schweiz - vor den Fluten zu schützen.

Am Dienstag wurde Interlaken, Ausgangsort für Bergtouren und Seerundfahrten, zum Stützpunkt für Rettungsoperationen. Die Stadt liegt zwischen dem Thuner- und dem Brienzersee.

"Die Strasse nach Grindelwald wurde schwer beschädigt, ebenso die Brücke ins Lütschinental nach Grindelwald", sagt Walter Dietrich, Leiter der Rettungs-Taskforce von Interlaken, gegenüber swsissinfo.

"Das bedeutet, dass der Verkehr in das Touristendorf wochen- wenn nicht monatelang betroffen sein wird. Möglicherweise versuchen wir, eine provisorische Strasse herzurichten."

Doch nicht nur Grindelwald ist von der Umwelt abgeschnitten. Auch die Strassen nach Lauterbrunnen und in die Bergdörfer Wengen und Mürren sind gesperrt, ebenso die Strassen nach Meiringen am Brienzersee und in Dörfer im Haslital.

Zehntausende von Einwohnern der Region sind von der Aussenwelt abgeschnitten, Tausende von Touristen gestrandet. Der einzige Weg nach aussen ist der Einsatz von Helikoptern, ein gutes Business für lokale Heli-Firmen, die Passagiere zum Tarif von 120 bis 150 Franken ausfliegen.

Luftbrücke

Dietrich erwartet logistische Unterstützung von der Schweizer Armee, vor allem in Form von Helikoptern, um Luftbrücken zu den abgeriegelten Dörfern errichten zu können. "Es hängt davon ab, was die Armee uns bieten kann", sagt er.

Die Taskforce konzentriere sich im Moment auf die Evakuierung von Touristen aus überschwemmten Hotels in Interlaken. Und da der Wasserpegel weiter ansteige, müssten die Bahngeleise im Bahnhof Interlaken West vor den Fluten geschützt werden.

Die Bahngeleise im Ostbahnhof Interlakens stehen unter Wasser, auch Häuserblocks, Läden und Büros in der Gegend sind überschwemmt.

"Der Schaden in unserem Büro ist enorm. Das ganze Stockwerk inklusive Möbel und viele Akten wurden vom Wasser beschädigt", sagt Gerard Fuhrer, Leiter des Sozialdienstes der Region.

"Im Moment versuchen wir, einen mobilen Container zu organisieren, um ab morgen weiterarbeiten zu können."

Wasserschöpfen

Bruno von Allmen, der einen Möbelladen betreibt, gehört zu den vielen Gewerbetreibenden in Interlaken, die immer noch Wasser aus ihren Läden schöpfen.

"Wir wurden bisher nie von Überschwemmungen betroffen", erklärt von Allmen am Dienstag gegenüber swissinfo. "Doch letzte Nacht stieg das Wasser innerhalb einer Stunde um 90 Zentimeter. Als ich um halb elf Uhr nachts hierher kam, stand das Wasser im Keller schon knietief. Es war nicht möglich, noch irgendetwas zu retten."

Von Allmen schätzt allein den Schaden an seinem Lagerbestand auf 150'000 bis 200'000 Franken.

Andreas Roth und andere Anwohner der Freiestrasse schöpfen das Wasser Eimer um Eimer aus den überfluteten Kellern. "Das Wasser steht im Keller immer noch rund 10 Zentimeter tief; die wichtigsten Dinge wie unsere Velos hatten wir noch gestern Abend aus dem Keller geholt", erklärt Roth.

"Danach begannen wir damit, das Wasser Eimer um Eimer nach draussen zu bringen. Waschmaschine, Trockner und Boiler befinden sich im Keller." Sie hätten versucht, so viel Wasser wie möglich abzuschöpfen, damit die Geräte möglichst keinen Schaden erlitten, sagt er weiter, bevor er wieder nach unten in den Keller steigt.

Hoffen auf Wetterbesserung

"Wir mussten den Laden schliessen, da wir zur Zeit keine Outdoor-Aktivitäten anbieten können", erklärt Hano Tschabold, der Geschäftsführer des Abenteuer-Sport-Anbieters Swiss Alpine Guides.

Er hoffe, den Betrieb in einigen Tagen wieder aufnehmen zu können, wenn das Wetter wieder besser werde.

"Wir werden dann wieder Paragliding anbieten können, aber natürlich keine Riverrafting-Ausflüge oder andere Wassersport-Angebote." Auch Eisklettern werde vorerst nicht möglich sein, da die Zufahrtstrassen zu den Klettergebieten nicht passierbar sind.

"Angesichts einer solchen Naturkatastrophe sind wir schlicht hilflos. Wir mussten wieder einmal sehen, welche Macht Mutter Natur hat", so Tschabold.

Fotosujets

Da zur Zeit nichts wird aus Ausflügen in die höher gelegenen Berge oder um die Seen herum, schlenderen viele Touristen in Interlaken durch die Strassen, fotografieren die über die Ufer tretenden Gewässer, die überfluteten Strassen, oder machen es sich einfach in Restaurants gemütlich und warten auf bessere Wetterverhältnisse.

Vor den Tourismus- und Bahnhof-Informationsschaltern bilden sich lange Schlangen, doch scheinen nur wenige Touristen Interlaken verlassen zu wollen. Aus der Hotelbranche heisst es, man sei zu rund 80% belegt.

"Wir hoffen, dass sich die Lage verbessern wird", sagt Anil Zaparde aus New Jersey. "So ist das Leben. Da kann man nichts machen, das ist weiter keine grosse Sache."

swissinfo, Dale Bechtel in Interlaken
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein und Rita Emch)

In Kürze

Interlaken liegt zwischen dem Thuner- und dem Brienzersee. Beide Seen sind über die Ufer getreten.

Mehrere der Bergdörfer in der Region um Interlaken, oft Touristen-Orte, sind aufgrund von Erdrutschen und Überschwemmungen von der Umwelt abgeschnitten.

Die Behörden rechnen damit, dass es einige Wochen dauern wird, bevor die Hauptzugangsstrassen und Zugverbindungen in der Region wieder in Betrieb genommen werden können.

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