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Aufschub für Sabena

Anne Spiritus-Dassesse, Präsidenten des Brüsseler Handelsgerichtes, gewährt Sabena einen Aufschub. Keystone

Die schwer angeschlagene belgische Flug-Gesellschaft Sabena hat mit einem Gläubigerschutz für zwei Monate eine letzte Rettungschance erhalten. Besitzer der Sabena sind der belgische Staat (50,5 Prozent) und die Swissair Group (49,5 Prozent).

Dieser Inhalt wurde am 05. Oktober 2001 - 15:39 publiziert

Das Brüsseler Handelsgericht befreite am Freitag die halbstaatliche Airline bis Anfang Dezember von ihren Zahlungs-Verpflichtungen.

Unterdessen gab die unabhängige belgische Charter-Fluglinie City Bird ihre Fluglizenz ab. Die Maschinen des zahlungsunfähigen Ferienfliegers blieben am Boden.

Fehlt noch der Segen der EU-Kommission

Die EU-Kommission muss noch einen Rettungskredit für Sabena von 5 Mrd. belgischen Francs (185 Mio. Franken) billigen. Die staatliche Finanzspritze sollte am Freitag angemeldet werden. Der Sprecher von EU-Kommissarin Loyola de Palacio versprach eine Prüfung innerhalb weniger Tage.

«Wir sind alle daran interessiert, dass es schnell geht.» Da de Palacio seit Tagen mit der belgischen Regierung spricht, gilt ein grünes Licht der Kommission als wahrscheinlich. Einen Termin dafür gibt es nicht. Der Fall ist politisch heikel, da Belgien derzeit die EU-Ratspräsidentschaft führt.

Widerstand

In der Branche stossen die Überlebens-Hilfen für die belgische Traditionslinie auf Widerstand. Die Deutsche Lufthansa habe zu verstehen gegeben, ihre Wettbewerbsklage gegen Hilfen für Sabena vom März sei auch für die Ereignisse danach gültig, sagte der Kommissions-Sprecher.

Lufthansa, KLM und British Airways hatten im Frühjahr gegen einen früheren Sabena-Rekapitalisierungsplan protestiert. Gegen den neuen Rettungskredit legte die irische Ryanair Klage wegen Wettbewerbsverzerrung ein. Die Kommission kann solche Klagen berücksichtigen, aber sich auch über sie hinwegsetzen.

Schweiz will Informationen liefern

Die Schweiz sicherte der Kommission zu, nötige Informationen zu dem Swissair-Kredit von bis zu 450 Mio. Franken zu liefern. Die EU-Kommission hatte am Donnerstag wegen fehlender Informationen den Schweizer EU-Botschafter Dante Martinelli «eingeladen».

Das - bisher allerdings nicht ratifizierte -Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und der Schweiz schreibt sogar eine Anmeldung solcher Hilfen vor, da sie den gesamten europäischen Luftverkehr beeinflussen.

Gläubigerversammlung am 15. November

Die Präsidentin des Brüsseler Handelsgerichts, Anne Spiritus-Dassesse, forderte die Sabena auf, dringend einen aktualisierten Sanierungsplan vorzulegen. Die Gläubiger der Gesellschaft werden sich am 15. November über einen neuen Umbauplan äussern. Falls eine Einigung darüber nicht gelingt, droht der Konkurs.

Branchenbeobachter zeigten sich skeptisch, dass es gelingt, nach dem Ausfall des bisherigen Grossaktionärs Swissair einen neuen Investor zu finden. Swissair hatte zu Wochenbeginn vereinbarte Millionenzahlungen nicht geleistet.

639 City Bird-Angestellte verlieren ihre Arbeit

Thomas Cook (Neckermann, Sunsnacks) war in der vergangenen Woche als Kauf-Interessent für City Bird abgesprungen. Da kein anderer Investor in Sicht war, hatte das Brüsseler Handelsgericht am Donnerstag über die Gesellschaft mit 639 Mitarbeitern Konkurs verhängt. Vorher stand die Gesellschaft unter Gläubigerschutz.

Noch am Mittwoch hatte City Bird vor dem Gericht eine hohe Zwangsstrafe gegen den hessischen Reiseriesen erwirkt. Thomas Cook musste demnach pro Tag 1,2 Mio. DM (915 000 Franken) zahlen, solange er City Bird nicht übernimmt. Thomas Cook gehört zur Lufthansa und zu KarstadtQuelle.

swissinfo und Agenturen

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