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Aeroflot-Affäre: Deliktsumme auf einige Dutzend Mio. Dollar geschätzt

Nikolai Wolkow (r.) an der Medienorientierung zum Abschluss seines Besuchs in der Schweiz. Keystone

Der russische Sonderermittler Nikolai Wolkow schätzt den bei der Aeroflot-Affäre unterschlagenen Betrag auf einige Dutzend Mio. Dollar. Die ihm bei seinem Besuch in der Schweiz übergebenen Dokumente dürften bis September ausgewertet sein.

Dieser Inhalt wurde am 28. Juli 2000 - 14:20 publiziert

Die 80 Kisten Dokumente, mit denen Wolkow nach Moskau zurückkehrt, sollen Aufschluss über weitere strafrechtlich relevante Aspekte der Aeroflot-Affäre bringen.

Ob daraus auch weitere Anschuldigungen an den einflussreichen russischen Geschäftsmann Boris Beresowski und andere resultieren, konnte Nikolai Wolkow am Freitag (28.07.) vor den Medien in Bern nicht sagen.

Die Ermittlungen gestalteten sich äusserst kompliziert, sagte Wolkow zum Abschluss seines viertätigen Besuches in der Schweiz. Über die Konten der inkriminierten Finanzgesellschaft Andava flossen insgesamt 585 Mio. Dollar, über jene von Forus 350 Mio. Dollar. Beide Unternehmen sind in Lausanne domiziliert.

Noch sei unklar, wieviel von diesen insgesamt 935 Mio. Dollar unterschlagen worden seien. Er rechne aber "mit einigen Dutzend Millionen Dollar", sagte der Sonderermittler der russischen Generalstaatsanwaltschaft.

Kredite beschafft

Nach Angaben Wolkows gewährten die angeschuldigten Firmen der russischen Fluggesellschaft Aeroflot über Drittfirmen Kredite. Diese Kredite schöpften sie aus den eigenen Mitteln der Aeroflot und erhoben einen Zinsatz von bis zu dreissig Prozent zuzüglich Provisionen.

Die 80 Kisten voller Dokumente, die Wolkow übergeben wurden, sollen hier näheren Aufschluss bringen. Sie seien dringend nötig, um den Geldfluss allenfalls auf Privatkonten zurückverfolgen zu können.

Aufs Bankgeheimnis vertraut

Zur Frage, weshalb die Firmen Andava und Forus in den neunziger Jahren in der Schweiz gegründet worden waren, verwies Wolkow auf den damaligen Ruf des Schweizer Bankgeheimnisses in Russland. Offenbar hätten sich die Beteiligten ein Verfahren, wie es jetzt laufe, nie träumen lassen.

Die bereits übergebenen Unterlagen machen etwa einen Drittel der gesamten in der Schweiz liegenden Dokumentenmenge im Aeroflot-Fall aus. Wolkow schloss denn auch einen weiteren Besuch nicht aus. Er war bereits anfangs Dezember 1999 in der Schweiz.

Bundesgericht gab durchgehend grünes Licht

Im Zuge des Rechtshilfeverfahrens hatte das Bundesgericht in den vergangenen Tagen fast alle Einsprachen der Angeschuldigten abgewiesen. In die Ermittlungen sind neben dem Finanzoligarchen Beresowski als Hauptbeschuldigte Nikolai Gluschkow, der ehemalige Aeroflot-Vizepräsident und Alexander Krasnenker, ehemals kaufmännischer Direktor des Unternehmens, involviert.

Beresowski wird vorgeworfen, bei der Besetzung dieser Aeroflot- Spitzenpositionen seinen Einfluss geltend gemacht zu haben. Alle drei und weitere Beteiligte werden beschuldigt, die Aeroflot über verschiedene Firmen um Luftfahrtgebühren und Gewinne betrogen zu haben.

swissinfo und Agenturen

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