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Armee-Einsatz nach verheerendem Unwetter?

Verwüstungen in Eriswil im Kanton Bern, nachdem die Langeten über die Ufer getreten ist. Keystone

Starke lokale Gewitter haben am Freitagabend im Luzerner Hinterland, im Raum Basel und im Emmental grosse Schäden verursacht. Drei Menschen sind wegen des Unwetters ums Leben gekommen.

Dieser Inhalt wurde am 10. Juni 2007 - 12:35 publiziert

Am Montag soll entschieden werden, welche Hilfe die betroffenen Gemeinden noch brauchen, allenfalls von Seiten der Armee.

Nach den verheerenden Gewittern vom Freitagabend ist die Region Huttwil in der Nacht auf Sonntag von weiteren Unwettern verschont geblieben. Die Rettungskräfte, die am Samstag Geröll und Schutt wegräumten und Häuser sicherten, gönnten sich bis Montag eine Verschnaufpause.

Derzeit sei noch der Kommandoposten besetzt, für den Fall, dass wieder ein Gewitter im Anzug sei, sagte ein Sprecher der Gemeinde Sumiswald im Kanton Bern am Sonntag. Auch das Care Team stehe unvermindert im Einsatz, um Betroffene zu betreuen. Alle übrigen Einsatzkräfte und Helfer habe man zurückgezogen.

Die verstopften Bäche und Gräben konnten bereits im Verlauf des Samstags geräumt werden. Mit dieser Massnahme wollten die Behörden erreichen, dass plötzlich anfallende Wassermengen abfliessen können.

Hilfe von der Armee?

Am Montag treffen sich Fachleute und Gemeindevertreter zu einer weiteren Bestandesaufnahme. Dann soll entschieden werden, welche Hilfe die betroffenen Gemeinden noch brauchen, allenfalls von Seiten der Armee.

Die Menschen, die evakuiert wurden, konnten seines Wissens noch nicht zurückkehren, führte der Gemeindesprecher aus. Auch hier werde sich am Montag klären, welche Gebäude wieder bewohnt werden können und welche nicht. Sechs Familien mussten ihre Wohnungen in der Nacht auf Samstag verlassen.

Ob für die drei Todesopfer ein Gedenkgottesdienst stattfindet, ist noch nicht definitiv entschieden. Diskutiert wird, einen solchen Anlass in zwei Wochen abzuhalten.

Bereits nächste Woche soll in Huttwil das Berner Jodlerfest stattfinden. Man werde alles daran setzten, den lange vorbereiteten Anlass durchzuführen, hiess es bei der Gemeinde. Auch hier werde sich zu Wochenbeginn zeigen, welche Einschränkungen allenfalls bei der Durchführung des Anlasses in Kauf genommen werden müssen.

Grosse Zerstörung

Nach dem schweren Gewitter in der Region Huttwil schwollen Bäche innert kürzester Zeit zu reissenden Flüssen an. Drei Personen fanden in den Fluten den Tod. In Eriswil ertrank eine Rentnerin in ihrem überfluteten Haus.

Ein älteres Ehepaar wurde vom Wasser mitgerissen, als es seine Schafe aus einem Stall retten wollte. Ihr Sohn konnte gerettet werden. Rund 500 Häuser wurden zum Teil schwer beschädigt. Die Berner Gebäudeversicherung rechnet mit Schäden von rund 20 Mio. Franken.

Strassen und Bahnstrecken waren und sind teilweise noch unterbrochen. Nach wie vor für den Verkehr gesperrt ist die Region Fritzenfluh zwischen Eriswil und Wasen. Die Bahnstrecke Huttwil-Wohlhusen wird am frühen Montagmorgen wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Auch Luzern und Basel betroffen

Aber nicht nur das Bernbiet war betroffen: Heftige Regenfälle brachten auch im Luzerner Hinterland Bäche zum Überlaufen. Zahlreiche Keller und Garagen wurden überflutet. Die Strasse und die Bahn zwischen Willisau und Menznau wurden unterbrochen. Dort musste eine Familie wegen einer Gerölllawine evakuiert werden.

Im Raum Basel kam es ebenfalls zu Überschwemmungen. Insgesamt gingen bei den Feuerwehren rund 220 Meldungen über überschwemmte Keller, Einstellhallen und überfluteten Baustellen ein. Der Horburg-Tunnel und der St. Johann-Tunnel mussten während rund einer Stunde gesperrt werden.

Damit hatten sich die Unwetter aber noch nicht ausgetobt: Am Samstagnachmittag wüteten in der Nord- und Nordostschweiz neue Gewitter. Am stärksten waren sie auf einer Achse, sie sich vom Zürcher Oberland ins Toggenburg zog. In der Region Wil im Kanton St. Gallen beispielsweise wurden mehrere Keller überflutet.

swissinfo und Agenturen

FRÜHERE ÜBERSCHWEMMUNGEN

Aug. 2005: Heftige Regenfälle richten vor allem in Bern, Aargau sowie der Ost- und Innerschweiz grosse Schäden an. Die Unwetter rissen insgesamt acht Menschen in den Tod. Die Sachschäden beliefen sich auf rund 3 Mrd. Franken.

Juni 2004: Anhaltende Regenfälle führen am Thunersee und an der Aare zu Überschwemmungen, das Berner Mattequartier wird gesperrt. Ein zehnjähriger Bub ertrinkt in Wasen im Kanton Bern in einem reissenden Bach.

Aug. 2003: Schwere Unwetter im Tessin mit Erdrutschen im Blenio-Tal. Eine Person kommt ums Leben.

Sept. 2002: Starker Regen löst in Lutzenberg im Kanton Appenzell Ausserroden einen Erdrutsch aus, drei Personen sterben in einem verschütteten Haus.

Okt. 2000: Nach anhaltendem Regen zerstört ein Erdrutsch Teile des Dorfes Gondo am Simplon; 13 Menschen kommen dort, drei weitere in anderen Walliser Gemeinden ums Leben. Der Schaden beläuft sich auf eine halbe Milliarde Franken.

August 2000: Nach Unwettern verschüttet eine Schlammlawine oberhalb Grindelwald fünf Bergwanderer; ein Schweizer Bergführer und zwei US-Amerikaner sterben.

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