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Warum untersuchen wir die Plastikverschmutzung in der Antarktis?

Die "Polarstern" in Kapstadt, kurz vor der Abreise. © Kevin Leuenberger

Plastikverschmutzung wird überall gefunden, wo nach ihr gesucht wird – von den Tiefen des Ozeans über die Alpen bis hin zu den Polen. Aber wenn Plastik überall ist, warum gehen wir ausgerechnet in die Antarktis, um diese Form der Verschmutzung zu untersuchen?

Dieser Inhalt wurde am 24. April 2022 - 09:00 publiziert
Gabriel Erni Cassola

Im Vergleich zu anderen Regionen der Erde sind die Antarktis und das Südpolarmeer weniger stark von menschlichen Aktivitäten betroffen und daher relativ unberührt. Dennoch wird seit den frühen 1980er-Jahren über die Aufnahme von Plastik durch antarktische Vögel berichtet, und besonders Mikroplastik wurde mindestens seit 2009 beobachtet. Es wird vermutet, dass Meeresströmungen die Ausbreitung von Meeresplastikmüll aus anderen Ozeanen, wie dem Atlantik, in das Südpolarmeer teilweise einschränken.

Feldnotizen aus der Antarktis

In diesem Frühjahr sind Kevin Leuenberger (links) und Gabriel Erni Cassola und von der Universität Basel an Bord des deutschen Eisbrechers "Polarstern" im Südpolarmeer unterwegs. Die Forscher wollen herausfinden, wie Tiere und Bakterien in der Antarktis durch Mikroplastik beeinträchtigt werden. In diesem Blog geben sie uns einen Einblick in ihre Arbeit und das Leben an Bord einer Polarexpedition.

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Wir möchten genauere Erkenntnisse über das Vorkommen von Mikroplastik – das heisst Plastikfragmente, die weniger als 5 mm lang sind – im Oberflächenwasser des Südpolarmeeres gewinnen. Wir wollen herausfinden, wie hoch die Konzentrationen sind und ob sie sich je nach geografischer Lage unterscheiden. Der Eisbrecher "Polarstern" wird sich also entlang des Greenwich-Meridians der Antarktis nähern, dann nach Westen abbiegen und das Weddellmeer überqueren, bevor er in Punta Arenas in Chile ankommt.

Wenn Plastik in einer Umwelt vorhanden ist, können Fische oder andere Tiere diese synthetischen Partikel aufnehmen. Um das Ausmass dieses Problems abzuschätzen, werden wir Magen- und Darmproben von verschiedenen Fischarten entnehmen und auf Mikroplastik untersuchen. Schliesslich möchten wir auch die Wasserbakterien, die schwimmendes Plastik besiedeln, entdecken und untersuchen, um zu sehen, ob sie es abbauen könnten.

Abschied von Kapstadt – ab ins Südpolarmeer! © Kevin Leuenberger

An dieser Forschungsexpedition nehmen mehrere Experten und Expertinnen für Plastikverschmutzung teil. Ich, Gabriel, bin ein Postdoc-Forscher, der seit 2015 die Plastikverschmutzung erforscht. Kevin Leuenberger wird im Rahmen seiner Masterthesis forschen. Wir sind beide Teil der Forschungsgruppe Mensch-Gesellschaft-Umwelt des Departements für Umweltwissenschaften der Universität Basel. An Bord des Schiffes befinden sich 45 weitere Wissenschaftler aus 11 Ländern.

Externer Inhalt

Nach einer zehntägigen strengen Quarantäne, um Fälle von Covid-19 während der Expedition zu vermeiden, gingen wir alle am 3. März 2022 in Kapstadt, Südafrika, an Bord der "RV Polarstern" und fuhren durch das Weddellmeer nach Süden zu unserem ersten Ziel: Neumayer III, die deutsche Antarktis-Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts, wo wir die ersten zwei Wochen arbeiteten.

Bis zum nächsten Blogbeitrag können Sie hierExterner Link den Kurs des Schiffes Polarstern verfolgen und sich über andere Forschungsprojekte informieren.

Die Übersicht zu unserem Antarktis-Blog finden Sie hier:

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