Navigation

Das Ende der Expedition

Sonnenuntergang über dem Atlantischen Ozean. Gabriel Erni Cassola
Dieser Inhalt wurde am 19. Juni 2022 - 09:00 publiziert
Gabriel Erni Cassola

Unsere Antarktisexpedition ging in Punta Arenas, Chile, zu Ende, und fast alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliessen das Forschungsschiff Polarstern – bis auf einen Meereschemiker und mich.

Es kamen jedoch zwei neue Forschende hinzu, welche die submarine Topographie des Atlantiks untersuchen. Sie nehmen im Wesentlichen eine 3D-Kartierung des Meeresbodens vor.

Zusammen mit den Fachleuten für Meteorologie an Bord bilden wir nun eine fröhliche, familiäre Gruppe von sieben Personen und haben uns auf die Atlantiküberquerung eingestellt, die das Schiff zurück in seinen Heimathafen Bremerhaven führt. Es gibt nur einen kurzen Zwischenstopp auf den Kanarischen Inseln, um eine Gruppe von Studierenden abzuholen.

Die siebenköpfige Reisegruppe ab Chile.

Mein Ziel ist es, die Besiedlung von Kunststoffen durch Bakterien weiter zu untersuchen, indem ich die Kunststoffe in Meerwasser inkubiere und Wasserproben davon nehme. Auch wenn Letzteres seltsam anmuten mag, beherbergen die Meere viele verschiedene Bakterienarten, und selbst ein einziger Tropfen Meerwasser enthält etwa eine Million Bakterien.

Diese sind wichtig für die biogeochemischen Kreisläufe und die globale Sauerstoffproduktion: Etwa die Hälfte des Sauerstoffs, den Sie atmen, stammt aus Meeressystemen. Einige der Bakterien aus dem Wasser setzen sich auf schwimmendem Plastik ab und bilden dort Gemeinschaften.

Im Vergleich zu freilebenden Zellen in der Wassersäule interagieren die Bakterien in Biofilmen viel stärker miteinander, und der Kunststoff bietet ihnen ein stabileres Umfeld. Dennoch ist das Wachstum dieser so genannten Biofilme von äusseren Bedingungen abhängig, wie der Verfügbarkeit von Nährstoffen, Temperatur und Licht.

All diese Faktoren ändern sich, wenn die Polarstern durch das Südpolarmeer und dann nach Norden durch den Atlantik fährt. Mit der Fortsetzung unserer Experimente wollen wir daher herausfinden, ob und wie sich die Bakteriengemeinschaften auf den Kunststoffen in diesen Regionen unterscheiden.

Feldnotizen aus der Antarktis

In diesem Frühjahr sind Kevin Leuenberger (links) und Gabriel Erni Cassola und von der Universität Basel an Bord des deutschen Eisbrechers "Polarstern" im Südpolarmeer unterwegs. Die Forscher wollen herausfinden, wie Tiere und Bakterien in der Antarktis durch Mikroplastik beeinträchtigt werden. In diesem BlogExterner Link geben sie uns einen Einblick in ihre Arbeit und das Leben an Bord einer Polarexpedition.

End of insertion

Der Alltag an Bord der Polarstern unterscheidet sich in einigen Punkten von der üblichen Arbeitsroutine an der Universität Basel. Da die wissenschaftliche Arbeit immer dann erledigt werden muss, wenn das Schiff eine bestimmte Forschungsstation erreicht, werden die Arbeitszeiten von der Expeditionsroute diktiert.

Die Wochentage verlieren ihre Bedeutung, und Wochenenden gibt es keine. Während den intensivsten Forschungsperioden, wie zum Beispiel in der Antarktis vor dem Schelfeis, kann dies auch bedeuten, dass der Schlaf zu kurz kommt. Denn die Verarbeitung von Proben oder das Ausbringen von Ausrüstung haben oberste Priorität.

All diese Aktivitäten werden durch eine Besatzung ermöglicht, die im Schichtbetrieb arbeitet, um eine 24-Stunden-Betreuung an sieben Tagen in der Woche zu gewährleisten.

Schiffbesatzung und Forschende.

Um einige der Tage zu etwas Besonderem zu machen, werden wir jedoch jeden Donnerstag und Sonntag mit einem Eis verwöhnt! Im Allgemeinen sind die Mahlzeiten eine der wenigen festen Zeiten, in denen ich andere Menschen treffe und mit ihnen plaudern kann. Ich bekäme sie sonst kaum zu Gesicht, weil sie in einem anderen Bereich des Schiffs arbeiten.

Diese Mahlzeiten können auch grosse Freude bereiten. Nach zwei Monaten auf See in der Antarktis waren die meisten frischen Lebensmittel aufgebraucht. So genossen wir die frischen Salate und Früchte, die wir in Chile bekamen, ebenso wie die frischen Erdbeeren von den Kanarischen Inseln.

Externer Inhalt

Während unserer Atlantiküberquerung beeindruckte uns die Natur mit einer partiellen Sonnenfinsternis, einer Mondfinsternis, die praktisch alle Schatten auf dem Schiff auslöschte und die Sonne bei 89° fast perfekt im Zenit stand, und einem Mahi-Mahi, der uns während eines Experiments besuchte.

Ein Mahi-Mahi (Grosse Goldmakrele) beobachtet neugierig den Einsatz eines Forschungsinstruments.

Nach drei Monaten Forschung auf See bin ich jedoch froh, nach Hause zurückzukehren, meine eigenen Mahlzeiten zu kochen und mich mit Freundinnen und Freunden zu treffen. Meine Kollegen und ich werden uns bald all den Wasserproben und Daten zuwenden, die wir gesammelt haben.

In unserem UniversitätslaborExterner Link werden wir untersuchen, wie verbreitet Mikroplastik und Bakterien im antarktischen Ozean sind, einem der letzten Grenzgebiete der Welt. Bleiben Sie dran für die Ergebnisse unseres Forschungsprojekts!

Der nächste Expeditions-Blog wird bald von einem Ort auf der anderen Seite der Welt eintreffen: von der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen. Ab Juli wird eine Gruppe von Doktorierenden der Ökologie und der Geowissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich die Begrünung der Arktis aufgrund der wärmeren Temperaturen untersuchen. Um künftige Ausgaben dieses Blogs in Ihrem Posteingang zu erhalten, melden Sie sich für unseren Wissenschafts-Newsletter an, indem Sie Ihre E-Mail-Adresse in das untenstehende Feld eintragen.

Externer Inhalt

Die Übersicht zu unserem Antarktis-Blog und alle anderen Beiträge finden Sie hier:

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Kommentare unter diesem Artikel wurden deaktiviert. Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch.

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?