Navigation

AKTIEN FRANKFURT: US-Jobdaten treiben Dax wieder über 5.800 Punkte

Dieser Inhalt wurde am 04. Dezember 2009 - 15:20 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Die deutschen Aktienindizes haben am Freitag kräftigen Auftrieb durch den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht erhalten. Der Leitindex Dax schoss nach Bekanntgabe der Jobdaten aus der Verlustzone heraus und übersprang wieder die Marke von 5.800 Punkten. Am frühen Nachmittag legte er 0,82 Prozent auf 5.817,44 Zähler zu. Der MDax drehte ebenfalls ins Plus und stieg um 0,77 Prozent auf 7.394,71 Zähler. Der Technologie-Index TecDax erholte sich mit plus 0,01 Prozent auf 802,89 Punkte.
"Die Zahlen sind richtig gut und sogar noch deutlich besser als die jüngsten Flüsterschätzungen", sagte Händler Udo Becker von der Münchener Privatbank Merck Finck & Co. Er verwies insbesondere darauf, dass die Zahl der Beschäftigten im November im Vergleich zum Vormonat nur um 11.000 zurückgegangen war. Erwartet worden war ein Rückgang der Beschäftigtenzahl auf dem US-Arbeitsmarkt um 130.000. Allgemein sank die Arbeitslosenquote im abgelaufenen Monat überraschend von 10,2 Prozent im Oktober auf nun 10,0 Prozent.
Mit Blick auf einzelne Unternehmen war am deutschen Markt vor allem der überraschend abgesagte Börsengang der Hochtief-Tochter Concessions ein Thema. Die Aktien von Hochtief reagierten nach einem anfänglichen Kursverlust jedoch mit Gewinnen und stiegen um 2,12 Prozent auf 52,94 Euro. Der grösste Börsengang (IPO) in Deutschland seit zwei Jahren war am Vorabend kurzfristig von dem Essener Baukonzern abgesagt worden. Die Pläne sollen zunächst auch nicht weiter verfolgt werden. Zahlreiche Analysten rieten Anlegern daraufhin, bei einer möglichen Kursschwäche aufgrund der IPO-Absage, die Hochtief-Aktie zu kaufen. Am substanziellen Wert der Summe der Einzelteile von Hochtief habe sich nichts geändert, meinte etwa Analyst Ingbert Faust von der Investmentbank Equinet. Zudem sei es positiv, dass nicht zu jedem Preis verkauft wurde.
Im Dax gab es hingegen wenig Aufsehen erregende Nachrichten. Die Aktionäre von Europas grösstem Autobauer Volkswagen (VW) gaben dem Vorstand grünes Licht für eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Nach viel Kritik der Kleinaktionäre stimmte die grosse Mehrheit der Stammaktionäre am Donnerstagabend für einen Vorratsbeschluss zur Ausgabe von bis zu 135 Millionen neuen stimmrechtslosen VW-Vorzugsaktien. Mit dem frischen Geld soll die Übernahme des Sportwagenbauers Porsche finanziert werden. VW-Stämme stiegen um 1,65 Prozent auf 81,85 Euro, während die Vorzüge 0,32 Prozent auf 62,90 Euro zulegten.
Eine Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse über einen Rauswurf der VW-Stämme aus dem Dax war hingegen wie prognostiziert ausgeblieben. Erst Mitte Dezember, mit der erwarteten Ausübung der bei Katar liegenden VW-Optionen, wird der Streubesitz in VW-Stämmen unter 10 Prozent sinken. Dann erst wird sich zeigen, ob die VW-Vorzüge oder womöglich die Aktien von HeidelbergCement in den Dax aufgenommen werden. HeidelbergCement rückten derweil um 2,03 Prozent auf 48,15 Euro vor.
Siemens-Papiere büssten nach einer UBS-Studie als schwächster Dax-Wert 1,79 Prozent auf 62,93 Euro ein. Die Schweizer Grossbank strich die Titel des Mischkonzerns nach den tags zuvor veröffentlichten Zahlen zum vierten Geschäftsquartal sowie dem Ausblick auf 2010 von ihrer "Most Preferred List". Die Analysten sehen in der Aktie keine kurzfristige Kaufgelegenheit mehr. Die Zwölfmonatseinschätzung "Neutral" sowie das Kursziel von 65,00 Euro wurden bestätigt. Die Aussicht auf allgemeine Belastungen und der neue Fokus auf einen möglichen Preisdruck bei Siemens dürften die Papiere auf kurze Sicht nicht mehr weiter unterstützen, urteilte Analystin Christel Monot.
Am Nachmittag rückten auch die Vorzüge des Modeunternehmens Hugo Boss in den Blick. Nachdem sie im Tagesverlauf bis auf 23,20 Euro gefallen waren, gewannen sie nach einem Pressebericht 1,40 Prozent auf 23,97 Euro hinzu. Der britische Finanzinvestor Permira, Grossaktionär bei der Boss-Konzernmutter Valentino, will den schwächelnden deutschen Edelschneider nach Informationen der "WirtschaftsWoche" mit eigenem Geld unterstützen und damit entlasten. Wie Brancheninsider dem Magazin zufolge berichten, steht Permira nach monatelangen Verhandlungen vor einer Einigung mit einer der drei Banken, die dem Investor vor zwei Jahren den Einstieg bei der Boss-Konzernmutter Valentino mitfinanziert haben. Die Aktien des Solarunternehmens Q-Cells profitierten davon, dass ein Streit mit seinem chinesischen Zulieferer LDK Solar beigelegt wurde und stiegen um 2,05 Prozent auf 10,47 Euro./ck
--- Von Claudia Kahlmeier, dpa-AFX ---

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?