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Adtranz schliesst Produktionsstandort Schweiz

Der deutsche Bahntechnikkonzern Adtranz schliesst seine Produktionsstätten in der Schweiz und baut rund 750 Stellen ab. Die Gewerkschaften drohten mit Kampfmassnahmen

Dieser Inhalt wurde am 12. November 1999 - 13:13 publiziert

Der deutsche Bahntechnikkonzern Adtranz schliesst seine Produktionsstätten in der Schweiz und baut rund 750 Stellen ab. Betroffen ist vor allem die Waggonfabrik in Pratteln, Basel-Land sowie eine Fabrik in Zürich-Oerlikon. Die Gewerkschaften drohten mit Kampfmassnahmen

Dies gaben die Gewerkschaften am Freitag (12.11.) bekannt. Sie waren nach eigenen Angaben erst am Vorabend informiert worden. Insgesamt beschäftigt die Adtranz in der Schweiz derzeit noch 1' 300 Arbeitnehmer. Die Schliessung der Produktionsbetriebe soll bis im Mai 2001 vollzogen werden.

Gewerkschaften drohen mit Kampfmassnahmen

Die Gewerkschaften und Angestelltenverbände wollen die Schliessung des Produktionsstandorts Schweiz der Adtranz nicht akzeptieren. An einer Medienkonferenz in Zürich warfen sie dem deutschen Bahntechnikkonzern vor, entgegen der industriellen Logik vorzugehen und gewinnbringende Produktionsstätten schliessen zu wollen. Im Gegensatz zum Gesamtkonzern schreibe Adtranz Schweiz schwarze Zahlen, habe unter anderem mit dem neuen Neigezug hervorragende Produkte anzubieten und sei für zweieinhalb Jahre ausgelastet.

Sie forderten Adtranz auf, den Entscheid zurück- zunehmen und behielten sich einen Arbeitskampf vor. Die im Gesamtarbeitsvertrag verankerten Bestimmungen würden durch Adtranz verletzt. Deshalb fühlten sich die Arbeitnehmerorganisationen auch nicht mehr an die Friedenspflicht gebunden. Die Verbände Smuv, Syna, VSAM und SKV kündigten weiter an, sie würden bei den Behörden und dem Adtranz-Grosskunden SBB intervenieren, um den Entscheid der Konzernzentrale umzustossen.

Radikalkur mit weltweiten Auswirkungen

Mit einem weiteren drastischen Stellenabbau und Werkschliessungen will der seit Jahren mit Verlusten kämpfende Konzern wieder in die Gewinnzone rollen. In den kommenden drei Jahren werden weltweit 3'000 der knapp 24'000 Stellen abgebaut werden. Der Einschnitt erfolgte nur knapp ein Jahr nach der vollständigen Übernahme der weltweit tätigen Bahntechnikgruppe durch den Autokonzern Daimler-Chrysler. Er hatte vom Elektrotechnikkonzern ABB dessen 50-Prozent-Beteiligung an der Adtranz für 472 Millionen Dollar übernommen.

Laut dem am Freitag (12.11.) in Berlin vorgestellten Sanierungsprogramm wird Adtranz nebst den Werkanlagen in der Schweiz auch Betriebe in Deutschland, Norwegen, Portugal und in den USA schliessen. Der Bahnbauer will sich künftig auf Kernkompetenzen konzentrieren, wie Konzernchef Rolf Eckrodt in Berlin erklärte. Ziel sei es, die Kosten um 300 Millionen Euro pro Jahr zu senken. Bis zum Ende des Jahres 2001 soll die Produktion schwerpunktmässig in Deutschland, Grossbritannien, Schweden und in den USA konzentriert werden. Die Standorte solle neu strukturiert und besser miteinander vernetzt werden.

Riese mit Finanzproblemen...

Adtranz war nach der Zusammenlegung der Bahnsparten von Daimler-Benz und ABB Asea Brown Boveri im Januar 1996 als weltgrösster Schienentechnikkonzern gestartet. Es entstand ein Konzern mit heute weltweit knapp 24 000 Beschäftigten in rund 60 Ländern. Etwa drei Viertel der Mitarbeiter sind in Westeuropa tätig und jeweils zehn Prozent in Amerika und in Osteuropa. Drei Prozent entfallen auf Asien. Bisher verfügt Adtranz über 48 Fertigungswerke in 19 Ländern.

Nach der Übernahme durch Daimler-Chrysler Anfang 1999 firmiert das Unternehmen als Daimler-Chrysler Rail Systems. Danach bekam Adtranz eine neue Struktur. Im Segment Nahverkehr wurden Strassenbahnen, Metros sowie Bahngesamt- und Bahnfahrwegsysteme zusammengefasst. Zum Fernverkehr gehören S-Bahnen, Regionalzüge, Intercity-, Interregio- und Hochgeschwindigkeitszüge, elektrische und Diesellokomotiven, Güterverkehr und Signaltechnik. Das Geschäftsfeld Systeme und Komponenten umfasst Drehgestelle, Wagenkästen, Stromrichter und Antriebe. Hinzu kommt das Segment Marketing und Service.

Mehr als ein Drittel des Welt-Umsatzes von 6,5 Milliarden DM (1998) entfällt auf die deutsche Gesellschaft mit Sitz in Hennigsdorf bei Berlin. Sie war bisher auch hauptsächlich für die hohen Verluste verantwortlich. 1998 betrug der Konzernverlust 762,8 Millionen DM. Mitte 1998 waren in Deutschland noch 7 400 Mitarbeiter an neun Standorten beschäftigt. Ende 2000 sollen es nach dem 1998 gestarteten Sanierungsprogramm 6 000 sein. Das Werk Berlin-Pankow ist seit kurzem ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Schweizer Bahnbauer Stadler, der die unternehmerische Führung hat.

SRI und Agenturen

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