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"Bundesrat verleiht Swissair Flügel "

Schweizer Presse zum Bundeskredit für die Swissair: Hier Zustimmung, da Kritik. Keystone

Die Schweizer Zeitungen sind sich im Grossen und Ganzen einig darüber, dass die Finanzspritze des Bundes an die Swissair der richtige Schritt war. Allerdings wird auch Kritik laut: Der Entscheid des Bundes sei zu spät gekommen, die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik habe versagt.

Dieser Inhalt wurde am 04. Oktober 2001 - 09:57 publiziert

"Le Conseil fédéral offre les soins palliatifs à Swissair." Der Bundesrat verschafft der Swissair Linderung, schreibt die Genfer Zeitung LE TEMPS. Die Swissair fliegt wieder, dank den 450 Millionen Franken von Seiten des Bundes.

"Bundesrat verleiht Swissair Flügel" titelt deshalb das ST.GALLER TAGBLATT. Der Bundesrat hat sich in den Augen des TAGES ANZEIGER sogar selbst in die Lüfte erhoben, zumindest symbolisch: "Nun fliegt der Bundesrat voran", titelt die Zeitung stellt fest: "Gestern musste die Politik dafür sorgen, dass die Wirtschaft wieder reibungslos funktionieren kann."

Die Geldspritze des Bundes sei eine "sehr, sehr wichtige Starthilfe", schreibt die AARGAUER ZEITUNG: "Selten hat der Bundesrat mit Geld so direkt zum Wohle dieses Landes gearbeitet."

Kritische Stimmen

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG meint, es sei der letzte Ausweg gewesen, dass die Politik das Heft in die Hand genommen habe. Allerdings könnte die Regierung nun in Argumentations-Not kommen, wenn andere Firmen oder Branchen bei Gelegenheit auf gleiches Recht pochen, wenn es ihnen schlecht gehe: "Im Sinne des nationalen Interesses musste Villiger ein fatales Präjudiz schaffen."

Für die BASLER ZEITUNG kam diese Hilfe von Seiten der Politik allerdings zu spät. Bis zum "chaotischen Dienstag", wie das Blatt schreibt, habe der Staat die Überzeugung gehabt, dass die Sanierung der maroden Swissair Sache der Wirtschaft sein und bleiben müsse. Das Blatt titelt deshalb: "Und taten (zum Glück), was sie nicht wollten..."

Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kritisiert, die Massnahmen kämen zwei Tage zu spät. Das koordinierte Krisenmanagement an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Politik habe, nicht zum ersten Mal übrigens, versagt: "Bis zum Auftritt von Bundesrat Villiger am Mittwochabend im Bundeshaus gewann man den Eindruck einer Managementkrise statt eines Krisenmanagements."

Die BERNER ZEITUNG betont, dass dank des Bundeskredites das Schlimmste vorbei sei. Doch nach dem Swissair-Desaster teile ein Riss das Land. Dass die Swissair weiterfliegen dürfe, ändere daran nichts: "Arbeitnehmer, Banken, Politik - der Niedergang der Swissair zeigt, dass Wirtschaft und Politik weniger denn je eine Einheit sind. Zerrieben werden jene, die dazwischen stehen, die Arbeitnehmer."

Und in Zukunft?

Immer noch wird darüber spekuliert, warum die Banken der Swissair den Geldhahn zugedreht haben. Und ob vielleicht sogar die Crossair dabei mitgemischt habe. Der Berner BUND meint, dass man sich auf dieser Seite "grob verrechnet" haben könnte: "Unter den Angestellten und Kunden hat sich die Skepsis gegenüber der 'Crossair-UBS-Linie' massiv verstärkt. Wenn ihr Vertrauen nicht schnell zurückgewonnen werden kann, endet die neue Fluglinie als Totgeburt."

Auch der BLICK weist auf die Spuren hin, die das Swissair-Debakel hinterlassen hat. Die Zeitung zeigt auf der Front die Abbildung einer Swissair-Mitarbeiterin, die an einer Protest-Kundgebung zornig die Hand in die Höhe reckt und titelt: "Die Wut bleibt, Herr Ospel."

Kathrin Boss Brawand

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