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Asche zu Asche, Staub zu Diamant

So sehen Diamanten aus der Asche von Hinterbliebenen aus. Algordanza

Eine Bündner Firma stellt aus der Asche von Verstorbenen Diamanten her. Statt in einer Urne zu ruhen, können sie so am Finger getragen werden.

Dieser Inhalt wurde am 06. Oktober 2004 - 14:18 publiziert

Der Service kostet rund 6000 Franken, was den Vergleich mit einem herkömmlichen Grabstein nicht zu scheuen braucht.

Algordanza heisst auf Romanisch "Erinnerung". Das Unternehmen ist seit Juli die erste Firma in Europa, welche aus Krematoriums-Asche wertvolle Steine macht.

"Wir haben viele Interessenten – es ist überwältigend", sagt Direktor Veit Brimer gegenüber swissinfo. "Täglich machen sich 200 Personen auf unserer Webseite kundig."

Tote machen einmalige Steine

Dort schreibt die Firma: "Jeder Diamant ist ein Unikat: Für die Herstellung wird ausschliesslich die Asche Ihres geliebten Verwandten verwendet."

Unterschiedliche Umwelt-Einflüsse, Ess- und Trinkgewohnheiten schlügen sich im blauen Farbton nieder: "Es gibt keine zwei gleiche Steine, wie es auch keine zwei gleiche Menschen gibt", verspricht die Site.

Die blauen Steine wirkten wertvoller als normale Diamanten, sagt der Direktor. "Es gibt blaue Steine in der Natur, aber sie sind ausgesprochen selten und entsprechend sehr viel teurer."

Hitze und Druck formen

Bei der Produktion wird die Asche gereinigt, erhitzt und dann unter Druck gesetzt. "Die Kristalle wachsen wie in der Natur", erklärt Brimer, "aber mit unserer Methode dauert das nicht Jahrmillionen, sondern drei bis vier Wochen."

Sogar die eigenen Spezialisten bekundeten Mühe, echte von den synthetischen Steinen zu unterscheiden.

Unter Druck gesetzt wird die Asche in einer Pressmaschine, die an einen grossen Kühlschrank erinnert. Darin herrscht ein Druck von über 50'000 Bar und Temperaturen um die 1500 Grad. Die Technologie stammt aus Russland. Fünf bis sechs Steine können darin gleichzeitig geformt werden.

"Wir machen eine chemische Analyse der Asche und eine weitere der fertigen Steine. Wir wissen, aus welcher Asche welcher Stein gemacht wurde", zerstreut Veit mögliche Verwechslungs-Ängste.

Auf Granit oder im Ring

Ein geschliffener Halbkarat-Stein kostet die Hinterbliebenen ab 5700 Franken aufwärts.

Geliefert werden die Steine auf einem Granitsockel, in den Grundvarianten "Klassik" oder "Modern". Wer will, kann dem Stein per Laser Namen und Lebensdaten eingravieren lassen.

Anfragen kommen laut Brimer von Menschen, welche die Asche von Ehepartnern oder Verwandten zu Hause aufbewahren, aber auch von Personen, die nach ihrem Ableben selber zum Diamanten gemacht werden wollen.

Die bisher ungewöhnlichste Anfrage sei bezüglich der Asche eines Pferdes eingegangen. Algordanza habe jedoch keine Pläne, den Service auf Tiere auszuweiten.

"Dafür würden wir wohl eine andere Firma gründen", sagt Direktor Brimer.

swissinfo, Morven McLean
(Übertragung aus dem Englischen von Philippe Kropf)

Fakten

Bei 1500 Grad und über 50'000 Bar Druck entstehen künstliche Diamanten.

Ähnliche Verhältnisse herrschten im Erdinnern, als die natürlichen Diamanten entstanden.

Selbst Spezialisten können Kunst-Steine nur schwer von Natur-Steinen unterscheiden.

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In Kürze

Eine Churer Firma macht aus der Asche von Verstorbenen künstliche Diamanten.

Dies dauert je nach Anzahl Karat drei bis fünf Wochen.

Die Stärke der blauen Farbe der Steine hängt von den Ess- und Trinkgewohnheiten der toten Person ab.

Der Service kostet rund 6000 Franken.

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