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Aufschwung ist...

Aufschwung ist... wenn es aufwärts geht. swissinfo.ch

Um die Wirtschaft steht es nicht besonders gut - und nun fallen auch noch Schatten auf die Konsumlust der Schweizer Bevölkerung.

Dieser Inhalt wurde am 16. August 2002 - 16:50 publiziert

Was tun? Die Gewerkschaften wollen mehr Lohn, ein "Komitee für den Aufschwung" appelliert auf Plakatwänden an den "Aufschwung im Kopf".

Von rund 4500 Plakatwänden in der Schweiz strahlt dieser Tage ein Cartoon mit einem Pärchen aus den 70er Jahren in die Welt. Dies mit Sätzen wie "Aufschwung ist ..." - zum Beispiel - "... nicht schwarz sehen", "... einem Liebsten etwas schenken", "... sich etwas gönnen" oder "... etwas Neues wagen".

Die Botschaften sollen zu einer "positiven" Grundstimmung beitragen, wie es an einer Medienkonferenz des "Komitees für den Aufschwung" hiess. Es gehe darum, sagte Balz Hösly, Chef der OSEC (Wirtschaftsförderungs-Organisation des Bundes), dass Konsumenten und Konsumentinnen aber auch die Wirtschaft den Aufschwung selbst an die Hand nehmen müssten.

Sonst werde sich das Karussell negativer Wirtschaftsmeldungen immer weiter drehen, fürchtet das Komitee, dem Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur angehören, darunter die freisinnige Zürcher Ständerätin Vreny Spoerry, die Chefs von Schweiz Tourismus und GastroSuisse, die Eiskunstläuferin Denise Biellmann sowie die Sängerin und Schauspielerin Maya Brunner.

Nette Belanglosigkeiten - und 70er Groove

Bei seinem früheren Siegeszug um die Welt hatte das Cartoon-Pärchen auf Liebe gesetzt, nicht auf Wirtschaft: Damals begannen die Botschaften mit "Liebe ist... ".

Die jetzigen Plakate variieren in der Botschaft nicht gross, nur geht es jetzt um den Aufschwung, nicht um die Liebe. So kriegt "Adam" von seiner "Eva" zum Beispiel einen Arm voller Geschenke, sie kaufen gemeinsam ein Haus, sitzen vor einem Riesen-Becher mit Glacé, geniessen das Strandleben, sitzen auf der Schaukel.

Mit diesen "positiven" Botschaften, denen schon rein optisch etwas Altbackenes anhängt, soll nun also die Kauflust der Menschen in der Schweiz angekurbelt werden. Ob es klappen wird, ist offen.

Gewerkschaften: "Aufschwung ist mehr Lohn"

Die Gewerkschaften auf jeden Fall setzen auf konkretere Werte: Für sie ist "Aufschwung mehr Lohn". Denn dies wird ihrer Ansicht nach helfen, die Wirtschaft aus dem Tal zu führen.

Für die kommende Lohnrunde fordern die Gewerkschaften im Durchschnitt 3% mehr Lohn für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Damit werde auch die Kaufkraft gestärkt, erklärten die Gewerkschaftsvertreter diese Woche vor den Medien.

Zwar sei das wirtschaftliche Umfeld dieses Jahr schwierig. Trotzdem gebe es gute Gründe, eine substanzielle Lohnerhöhung zu fordern, so Gewerkschafts-Ökonom Serge Gaillard, der auf die wichtige Rolle der Konsumenten als Konjunkturstütze verwies.

In direkter Anspielung auf die Plakatkampagne "Aufschwung ist ..." erklärte Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), der Aufschwung werde nicht mit einer Inseratekampagne herbeigeführt, sondern mit einer substanziellen Lohnrunde.

"Aufschwung beginnt im Kopf"

Ganz falsch liegen die Gewerkschaften mit ihrer Einschätzung wohl nicht. Mit dem Slogan "Aufschwung beginnt im Kopf" hatte die Werbebranche schon 1993/1994 versucht, die Wirtschaft über Kopf und Seele anzukurbeln.

Geklappt hatte es damals auf jeden Fall nicht. Die Wirtschaft wuchs kaum, die Arbeitslosen-Zahlen blieben hoch, die Ausgaben der privaten Haushalte gering. Erst gegen Mitte 1997 setzte der Aufschwung so richtig ein.

Dies nachdem die Nationalbank die Zinspolitik gelockert und die öffentliche Hand ihr rigoroses Sparen abgelegt hatten, wie der Chef der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, Bernd Schips, gegenüber swissinfo erklärte.

Heute sei die Lage anders und zudem besser als die allgemeine Stimmung. An der Zinspolitik der Nationalbank gebe es heute nichts zu rütteln. Die Banken verhielten sich aber weiter zu restriktiv.

Dass die jetzige Plakatkampagne Wirkung zeige, dürfe "man bezweifeln", sagte Schips weiter. "Aber weh tut sie niemandem."

Rita Emch

In Kürze

Auch die Schweiz wartet weiter auf den Aufschwung. Mit einer zweiwöchigen Plakat-Aktion soll nun die Konsumlust der Bevölkerung angekurbelt werden.

Skepsis ist angebracht: 1993/94 hatte eine ähnliche Kampagne kaum etwas bewirkt: Die Botschaft vom "Aufschwung im Kopf" bleibt in Erinnerung, den Wechsel gebracht hatte sie aber nicht.

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