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Aids bleibt Geissel der Menschheit

In einem Spital in der Nähe von Peking: Ein an Aids erkrankter Vater hofft darauf, behandelt zu werden. Keystone

Der Kampf gegen die Immun-Schwäche-Krankheit Aids wird an vielen Fronten geführt: Behandlungserfolge stehen einer starken Ausbreitung gegenüber.

Dieser Inhalt wurde am 29. November 2002 - 20:57 publiziert

In Afrika und Asien breitet sich die Krankheit am rasantesten aus. Hilfe ist nötig.

Weltweit leben 42 Millionen Menschen mit dem Virus, schreibt UNAIDS, das Aids-Programm der UNO. Sollte die Prävention nicht verstärkt werden, rechnet UNAIDS bis zum Jahr 2010 mit weiteren 45 Millionen Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sein werden, 40% davon in Asien.

Bis Ende dieses Jahres werden weltweit 3,1 Millionen Menschen an Aids gestorben sein. Betroffen sind immer mehr auch Frauen und Kinder.

Kampf gegen Diskriminierung und Gewöhnung

"Ignoranz, Verständnislosigkeit und Vorurteile machen das Leben schwer und begünstigen die Verbreitung der Krankheit", klagt Ruth Rutman, Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Schweiz.

"Von solchen Verhältnissen profitiert jedoch einzig das HI-Virus", meint Ruth Rutmann weiter. "In so einem Klima redet niemand über seine Infektion oder Krankheiten. Somit lässt sich der Gebrauch eines Kondoms nicht ohne Gesichtsverlust durchsetzen."

"In knapp 20 Jahren konnten wir erleben, wie sich diese Krankheit von einer schweren, unüberwindbaren in eine chronische Krankheit gewandelt hat", sagt Professor Ruedi Lüthy, Spezialarzt für Infektionskrankheiten und Aids-Experte der ersten Stunde, gegenüber swissinfo.

Auch Schweizer Kinder betroffen

Aids macht nicht vor Kindern und Jugendlichen halt. Entweder sind sie selbst mit dem HI-Virus infiziert, oder ihre Mütter und Väter sind Opfer der Krankheit.

Drei Prozent aller Aids-Erkrankungen in der Schweiz entfallen auf Kinder und Jugendliche bis 24 Jahre, schätzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Allerdings sind solche Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren, da sich junge Menschen seltener einem Aids-Test unterziehen.

In der Schweiz ist die Stiftung Aids & Kind aktiv. Sie hilft Kindern, die das HI-Virus in sich tragen oder deren Eltern von der Krankheit betroffen sind.

"Es gibt momentan ungefähr 160 HIV-positive, direkt betroffene Kinder in der Schweiz", berichtet der Generalsekretär von Aids & Kind, Linus G. Jauslin. "Wenn man die Dunkelziffer der indirekt Betroffenen einrechnet, kommt man auf ungefähr 2000 Kinder."

Aids & Kind hilft auch im Ausland. So werden Projekte in Osteuropa und Afrika unterstützt. In Kamerun wird beispielsweise ein Mutter-Kind-Projekt begleitet, in Uganda ein Aidswaisen-Projekt.

Verschiebung des Wirkungskreises

Ruedi Lüthy hat sich während über 20 Jahren in der Schweiz im Kampf gegen Aids engagiert. Nun will er seine Arbeitskraft und sein Fachwissen dort einsetzen, wo das durch die Krankheit verursachte Elend viel grösser ist.

Lüthy zieht in einem Jahr nach Afrika. In Zimbabwe hat er ein leerstehendes Spital gekauft. Er wird dort ein Aids-Ambulatorium einrichten. "Wir möchten den Menschen dort adäquate diagnostische Standards und therapeutische Möglichkeiten bieten, wie sie in diesem Land praktisch noch nicht zur Verfügung stehen", erzählt Professor Lüthy gegenüber swissinfo.

Immense Behandlungskosten

Die Behandlung von Aids ist mit hohen Kosten verbunden. In Entwicklungs-Ländern übersteigen die Medikamentenkosten das Jahreseinkommen der Menschen meist um ein Mehrfaches.

Deshalb haben laut der Menschenrechts-Organisation "Médecins sans Frontières" (MSF) in Afrika weniger als ein Prozent der Aidskranken Zugang zu einer lebensrettenden antiretroviralen Therapie.

MSF wirft der Pharmafirma Roche vor, ihre Versprechungen zur Verbilligung von Aidsmedikamenten in Entwicklungsländern nicht einzuhalten. Es geht dabei vor allem um das Medikament Viracept.

"Roche betreibt eine konfuse Preispolitik", klagt MSF. Viracept kostet in Guatemala 8358 Dollar pro Jahr und Patient, in der Ukraine 7110, in der Schweiz 6169, in Brasilien 3130 Dollar.

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) benötigen in den Entwicklungsländern 6 Millionen Menschen solche Medikamente, nur 230'000 erhalten sie auch.

Schweiz zur Umkehr aufgefordert

Die Erklärung von Bern (EvB) hat die Schweiz aufgefordert, bei den vorgesehenen WTO-Verhandlungen über den erleichterten Zugang zu Medikamenten ihre bisherige Haltung aufzugeben und nicht mehr einseitig die Interessen der Pharmaindustrie zu verteidigen. Die EvB fordert, dass die Schweiz auf die Forderungen der Entwicklungsländer eingeht und deren Kampf für eine bessere Gesundheits-Versorgung unterstützt.

Schweiz verstärkt ihr Engagement gegen Aids

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat in ihren Zielen für 2002 bis 2007 den Kampf gegen Aids zu einem Schwerpunktthema erklärt. Man will sich dabei auf die ärmsten Länder in Afrika konzentrieren. Ausserdem sollen osteuropäische und asiatische Länder unterstützt werden.

Die DEZA möchte die Ausbreitung der Krankheit verhindern und die sozio-ökonomischen Auswirkungen lindern. Aids darf die Bemühungen der Entwicklungszusammenarbeit nicht zunichte machen, verlangt die DEZA.

"Man kann kein Aids bekommen, nur weil man darüber redet", heisst es in der diesjährigen Kampagne zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

swissinfo, Etienne Strebel

In Kürze

In der Schweiz ist Aids heute behandelbar. Der Trend zeigt allerdings eine beunruhigende Zunahmne der HIV-Neuansteckungen.

In Afrika verläuft die Krankheit jedoch meist tödlich. Hilfe tut Not. Immer wieder werden Pharmafirmen wegen ihrer Preispolitik für Aids-Medikamente an den Pranger gestellt.

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